Sie haben Rudolph Moshammer persönlich gekannt. Was war er für eine Person?
Jeder, der in München als Reporter gearbeitet hat, kannte "Mosi". Aber eben nur als eine Art lebendes Neuschwanstein. Eigentlich gab's ja auch den Herrn Rudolph Moshammer gar nicht -- es gab den Mode-Kasperl, das König-Ludwig-Double, es gab den rechten Arm, auf dem immer irgendeine Yorkshire-Dame hechelte, und dann gab's noch den Sohn, der mit seiner Mama Else ein Medien-Happening bot. "Mosi" -- und das ist keineswegs despektierlich -- war ein Kitsch-Baron zwischen Prunk und Protzen, einst umwedelt von reichen Spinnern wie arabischen Prinzen und dem Konzern-Erben Arndt Krupp von Bohlen und Halbach. Und wer mal -- wie ich -- das Haus Windsor nicht recht ernst nahm, durfte sich auf ein langes Gespräch freuen. In eben genau diesem Bully Herbig-Bayerisch.
In den letzten Tagen wurde immer wieder Moshammers soziales Engagement für die Obdachlosen hervorgehoben. War das den Leuten bekannt?
Da war Moshammer der wirklich erste "Charity-Boy", neben all den Charity-Ladys. Wie die verkündete er auch vor laufender Kamera sein Gutmenschentum. Nur eben: Die Wirklichkeit sah anders auch. "Mosi" war kein Freund der direkten Aus- und Weitergabe von eigenem Geld. Meist beschnurrte er Kaufhäuser, ihm irgendwelche Restposten für seine Obdachlosen zu geben. So konnte es schon passieren, dass er seinen Obdachlosen Herrenunterhosen der Grösse XXL schenkte. Nur: Obdachlose neigen nun mal nicht zu Fülle beim Leibumfang.
Wie erklären Sie sich den ganzen Medienwirbel, der um seinen Tod entstanden ist?
Ehrlich: Da müssen wir Journalisten uns doch mal kräftig die Leviten lesen. Die Nachricht ist doch ungeschminkt die: Schwuler Krawatten-Verkäufer von irakischem Stricher erdrosselt. Und was inszeniert die deutsche Medien-Landschaft à la RTL (Rammeln, Töten, Leiche)? Ein gewaltiges Ereignis. Mit vier Sendern, die live die Trauerfeierlichkeiten übertragen. Mit Hundertschaften von Reportern, Redaktoren, Kamera-Männern und Live-Schaltungen. Ganz so als handele es sich wirklich um ein Ereignis.
Warum hat dieses Ereignis über München hinaus solche Wellen geworfen?
Weil es Quote und Auflage bringt. Selbst als grosser Freund von Quote und Auflage wird es einem doch mehr und mehr mulmig, wenn Pseudo-Ereignisse wie die Sex-Ergüsse von Dieter Bohlen, die Schwangerschaft von Verona Feldbusch, die Liebesabenteuer eines nicht mehr taufrischen Ballfängers namens Kahn und jetzt die -- zugegeben tragische -- Ermordung eines Münchner Boutiquen-Mieters so schreiend zum Medien-Mittelpunkt werden. Kurz: Auch wenn Medien keine Macht bei der wirklichen Macht haben -- die Macht trivialen Schwachsinn zum Wochen-Event zu stilisieren, haben wir allemal.
Ist eine solche Beerdigung nur in München möglich?
Nein. In Wien könnte ich mir auch noch eine Beerdigung für Mosis Hündin "Daisy" vorstellen. Im Ernst: München ist eine Trutzburg barocker, katholischer Lebenskunst. Der "homo bavaricus" ist im Grunde ein Voralpen-Anarchist: Er liebt all das, was andere irritiert. Nur so ist ja auch die bis heute ungebrochene, sklavische Liebe zu "Landesvater" Franz-Josef Strauss erklärbar; oder das 295. Buch über den bizarren Tod von König Ludwig II. vor, am oder im Starnberger See. Ludwig II. war ja das grosse Vorbild von Moshammer. Mit dem Unterschied: Der König liess auf Steuerkosten schöne Knaben von Häschern in ganz Europa suchen -- Moshammer musste mit seinem Rolls Royce selbst durchs Stricher-Milieu kurven.
Was bedeutet der Abgang von Moshammer für die sogenannte Szene?
Nichts. Ausser, dass Robert Blanco, die Jacob-Sisters und Patrick Lindner noch lange von ihrem "besten Freund" schwafeln werden. Vorturner in Bussi-Bussi-Gesellschaften werden schnell vergessen. Und als Sänger war Mosi beim deutschen Grand-Prix-Schlagerwettbewerb so schlecht, dass selbst der Komponist ihn verklagen wollte.Die Szene sucht sich morgen einen neuen Paradiesvogel, der sich rupfen lässt. Wobei Moshammer klug genug war, die Medien nach Lust und Laune zu manipulieren. Umgekehrt war's nie!
Wird Moshammer zur neuen Lady Di oder wird man ihn nach einem, zwei Jahren vergessen?
Er war ja nicht mal eine "Lady Di light"! Nie und nimmer! Diana und "Mosi" -- da liegt jetzt mehr als nur eine irdische Welt dazwischen. Im wahren, wie im erträumten Leben der beiden. Nur: Übernimmt jetzt einer von Moshammers reichen Freundinnen -- Freunde hatte er ja nicht, sehen wir mal von Roberto Blanco ab -- die Stiftung für die Obdachlosen, dann allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Moshammer posthum geehrt wird. Mit einem Rudolf-Moshammer-Platz. Und das geht in München schneller als in Berlin, wo sich Rechte und Linke lächerlich machten, auch nur einen Fussweg nach Marlene Dietrich zu benennen.