"Wir positionieren uns bewusst in Ergänzung zum Programm der SRG"

- Am Mittwoch informierte das junge Schweizer Sportfernsehen über den neuen Kooperationsvertrag mit TeleZüri. Künftig werden alle Sendungen der in St. Gallen domizilierten Firma in den Räumlichkeiten des Zürcher Regionalsenders produziert. Wie macht sich eigentlich der Sender von Programmleiterin Claudia Lässer (Bild) knapp ein Jahr nach der offiziellen Lancierung? Wie zuschauerwirksam ist Frauenvolleyball? Und wie soll die Rechnung schlussendlich aufgehen? CEO Tom Rüegge stand "persoenlich.com" Red und Antwort. Zum Interview:

(Bild: Tim Rüegge, CEO des Schweizer Sportfernsehens)

Herr Rüegge, Sie sind der Leiter eines Sportkanals, von dem die meisten schon gehört, den jedoch die wenigsten schon länger als 10 Minuten konsumiert haben. Wer gehört zu ihrer Zielgruppe?

Erlauben Sie zuerst eine Korrektur Ihrer Aussage. Unsere wichtigen Sendungen weisen teilweise eine klar höhere durchschnittliche Verweildauer als die von Ihnen genannten 10 Minuten auf. Als Spartensender dürfen wir zudem nicht mit dem 24-Stunden-Vollprogramm anderer Sender verglichen werden. Entscheidend sind für uns die Zuschauerzahlen der einzelnen Sportsendungen und -Übertragungen. Damit sind wir nach einem Jahr durchaus zufrieden.

Zurück zu Ihrer Frage: Unser Programm richtet sich an Sportfans, die einen vertieften und umfassenden Einblick in die Vielfalt des Schweizer Sportgeschehens suchen. Damit richten wir uns primär an die Communities und Fans der von uns übertragenen Sportarten und -Events sowie an das sportinteressierte TV-Publikum im Allgemeinen.

Am Mittwoch wurde bekannt gegeben, dass Sie neu mit Tele Züri kooperieren und die dortige Infrastruktur nutzen. Was bringt das für Vorteile?

Bei TeleZüri finden wir eine moderne Infrastruktur die uns gute und professionelle Rahmenbedingungen bietet. Dadurch kann die Qualität im Bereich Ton und Bild weiter verbessert werden. Ebenso können wir dank diesem Standortwechsel auf das heute gängige 16:9 Format umstellen. Redundante Systeme werden zudem die technische Betriebssicherheit weiter erhöhen.

Wieso ziehen Sie sich aus Schlieren zurück?

Ohne grosse finanzielle Investitionen bietet die Infrastruktur in Schlieren keine Möglichkeiten, uns im technischen Bereich weiter zu entwickeln. Bei TeleZüri finden wir genau diese Voraussetzungen und die entsprechenden Kapazitäten sind bereits grösstenteils vorhanden. Dank dieser Kooperation von zwei TV-Sendern können zudem Synergien genutzt und Kosten optimiert werden.

Das Schweizer Sportfernsehen hat grosse Ziele. Hat es auch das nötige Programm dazu?

Wir möchten dem Schweizer Rand- und Breitensport eine TV-Plattform bieten und damit der Vielfalt des Schweizer Sports gerecht werden. Insofern freuet es uns, dass wir schon heute zusammen mit unseren Partnern eine Vielzahl von Sportarten abdecken dürfen, die sonst keine oder nur eine sehr eingeschränkte TV-Präsenz hätten. Selbstverständlich sind wir bestrebt, dass aktuelle Programm weiter auszubauen und damit die Vielfalt stetig auszubauen. Ein Rückblick auf das erste Geschäftsjahr bestätigt unser Konzept und unsere Potenzialerwartungen.

Viele verbinden mit dem Sender Übertragungen von weitgehend unbeachteten Randsportarten wie Frauenvolleyball. Wie korrigieren Sie dieses Image? Was sind die Programmschwerpunkte?

Das diesbezügliche Image gilt es nicht zu korrigieren. Wir positionieren uns bewusst in Ergänzung zum Programm der SRG und weiteren Sportsendern. Die Programmschwerpunkte liegen auch in Zukunft bei Live- oder Live-on-tape-Übertragungen von Meisterschaftsspielen und weiteren nationalen Sportevents, die im Programmraster des Schweizer Fernsehen keinen Platz finden. Ergänzen werden wir diese Berichterstattung durch eigene Magazinformate wie dem Fussballtalk "Kick-it", das "SSF-Magazin" oder die Freestyle-Sendung "Outlaws".

Wer steckt eigentlich genau hinter dem SSF?

Die Schweizer Sportfernsehen SSF AG wird von privaten Investoren getragen. Hauptinvestoren sind die beiden Unternehmer Peter Weigelt, der zugleich Präsident des Verwaltungsrates ist sowie Prof. Giorgio Behr. Das Aktionariat umfasst insgesamt acht Persönlichkeiten, die alle einen engen Bezug zum Spitzensport haben oder hatten.

Wie wollen Sie Geld verdienen?

Das SSF erhält keinerlei Gebührengelder und ist damit ein klassisches Privatfernsehen. Die Finanzierung muss mittelfristig einerseits über die klassische TV-Vermarktung im Bereich Werbung und Sponsoring gesichert werden. Andererseits müssen sich unsere Partner wie Sportverbände oder Eventveranstalter zu einem Anteil an den entsprechenden Produktionskosten beteiligen. Ohne eine solche Mischfinanzierung wäre es nicht möglich, professionelle Fernsehproduktionen für den Rand- und Breitensport zu realisieren.

Wie viele Personen arbeiten eigentlich derzeit für das SSF?

Im Moment beschäftig das SSF 22 Mitarbeiter. In Vollzeitäquivalenten gemessen entspricht das rund 16 Stellen. Darüber hinaus arbeiten wir bewusst mit einem Pool von Freelancern zusammen, da wir für die verschiedensten Aufgabenstellungen in unserem breiten Programmangebot auf Spezialisten und Experten zugreifen wollen. Die Aussenproduktionen werden grossmehrheitlich durch externe Partnerunternehmen – vor allem das TPC – ausgeführt.

Firmensitz des SSF ist derzeit St. Gallen. Wird sich daran etwas ändern?

Nein, daran wird sich nichts ändern. Das ist auch gut in Bezug auf die neu eingegangene Kooperation, denn so wird die Selbstständigkeit gewahrt. Der Firmensitz bleibt weiterhin in der Ostschweiz. Der operative Bereich ist jedoch momentan in Schlieren und bald in Zürich angesiedelt.

Steckt ihr Sender nicht in einem Dilemma? Sind die Leute nicht schon viel zu sehr an die mit hohem Aufwand produzierten Übertragungsbilder von grossen Fernsehstationen gewöhnt, als dass sie sich Ihnen anvertrauen?

In der Tat ist sich der Zuschauer einen hohen Standard gewohnt. Durch die Wahl des TPC als Produktionspartner sind wir aber durchaus auch in der Lage, qualitativ hochstehend zu produzieren. Die technische Kooperation mit TeleZüri soll nun auch auf Seite SSF die Voraussetzungen schaffen, die schon heute sehr gute Qualität der Produktionen auch auf den Bildschirm der Zuschauer zu übertragen.

Unsere Kooperation mit der SRG verlangt zudem, dass wir deren Qualitätsstandards einhalten. Dies ist uns bis anhin gut gelungen und wird durch den Programmaustausch mit der SRG belegt.

Neben TeleZüri und der "Sportwoche" arbeiten sie auch mit der Produktionsgesellschaft TPC zusammen. Haben Sie nun die richtigen Kooperationspartner für eine erfolgreiche Zukunft gefunden?

Durch die in den vergangenen Monaten fixierten Kooperationen haben wir ein gutes Fundament für den weiteren Aufbau des noch jungen SSF gelegt. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit dem TPC und TeleZüri die richtigen Partner für eine schrittweise Weiterentwicklung gefunden haben. Beide Partner bringen nebst einen grossen Know-How viel Enthusiasmus und Engagement für unser Projekt auf. Eine weitere wichtige Stütze ist die Zusammenarbeit mit der SRG, welche seit Sendestart kontinuierlich ausgebaut werden konnte.

Wie wird das Schweizer Sportfernsehen die Fussball-WM in Südafrika auffangen?

Zum Thema WM haben wir seit einigen Wochen ein neues Format On Air. Die Sendereihe "Destination South Africa" stellt im Vorfeld der WM 2010 die teilnehmenden Mannschaften vor und zeigt deren Weg durch die Qualifikationsrunden.

Während der WM planen wir im Rahmen unseres Fussballtalks “Kick It” einige Sondersendungen, welche speziell an den Spieltagen der Schweizer Mannschaft stattfinden werden.

Ganz generell: Ich bin sportinteressiert. Welche Sendung können Sie mir empfehlen? In welcher Sendung erfahre ich etwas, was ich nirgends sonst erfahre?

Das hängt ganz von ihren sportlichen Präferenzen ab. Spannende Live-Übertragungen finden Sie jeweils am Montag (Fussball), Mittwoch (Volleyball und Beachvolleyball) oder am Freitag (Handball). Im Fussballtalk "Kick-It" erfahren Sie von spannenden Gästen Hintergründe zum aktuellen Geschehen um den runden Ball und im SSF-Magazin sehen Sie spannende Beiträge zu weniger alltäglichen Sportereignissen. Im Weiteren sind wir in der Vorbereitung von zwei neuen Magazinen im Bereich Moto-GP und Beachsoccer, auch diese dürften auf Interesse stossen.

(Interview: Adrian Schräder)