"Wir müssen nicht dort aufhören, wo es spannend wird"

- Das Schweizer Fernsehen lanciert 14 Jahre nach der Einstellung von "Netto" erstmals wieder ein selber produziertes Wirtschaftsmagazin. Der Druck auf die Macher ist beträchtlich, nachdem unlängst lancierte SF-Sendungen meist unter den Quotenerwartungen zurückblieben. Im Interview mit "persoenlich.com" erklärt "Eco"-Moderator Reto Lipp das Konzept der Sendung und sagt, weshalb nicht allein die Einschaltquote zählt.

Herr Lipp, in zehn Tagen moderieren Sie erstmals die neue SF-Wirtschaftssendung "Eco". Macht sich bereits Nervosität bemerkbar?

Im Moment noch nicht. Wir sind so sehr im Studio beschäftigt, dass dazu kaum Zeit besteht. Das Kribbeln wird wohl aber noch früh genug kommen.

Sie verfügen über ein grosses journalistisches Know-How sind aber ein TV-Newcomer. Fiel Ihnen die Umstellung schwer?

Die Arbeit im TV-Studio ist eine völlig neue Welt für mich. Ich muss unheimlich viel lernen. Mir steht aber ein Moderationscoach zur Seite, der mich seit Wochen fast täglich trainiert. Und die Erfahrungen, die ich als Radiojournalist gemacht habe, helfen mir sehr.

SF steht unter Druck, weil die Erwartungen an das neue Wirtschaftsmagazin hoch sind. Inwiefern macht sich die Unruhe für Sie bemerkbar?

Ein gewisser Druck ist bei Neulancierungen immer vorhanden. Die Erfahrung zeigt, dass es im Fernsehen mindestens ein Jahr dauert, bis sich eine neue Sendung etablieren kann.

Wie oft erscheint Frau Deltenre im Studio, und schaut der Redaktionscrew auf die Finger?

Ich traf Frau Deltenre bislang per Zufall einmal in der Kantine und wechselte mit ihr ein paar Worte. Über die Sendung habe ich mit ihr aber noch nie diskutiert. Das mache ich allein mit dem Redaktionsleiter Kurt Schaad.

Wirtschaftssendungen haben es beim Schweizer Fernsehen traditionell schwer: Das Format "Netto" wurde aus Kostengründen aus dem Programm gekippt.

Der Service Public eines öffentlich-rechtlichen Senders darf nicht nur Politik, Kultur und Sport umfassen, sondern eben auch Wirtschaft. Das Schweizer Fernsehen braucht deshalb mehr Wirtschaftskompetenz. Es lohnt sich, der Wirtschaft mit "Eco" neben der Berichterstattung in den Nachrichtensendungen eine zusätzliche 25-minütige Plattform zu verschaffen.

An wen richtet sich "Eco": An die breite Masse, oder allein an das wirtschaftsinteressierte Publikum?

In erster Linie schon an die Wirtschaftsinteressierten. Aber wir versuchen den Balance-Akt, die Themen so aufzugreifen, dass unsere Berichte auch einem breiteren Publikum gefallen. Dabei wollen wir es vermeiden, in der Sendung Finanzslang zu sprechen, zu viele Zahlen zu präsentieren oder die Zuschauer mit ausschliesslich komplexen Wirtschaftsthemen zu erdrücken. Wer sich aber ganz und gar nicht für Wirtschaftsthemen interessiert, tut sich mit unserer Sendung schwer.

Wirtschaftsinteressierte nutzen andere Kanäle wie etwa das Internet, um sich über die Geschehnisse aus der Geschäftswelt zu informieren. Hat da "Eco" nicht einen schweren Stand?

Einfach wird es nicht. Aber wir können die Vorteile des Fernsehens gegenüber dem Internet ausspielen. So etwa, indem wir Topmanager live in der Sendung interviewen. Ich bin überzeugt, dass wir damit viele Zuschauer anziehen können.

Das Jungunternehmerformat "Start up" erreichte am Montagabend auf dem selben Sendeplatz bloss einen Marktanteil von 14 Prozent.

"Start up" war thematisch stärker eingeschränkt. Es ging bloss um junge Unternehmer und ihre Geschäftsidee. Das decken wir auch ab, werden zugleich aber thematisch breiter aufgestellt sein.

Wie sieht das Sendekonzept aus?

Die Sendung behandelt folgende fünf Themenfelder: Unternehmertum, Finanzen & Geld, Wirtschaft & Gesellschaft, Ökonomie & Ökologie sowie Globalisierung. Es ist uns frei gestellt, wie wir die Themen abhandeln wollen. "Eco" soll hintergründig sein und nicht in erster Linie die Aktualität einfangen, wie die "Tagesschau" oder "10vor10". Diese Freiheit drückt sich auch in der Länge der Beiträge aus: Ein Bericht kann durchaus auch einmal zehn Minuten dauern. Wir müssen nicht dort aufhören, wo es spannend wird.

Mit welchen Beiträgen wird die erste "Eco"-Sendung um die Gunst der Zuschauer buhlen?

Das möchte ich noch nicht verraten. Das Redaktionsteam ist auch noch nächste Woche intensiv auf Dreh, wenn die Aktualität es erfordert, werden wir auch auf kommende Ereignisse eingehen. Allerdings ist "Eco" ein Hintergrundmagazin. Aktuelle Themen haben vor allem in den News-Sendungen Priorität, nicht bei uns.

Sie haben betont, die Quote sei bei "Eco" nicht alleiniges Erfolgskriterium sei. Welche Kriterien muss die Sendung vom übernächsten Montag erfüllen, damit Sie sie als gelungen erachten?

Wenn das Publikum die Sendung überzeugend gefunden hat und "Eco" nächste Woche wieder einschaltet. Die Quote ist bestimmt wichtig, wir müssen aber sehen, dass das Thema Wirtschaft kein Quotenknüller ist. Wichtiger ist, dass der Sender die Wirtschaftskompetenz zeigen und sich auf einem bislang unbeackerten Feld positionieren kann.

(Interview: David Vonplon)