Die NZZ-Gruppe übernimmt die Mehrheit an der LZ Medien Holding. Was sind Ihre Beweggründe?
Uns wurde ganz einfach die Möglichkeit geboten, ein weiteres Paket zu übernehmen. Und da wir kein Interesse daran haben, dass uns jemand anderes dieses Juwel wegschnappt und wir an den Medienraum Luzern glauben, haben wir zugegriffen. Weitere Absichten hatten wir dabei keine.
Das Gratisblatt 20 Minuten hat unlängst im Grossraum Luzern eine Offensive gestartet. Mit ein Grund, Ihren Anteil aufzustocken?
Nein, überhaupt nicht. Die LZ Medien Holding ist ein gut geführtes Unternehmen, bei dem wir seit längerem stark engagiert sind. Abgesehen davon waren wir bereits vorher grösster Einzelaktionär. Es wird sich daher auch nichts ändern: Wir werden weiterhin Einsitz im Verwaltungsrat haben, die operative Führung bleibt aber wie gehabt in der Region.
Die NZZ hat bis anhin 46 Prozent an der LZ Medien Holding gehalten. Haben Sie mehr als 5 Prozent zugekauft?
Nein, wir sind neu im Besitz von nicht ganz 51 Prozent.
Wer sind die Verkäufer?
Es ist nicht üblich, über das Aktienbuch Auskunft zu geben.
Die Strategie der NZZ-Gruppe beruht darauf, "zusammengehörende regionale Medienräume zu stärken und weiter auszubauen". Welche weisse Flecken bleiben zwischen Zürich und Luzern?
Es gibt keine weissen Flecken, sondern überall bestehende gute Medienhäuser, die in ihrem jeweiligen Regionalmarkt aktiv sind. Unsere Strategie beruht nicht darauf, uns überall einzukaufen. Unsere Intention war es vielmehr immer schon, die regionalen Medienhäuser zu stärken. Und dies gelingt uns dann, wenn wir sie in ein Netzwerk einbinden können. Wobei ich hier aber keinesfalls eine Vereinheitlichung oder Verwässerung der regionalen Marken meine! Geschehen soll das denn auch nicht in erster Linie über Kapital, sondern über gemeinsame Lösungen. Unser aller Hauptproblem ist ja momentan, dass Qualität immer teurer wird, sei dies im Journalismus, sei dies bei den Serviceleistungen. Und hier wollen wir ansetzen.
Die Tamedia bemüht sich bekanntlich um die Zürcher Landzeitungen. Wie kontern Sie hier?
Wir reiten keine Strategie gegen die Tamedia. Stattdessen versuchen wir, besagten Verlegern durch Gespräche und Tatbeweise aufzuzeigen, dass wir für etwelche Kooperationen bereit sind. Schliesslich müssen sie selber wissen, was für sie am besten ist. Ich hoffe natürlich, dass sie die Lösung wählen, die sie stark macht (lacht). Im übrigen finde ich es sehr gut, dass immer mehr lokale Verleger gemeinsam versuchen, ihren Weg zu gegen. Und wäre natürlich glücklich, würde die NZZ-Gruppe bei dem einen oder anderen Projekt mit eingebunden.
Wo plant die NZZ-Gruppe ihren nächsten Einstieg?
Ihre Optik ist leicht irreführend. Natürlich schaut man genauer hin, wenn sich etwas anbietet. Ein eigentlicher Einstieg steht jedoch nicht im Vordergrund. Nochmals: Unser Ziel ist es, eine starke Vernetzung von interessanten Regionalmedienhäusern zu fördern. Denn die akkute Bedrohung unserer Branche beruht nicht auf den anderen Medienhäusern -- sprich auf den direkten Konkurrenten --, sondern auf den anderen, teils neuen Mediengattungen und auf dem wirtschaftlichen Umfeld. Ein starkes Netzwerk könnte unsere Branche auch für die nächsten hundert Jahre fit machen.