Markus Mager, wieso ist es bei Radio 24 innerhalb von einem Jahr zu diversen Abgängen gekommen?
Bei den Kolleginnen und Kollegen, die uns verlassen haben, handelt es sich um einige Leute, die eine sehr lange Zeit bei Radio 24 waren. Es ist klar, dass man nach sechs bis acht Jahren im gleichen Betrieb auch wieder mal etwas Neues anpacken möchte. Die letzten zwei Jahre waren bei Radio 24 aber auch allgemein vom Umbruch geprägt. Es gab in dieser Zeit neue Kaderleute und eine neue Programmstruktur. Radio 24 gehört mittlerweile zu einem Konzern und deshalb hat sich in der Unternehmenskultur des Senders einiges geändert. Solche Umbrüche behagen nicht allen Mitarbeitern. Und wenn Radio DRS gleichzeitig eine Rekrutierungsoffensive am Laufen hat, wird es schwer.
Auffallend ist: Vor allem verdiente Mitarbeiter wie Marc Jäggi oder Iwan Santoro haben sich verabschiedet.
Unser früherer Redaktionsleiter Iwan Santoro sagte immer, er wolle den stressigen Job nicht länger als drei Jahre machen. Schliesslich blieb er aber vier Jahre bei uns. Moderator Marc Jäggi wollte nach so vielen Jahren Privatradio in "die Staatsklasse" wechseln, wofür ich vollstes Verständnis habe.
Nach unseren Informationen ist die Stimmung im Team schlecht zurzeit. Was genau ist los?
Ich beurteile die Stimmung selbst nicht als schlecht. Natürlich gibt es im Team immer eine gewisse Unruhe, wenn es zu Wechseln auf Führungsstufe kommt. Es ändern plötzlich Abläufe, die man sich gewohnt war, was nicht allen Mitarbeitern gefällt. Ich betrachte es deshalb als vordringliche Aufgabe von mir und meinen neuen Kaderleuten, die seit diesem Sommer am Ruder sind, dem Team Sicherheit und Selbstvertrauen zu geben.
Kritische Stimmen sagen, dass das Team Sie auf der Redaktion zu wenig spürt. Können Sie diesen Vorwurf nachvollziehen?
Jein. Meine Aufgabe ist die grundsätzliche Ausarbeitung der Strategie und des Konzeptes. Dabei möchte ich den Ressortleitern in der Umsetzung meiner Strategie möglichst viel Freiheit lassen. Ich arbeite aber mit meinen Ressortleitern sehr eng zusammen. Ich bin auch täglich auf der Redaktion und bespreche die Themen des Tages. Im Moment hört man mich auch wieder vermehrt auf dem Sender: Jeden Samstagmittag gebe ich auf 102,8 einen Wochenkommentar ab und produziere diverse Ständeratswahl-Talks für den Sender.
Es waren stets profilierte Persönlichkeiten, die Radio 24 früher ausmachten. Schaden die jüngsten Abgänge nicht der Qualität des Programms?
Ich bin überzeugt, dass dies hier nicht der Fall sein wird. Auf der Redaktion haben wir mit Reto Schärli einen langjährigen und profilierten Mitarbeiter und mit Andreas Meier einen renommierten Moderationsleiter, der dem Haus schon lange verbunden ist. Radio 24 hat derzeit die besten Hörerzahlen seit 2001. Diese Leistung hätten wir ohne profilierte Programmpersönlichkeiten sicher nicht geschafft. Ausserdem haben wir profilierte neue MitarbeiterInnen hinzu gewonnen. So etwa Claudia Weibel von Radio Top und unseren neuen Bundeshausredaktor Matthias Bärlocher, der von CapitalFM zu Radio 24 gestossen ist.
Viele der Ex-Radio-24-Journalisten zog es zu Radio DRS. Ist das ein Kompliment für Sie?
Fünf der acht Abgänge waren in der Tat Wechsel zu Radio DRS. Das hat damit zu tun, dass Programmschaffende aus dem Privatradiosektor eher nicht zu einem anderem Lokalradio wechseln. Angesichts der Tatsache, dass fünf meiner Leute nun bei DRS arbeiten, würde ich sagen, dass dies eines der grössten Komplimente ist, das man Radio 24 machen kann. Wir sind ja quasi der Talentpool von Radio DRS.
Werben Sie nun im Gegenzug Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei anderen Stationen ab?
Richtig. Bei uns geht es nun darum bei den anderen Mitbewerbern geeignete Talente zu finden. Aber natürlich auch eigene Talente wie zum Beispiel Praktikantinnen und Praktikanten nachzuziehen. Für Radio 24 muss es immer auch das Ziel sein eigene Talente zu entdecken und zu fördern.
Ab wann wird das Team nach den jüngsten Abgängen wieder komplett sein?
Bis Ende Jahr werden wir wieder vollständig sein. Wir befinden uns bereits in Verhandlung mit entsprechenden Kandidaten und werden in kürze darüber informieren.
(Interview: Mark Baer)