"Wir sind nicht 'just another women's magazine'"

"Interview" - Ex-"Annabelle"-Chefin Lisa Feldmann über Interviews, Naomi Campbell und Berlin.

Frau Feldmann, Sie leiten nun seit September 2013 die von Andy Warhol gegründete Zeitschrift "Interview". Wie haben Sie die Zeit in Berlin bislang erlebt?
Sehr aufregend, intensiv und spannend.

Wie hat sich das Magazin unter Ihrer Ägide gewandelt?
Wir haben das Konzept im Grossen und Ganzen beibehalten, nur den Sound leicht verändert. Zudem haben wir einen gesamthaft besser funktionierenden Flow hergestellt und einzelne, kleine Formate eingeführt, die den Spirit repräsentieren.

Worauf legen Sie besonderen Wert beim Machen von "Interview"?
Wie bei jedem anderen Magazin auch, für das ich bisher arbeiten durfte: auf eine interessante Themenmischung, so spannend wie möglich aufbereitet.

Welche Cover haben sich bislang am besten verkauft? Wollen die Deutschen einheimische oder internationale Stars sehen?
Wir geben keine Cover-Auflagenzahlen bekannt. Aber soviel sei verraten: Gleich mein erstes Heft im September 2013 war ein Erfolg!

Wie gut schreibt Naomi Campbell?
Sie schreibt ja nicht für uns, sondern macht Interviews. Und zwar in bester Andy Warhol-Tradition: auf Augenhöhe, intim, lustig und schlau.

Aktuell erscheint das Heft in einer Twin-Ausgabe: im bekannten Grossformat für 4 Euro und in einer kleinformatigen Version für 2 Euro. Der Copypreis von vormals 6 Euro wurde stark reduziert. Haben diese Massnahmen Erfolg gebracht?
Das kleine Format war vor allem dazu da, die Einführung unseres E-Papers zu promoten. Das hat sehr gut funktioniert. Aber ab Mai gibt es nur noch ein Format, das kleine verschwindet dann wieder ganz.

Kauft dann überhaupt noch jemand die teurere, grossformatige Ausgabe?
Ohja!

Zum Teil verkauft "Interview" im deutschen Einzelhandel zwischen 2000 und 3000 Exemplare pro Ausgabe. Das ist schon ziemlich wenig. Welches Ziel haben Sie sich da gesetzt?
Ich weiss nicht, wie Sie auf diese Zahlen kommen. Wir haben allein am Kiosk im vierten Quartal knapp 18'000 Hefte verkauft, im dritten sogar über 23'000. Alles in allem liegt unsere verkaufte Auflage bei knapp 70'000 Heften. Und zwar IVW geprüft, das entspricht der Schweizer Wemf.

Wie positioniert man sich gegen den neuen Konkurrenten "Harper’s Bazaar", der seit August 2013 ebenfalls auf dem deutschen Markt präsent ist?
Ganz einfach: Wir sind nicht "just another women's magazine", sondern haben natürlich eine allein stehende Position durch unser Konzept, wir sind sozusagen das "It-Magazin" unter den monatlichen Titeln. Obwohl unsere Leser zu zwei Dritteln weiblich sind, so haben wir doch eindeutig auch männliche Käufer - und nicht nur Mitleser.

Wie werden die Online-Angebote genutzt?
Noch nicht genug, soviel steht fest.

Und wie sehen die Absatz- und Abozahlen in der Schweiz aus?
Da bin ich gerade überfragt. Aber wird sind noch nicht sehr berühmt, fürchte ich.

Welches war das beste Interview, das es in den letzten Monaten bei "Interview" zu lesen gab?
Schwer zu sagen, das liegt sicher auch im Auge des Betrachters. Wir haben ja pro Heft bis zu zwanzig verschiedene Interviews. Da kommt es darauf an, ob Sie Miley Cyrus oder Pharrell Williams lieben, Cher oder Farah Diba – alles ist möglich bei uns! Mir hat besonders der lockere Talk zwischen Joan Collins und Tracey Emin im letzten Heft gefallen.

Und eine letzte Frage: Was könnte die Journalistin Lisa Feldmann wieder in die Schweiz locken?
Ein spannendes Projekt zur richtigen Zeit!

Fragen: Adrian Schräder