"Wir müssen von der Leserschaft ab und zu Prügel einstecken."

- Frischer Wind bei der "Unternehmerzeitung": Verlagsleiter Urs Hübscher freut sich über viel mehr Leser, neue Beilagen und den geplanten Ausbau des Online-Angebots. Zudem kommt das Wirtschaftsmagazin seit diesem Jahr in einem trendigeren Kleid daher und kann neu auch am Kiosk gekauft werden. Warum die Zeitung trotz des Aufwärtstrends auch Kritik einstecken muss und was noch nicht so gut läuft, erläutert Urs Hübscher auf persoenlich.com. Zum Interview:

Urs Hübscher, die "Unternehmerzeitung" kann man seit diesem Jahr auch am Kiosk kaufen. Wie fällt die erste Bilanz aus?

Sehr durchzogen, wir konnten von 350 gelieferten Exemplaren 62 Exemplare verkaufen. Allerdings haben wir auch noch keine POS-Aktivitäten gemacht.

Wie lange können Sie auf den Erfolg warten?

Wir werden im laufe dieses Jahres auf jeden Fall eine POS-Werbung an den Verkaufsstellen machen (wahrscheinlich September bis Dezember) und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Sie sprechen von einem grossen Leserzuwachs 2011. 7'000 Leser haben Sie mehr. Warum?

Das kann nur an der redaktionellen Leistung liegen, haben wir doch die Druckauflage bzw. die Gratisauflage seit 2009 um rund 12'000 Exemplare zurückgefahren. Der Anteil der bezahlten Auflage ist im selben Zeitraum allerdings von 3'000 auf 5'600 Exemplare gestiegen.

Wie viele Exemplare der "Unternehmerzeitung" werden denn insgesamt gedruckt?

Die Druckauflage beträgt 52’000 Exemplare, davon werden 12'000 bis 13'000 Exemplare adressiert (5’600 Abos sowie ca. 7'000 Zielversand an CEOs von Betrieben ab 50 Mitarbeitern) verschickt, 35'000 bis 38'000 Exemplare gelangen monatlich via Geschäfts-Postfächer an KMUs.

Sie sind in den letzten Monaten verschiedene Medienpartnerschaften eingegangen. In erster Linie sind also die für den Leserzuwachs verantwortlich?

Die Partnerschaften mit swisscleantech-Verband, Unternehmer-Forum Schweiz, KMU-next, SIVG (Schweiz. Institut für Verwaltungsräte) sind natürlich für einen Grossteil der neuen Abonnenten verantwortlich. Dann haben wir aber auch einen Mehrwert geschaffen mit den beiden Supplements "VR-Praxis" und "BusinessClass" welche als Beilage zur "UnternehmerZeitung" je viermal jährlich erscheinen.

Was machen die Beilagen aus?

Die "VR-Praxis" ist redaktionell ganz gezielt auf den Verantwortungs-Bereich eines Verwaltungs-Rates ausgerichtet und ein wesentlicher Teil der Texte wird in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und Universitäten erstellt. Das "BusinessClass" beschränkt sich demgegenüber auf Lifestyle-Themen, wie Reisen, Wellness, Luxus, Freizeit und Kultur.

Wie finanziert sich die "Unternehmerzeitung" und wie steht sie finanziell da?

Praktisch 90% der Einnahmen generieren wir noch immer aus dem Werbemarkt. Wir schreiben seit Jahren eine "schwarze Null". Das hängt damit zusammen, dass wir die steigenden Einnahmen von Jahr zu Jahr in den Ausbau des Produktes und der Redaktion investieren.

Wie setzt sich Ihre Redaktion zusammen?

Wir arbeiten mit professionellen Freelance-Journalisten zusammen, im Betrieb auch mit Studien-Abgängern. Wir haben Korrespondenten in Bern, Zürich und sozusagen unseren "Senior Korrespondenten" in St. Gallen in der Person von Steffen Klatt, der vor allem in den Dossiers "Cleantech" und "Europa" sehr bewandert ist. Im Haus arbeiten neben mir Herausgeber Remo Kuhn, die Redaktoren Peter Blattner, Andreas Heckmann, Birthe Grautmann und im Teilzeitverhältnis Stine Wetzel.

Ihre Zeitung kann man online gratis lesen. Was bietet die Printausgabe mehr?

Sie müssten eigentlich fragen, was bieten wir online mehr als mit der Print-Ausgabe. Im Moment noch sehr wenig. Aber wir sind zur Zeit am Ausbau des "Unternehmerzeitung"- Portals und werden spätestens ab Mai einen neuen, frischen Auftritt mit zahlreichen Neuerungen haben.

Ist eine Einführung der Paywall geplant?

Es wird online zahlreiche Mehrleistungen geben, für welche wir eine Gebühr verlangen werden. Auch hier starten wir ab Mai. Dieses Projekt läuft auf Hochtouren.

Wo positioniert sich die "Unternehmerzeitung" gegenüber der Konkurrenz?

Wir sind die unabhängige Monats-Zeitung für eine "nachhaltige und soziale Marktwirtschaft" mit Fokus auf ein gesundes Wachstum der Realwirtschaft und den Werkplatz Schweiz sowie ein faires Steuer-System. Wir richten uns gezielt an Firmen-Inhaber (KMU) und CEOs und weniger an Manager; gem. WEMF 2011 erreichen wir so viele selbständige Unternehmer wie die "Handelszeitung" und fast doppelt so viele wie die "Finanz und Wirtschaft".

Was machen Sie besser?

Nichts, aber wir sind sicher anders. Die "Unternehmerzeitung" hat z.B. bereits im April 2008 geschrieben, dass das Schweizer Bankgeheimnis unserer Volkswirtschaft mehr Schaden zufüge als Nutzen bringe, und dass es Zeit sei, dies nüchtern abzuwägen. Ausserdem waren wir für die Steuer-Gerechtigkeits-Initiative und kommen auch sonst mal unter Beschuss des Gewerbe-Verbandes oder der Economie Suisse. Wir sind auch überzeugt, dass die Zukunft der Schweiz in der EU liegt, auch wenn wir dafür immer wieder von einem Teil unserer Leserschaft Prügel einstecken!

Wo wollen Sie noch zulegen?

Wir sind am Umbau unserer Homepage, verwenden seit Jahresbeginn ein neues, schönes Druckpapier und haben der Printausgabe ein sanftes Facelifting verpasst. Zudem werden wir die Redaktion in diesem Jahr nochmals um eine 80-100% Stelle ausbauen. Wir suchen also noch eine(n) gute(n) Wirtschafts-Redaktor(in).

Interview: Christine Schnyder