Herr Kaiser, am Dienstag lief die erste Folge der neuen Sendung "Undercover Boss". Sind Sie zufrieden mit den Zahlen?
Uns hat die Sendung sehr gefallen. Nun freuen wir uns auf die Folge von nächster Woche mit dem Undercover Boss von Mobilezone. Über 220000 Zuschauer haben in die Sendung reingezappt. Bei den 15- bis 34-Jährigen war die Sendung besonders beliebt und erreichte dort einen Marktanteil von leicht unter 9 Prozent, auch die Haushaltsführenden haben mit 7.5 Prozent gut geguckt.
Sie haben sich mit Ihrem Produktionsteam darauf eingeschossen, rührige Doku-Soaps zu machen. Der Bumann geht ans Herz, und zur Auflösung bei "Undercover Boss" erklingen warme Streicherklänge. "Äs mänschelet". Was ist der Schlüssel dafür?
Wir erzählen Geschichten von Menschen aus der Schweiz und produzieren diese hochwertig, emotional und mit viel Liebe zum Detail.
Wie viel ist beschönigt?
Wir haben nichts beschönigt und hätten gerne auch ein bisschen mehr Action gehabt.
Ist das Zufall, dass die Leute, die den CEO der Best Western Hotels einen Tag lang in ihr Metier einführen, allesamt einen guten Job machen?
Wir haben nicht nur den Boss, sondern auch die Mitarbeiter, welche in der Sendung vorkommen, vorab gecastet. Undercover Boss ist eine positive Dokusoap, der Chef soll erkennen, wie toll seine Mitarbeiter ihren Job Tag für Tag machen. Deshalb schicken wir ihn auch zu kompetenten, sympathischen Mitarbeitern.
Ich muss gar nicht fragen, ob es schwierig war, CEOs zu finden, die bereit waren mitzumachen. Ich frage besser: Haben Sie mehrere gefunden? Und wie lange mussten Sie ihnen gut zureden?
Obwohl die Sendung eine Stunde lang ein sehr positives Bild der Firma zeigt, war es ausserordentlich schwierig, interessierte Kandidaten zu finden. Die, die interessiert waren, wollten dann aber auch dabei sein. Die mussten wir nicht lange überzeugen. Bei einigen kam dann leider später ein Nein aus dem Hauptsitz aus dem Ausland.
lles hat ein Verfallsdatum: Wie lange wird "Bauer, ledig, sucht..." noch laufen?
Wir werden sehen. Es gibt Sendungen, welche über mehrere Jahrzehnte sehr gut liefen. Wir haben gerade die 100. Folge gezeigt und produzieren dieses Jahr noch viele weitere. "Bauer, ledig, sucht..." kommt unterdessen auch bei den 15- bis 34-Jährigen sehr gut an. Wir waren in dieser Zielgruppe in der letzten Staffel mehrfach Marktführer während der Sendung. Das gabs bei früheren Staffeln nicht. An interessanten Bauern mangelt es nicht und wir sehen noch viele süsse, herzliche, lustige Geschichten aus dem Land, welche wir erzählen möchten.
Harald Schmidt sucht derzeit einen neuen Job. Sie könnten ihn ja verpflichten.
Da sind wir die Falschen.
Scherz beiseite: Sie sind bekannt für eine Taktik der kleinen Schritte. Für kalkuliertes Risiko. Wie oft müssen Sie sich eigentlich selber vor einem zu grossen geschäftlichen Risiko bremsen?
Wir haben viel richtig und einiges falsch gemacht und es damit geschafft, unabhängig zu bleiben. So soll es bleiben. Die Einschätzung, was ein sinnvolles Risiko für uns ist, ist relativ und hat sich seit dem Sendestart deutlich verändert. Wir gehen unterdessen Risiken ein, welche vor fünf Jahren für uns zu grosse Brocken gewesen wären. Die Menge der Eigenproduktionen hat sich stark erhöht. Die Sendungen sind unterdessen deutlich besser produziert und damit teurer. Wir testen viel mehr neue Schweizer Produktionen und US Topserien. Wir haben fast doppelt so viele Mitarbeiter wie beim Sendestart. Trotzdem gibt es auch heute immer wieder Projekte, welche auf den ersten Blick als zu grosser Brocken erscheinen und wir dann intensiv recherchieren. Wir könnten heute erstaunlich grosse Brocken stemmen, wenn das Potential der Sendung es rechtfertigen würde. Nach den intensiven Analysen ist in der Regel jedoch immer klar, was der nächste sinnvolle Schritt ist.
Wäre alles Andere als diese strikte, kurzlebige Unterhaltungsschiene denn geschäftlicher Selbstmord?
Wir sind ein Unterhaltungssender. Wir mögen gute Serien, tolle Schweizer Eigenproduktionen und Spielfilme. 3+ gibt es seit ca. fünfeinhalb Jahren. "Bauer, ledigt sucht" gibts seit 4 Jahren, "Buhmann, der Restauranttester" fast so lang, CSI läuft seit etwa fünf Jahren. Aus meiner Sicht ist das recht beständig. Wir wollen uns auch weiterhin auf Unterhaltung konzentrieren, weil wir davon etwas verstehen, gut darin sind und Erfolg damit haben.
Was steht in nächster Zeit sonst noch so an? Sie sind immer noch auf der Suche Teilnehmern für die Adaption von "The Bachelor".
Das Casting für den Schweizer "Bachelor" wird noch eine Weile dauern. Bisher haben wir über tausendfünfhundert Männer angesprochen. Einige werden noch dazu kommen. Nun wird aussortiert. Einen Top-Kandidaten haben wir schon. Wir entwickeln und casten gerade für etwa zehn Formate und haben dazu unsere interne Redaktion um eine Castingabteilung ausgebaut. Kommuniziert haben wir bisher "The Bachelor", "Vermisst", "Jung, wild & sexy" und "Bauer, ledig, sucht". Weitere werden wird bekannt geben, wenn wir so weit sind.
Wird auch "Jung, wild & sexy" fortgesetzt?
Ja, wir planen eine weitere Staffel für dieses Jahr.
Interview: Adrian Schräder