"Wir machen kein Radio für die breite Masse"

- djradio hat das Rennen um die Konzessionsvergabe für ein neues Zürcher Radio gewonnen. Das junge, urbane Radio wird voraussichtlich im Herbst 2005 auf UKW auf Sendung gehen. Leer gingen die Radioprojekte von VivaSwizz, Radio 105, Mike Gut und Radio 3fach aus. "persoenlich.com" war unter den ersten Gratulanten und sprach mit Egon Blatter, dem Gründer von djradio. Das Interview:

Herr Blatter, herzliche Gratulation zum Erhalt der Konzession. Wie viele Investoren haben sich heute morgen schon bei Ihnen gemeldet?

Investoren? Da hat mich niemand angerufen. Wir brauchen keine Geldgeber mehr. Jedoch haben sich viele wichtige Leute aus der Radioszene gemeldet und mir gratuliert. Es freut mich, dass man findet, ich sei der Richtige für Zürichs neues Radio. Auch einige unserer Konkurrenten bei der Konzessionsvergabe haben sich bei mir gemeldet und zugesichert, dass sie keine Einsprachen einreichen werden.

Hinter den meisten Gesuchsstellern standen Medienunternehmen. Nicht so bei djradio. Wie finanzieren Sie sich?

Hinter uns steht ein starkes Investorenkonsortium von unabhängigen, privaten Personen, die nicht aus dem Medienbereich stammen. Deren Namen sind dem Bakom bekannt.

Der Schritt vom Internet-Radio zu einem UKW-Radio ist gross. Wie geht es weiter?

Wir werden bald neue, grössere Räumlichkeiten suchen. Ein Teil der Mittel soll in die Infrastruktur investiert werden, damit wir künftig noch professioneller arbeiten können. Damit wir als UKW-Radio bestehen können, müssen wir noch einige Geräte anschaffen.

Das Programm von djradio wird sich an ein breiteres Publikum richten müssen...

Wir wollen eine Ergänzung sein zu der bestehenden Zürcher Radiolandschaft. Spielen werden wir einen interessanten musikalischen Mix, der sich abseits des Mainstreams bewegt. Wir werden ganz bestimmt nicht die Charts rauf und runter spielen. Vielmehr werden wir ein Kontrastprogramm anbieten, das sich an den Trends der Jungen orientiert.

In Zürich gibt es schon ein halbes Dutzend Privatradios. Weshalb braucht es da noch djradio?

Weil die Jungen nicht mehr Radio hören und unzufrieden mit der bestehenden Auswahl an Sendern sind. Wir wollen sie wieder zum Medium Radio zurückführen und erreichen, dass sie nicht mehr nur mp3s hören, sondern finden, hey, Zürich hat wieder ein cooles Radio.

Wie wollt ihr am Puls der Jugend bleiben?

Wir sind selber in der Bewegung drin. Wir sehen uns als junge urbane Menschen, und wir werden auch kein Jugendradio machen, sondern ein urbanes Radio für junge -– oder jung gebliebene – erwachsene Menschen.

Auch djradio muss sich über Werbung finanzieren. Mit einem Programm, das sich jenseits des Mainstreams bewegt, werden Sie aber kaum die grossen Massen erreichen...

Hier muss man differenzieren. Wir machen kein Radio für die breite Masse. Wir limitieren uns vielmehr auf ein junges Publikum und können dort unsere Stärken ausspielen. Ich bin überzeugt, dass unser Sender die Werbeindustrie anziehen wird. Zumal wir uns an ein Programm heranwagen werden, vor welchem andere Radios längst zurückschrecken.

djradio heisst für mich stundenlange Plattenmusik ohne Unterbrechung. Verzichten Sie auf redaktionelle Inhalte?

Wir werden Nachrichten und redaktionelle Leistungen bringen. Allerdings werden sich unsere Beiträge von jenen anderer Radios unterscheiden. Wir werden tief greifende Informationen zu Themen bringen, die junge Menschen beschäftigen. Hier arbeiten wir mit der Institut der angewandten Medienwissenschaften ZHW zusammen. Studenten werden als Teil ihres Studiums bei djradio arbeiten. Mögliche Themen können etwa sein: Weshalb rennen wir die ganze Zeit Trends hinterher, wollen „In“ sein etc. Wir wollen auch In- und Szene-Lokale auf differenzierte Art und Weise betrachten.

Ihr Konkurrent Guiseppe Scaglione von 105 meint, djradio zielt am Hörer- und Werbemarkt vorbei...

Scagliones Methode scheint in der Verbreitung von Angst zu liegen. Mehr will ich dazu nicht sagen. Auch ich habe ebenso wie mit einem positiven mit einem negativen Entscheid rechnen müssen. Dennoch hätte ich wohl dann nicht auf die Gewinner geschossen, sondern neue Ideen entwickelt.