Michael Ringier ist seit Montag auch ein "Verleger mit Gratiszeitung". Und er ist vom Konzept der Abendzeitung heute überzeugt, wie er im Interview mit dem Tages-Anzeiger (TA) sagt. So wollen die Leser am Abend laut Ringier nur Fakten, schöne Bilder und viel Service lesen und keine Kriegsbilder sehen.
Ringier gibt auch zu, dass er den Start der Gratiszeitungen verschlafen hat. Er habe sich immer mit dem klassischen Journalismus befasst. Zudem sei er davon ausgegangen, dass das "ein Zürich-Problem" bleibt. Da dies anders gekommen ist, habe er umgedacht. Nun ist er überzeugt, dass niemand die Gratiszeitungen so gut kennt, wie das Haus Ringier.
Klaus J. Stöhlker: Idee zu 20 Minuten von mir geboren
Klaus J. Stöhlker hingegen sieht den Blick nicht als Objekt des klassischen Journalismus. In seinem Weblog umschreibt er ihn so: "das von Blut-, Sex- und echten wie falschen Sensationen triefende Massenblatt". Im gleichen Blogeintrag zu Ringiers Interview im TA betont Stöhlker, dass die Idee zum heutigen 20Minuten von ihm geboren wurde. Dies im Auftrag der Osloer Verleger.
Laut Stöhlker sei Sascha Wigdorowits bei Ringier intern mit einem ähnlichen Angebot abgeblitzt, weshalb Stöhlker ihn als Macher für 20Minuten engagierte. Gemäss Stöhlker hätte Ringier also die Nummer 1 sein können im Markt der Gratiszeitungen. Die Angst um die Auflage des Blicks, habe Ringier aber daran gehindert, so Stöhlker weiter.
Ringier vertraut Experten nicht
Den einzigen Experten und Türöffner, den Ringier akzeptiert ("Ich habe noch nie im Leben einem Experten vertraut. Wer auf Experten hörte, wurde meistens ruiniert"), ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Mit ihm reiste Ringier letzten Monat nach Asien.