Frau Zollinger, kann man sagen, die "GlücksPost" ist eine der wenigen Gewinnerinnen der Krise?
Wenn man hört wie es anderen Zeitschriften momentan geht, würde ich dies bejahen.
Allein von März bis September des letzten Jahres hat die "GlücksPost" gemäss WEMF 20'000 Leserinnen und Leser dazugewonnen. Wie erklären Sie sich das?
Ich denke, dass die Leute zuweilen genug davon haben, über Krisen zu lesen und bad news serviert zu bekommen. Die GlücksPost bietet hier ein Alternativprogramm an.
"GesundheitSprechstunde" wurde eingestellt. Profitieren Sie davon?
Die Abonnenten des Magazins "GesundheitSprechstunde" konnten als Ersatz entweder ein Abonnement der "Schweizer Illustrierten" oder der "GlücksPost" wählen und sehr viele haben dann das Abonnement der "GlücksPost" auch verlängert. Den entsprechenden Serviceteil haben wir nach Einstellung der "GesundheitSprechstunde" von vier auf acht Seiten ausgebaut.
Haben Sie Personal übernommen von "Gesundheit Sprechstunde"?
Das Thema Gesundheit hatte bei der "GlücksPost" schon immer einen hohen Stellenwert. Ich habe in meinem Team zwei Damen, die sich stark für das Thema interessieren. Eine Aufstockung der entsprechenden Kompetenz im Team war deshalb nicht erforderlich.
Die Konkurrenz unter den Klatschpublikationen ist gross. Wo würden Sie die "GlücksPost" einordnen?
In der Schweiz sind wir das einzige Yellow-Press-Medium. Am Kiosk sehe ich aber an die 20 Yellow-Press-Titel, die uns direkt konkurrenzieren. Diese Titel arbeiten teilweise bewusst im Märchenbereich. Ich verstehe nicht, weshalb so viele Leute auf die zum grössten Teil erfundenen Geschichten ansprechen. Vermutlich wollen sie einfach gerne Märchen hören.
Kommt "Die GlückPost" denn gänzlich ohne Gerüchte aus?
Unsere Leser lassen sich nichts gefallen und sind sehr aufmerksam. Bei der kleinsten Ungenauigkeit erhalten wir Reaktionen. Wir setzen deshalb hundert Prozent auf Seriosität. Gerüchte klären wir immer genau ab. Erfahren wir zum Beispiel ein Gerücht über einen Royal, rufen wir beim Palastsprecher an und versuchen Klarheit zu schaffen.
Sind Royals und Adlige immer noch ein Schwerpunktthema bei der "GlücksPost"?
Ja, ganz klar. Das Bedürfnis nach diesen Geschichten ist gross. Wir haben das Glück, dass die modernen jungen Königssöhne schöne bürgerliche Frauen geheiratet haben. Das bewirkt, dass sich das Volk wieder für Königshäuser interessiert. Man kann sich mit den Frauen samt ihren Sorgen und Nöten identifizieren. Hollywoodstars kommen bei unseren Lesern dafür weniger gut an.
Wie sieht es mit der hausinternen Konkurrenz aus? Kommen sich "GlücksPost" und "Schweizer Illustrierte" in die Quere?
Die "Schweizer Illustrierte" beschäftigt sich vorwiegend mit der Schweizer Prominenz. "Die GlücksPost" hat hier einen weiteren Fokus, indem eben beispielsweise die europäischen Königshäuser eine grössere Rolle spielen.
Und doch berichten beide über prominente Schweizerinnen und Schweizer?
Das stimmt, doch verfolgen wir einen anderen Ansatz und ziehen die Geschichten anders auf.
Können Sie das an einem Beispiel illustrieren?
Die Hochzeit von Toni Rominger. Die "SI" hatte damals die schönen Hochzeitsbilder, die "GlücksPost" fragte sich: "Wo waren Tonis Kinder?".
Wie sieht die typische "Glückspost"-Leserin im Vergleich zur "SI"-Leserin aus?
Unsere Leserinnen wollen auch über Prominente lesen, die in der "SI" weniger anzutreffen sind, wie eben beispielsweise europäische Adlige. Auch lesen sie lieber über Dinge, die sich auch tatsächlich leisten können. Deshalb haben wir in der "GlücksPost" kaum Artikel über unerschwingliche Luxusgüter.
Täuscht der Eindruck, dass die Leserschaft eher älter ist?
Wir haben nicht nur beim Einzelverkauf am Kiosk, sondern auch bei den Abonnements zugelegt. Wenn eine Mutter die Zeitschrift liest, abonnieren häufig auch die Töchter die "GlücksPost".
Erhalten Sie viele Rückmeldungen von den Lesern?
Sehr viele, ja. Fast täglich erhalten wir persönliche Mails und Post mit Fragen, Reklamationen und Anregungen. Wir sind wie eine grosse Schwester, die man um Rat und Hilfe fragt oder auch kritisiert.
Wie wichtig ist Ihnen dieser Kontakt?
Sehr wichtig. Ich erfahre so aus erster Hand, was unsere Leserinnen beschäftigt und interessiert. Das kann bei der Themenumsetzung hilfreich sein.
Sie scheinen sich mit der Leserschaft stark identifizieren zu können. Muss die Redaktionsleitung der "GlücksPost" bei einer Frau liegen?
Meine Vor-vor-Gängerin, Frau Béatrice Merlotti, war ebenfalls sehr nahe bei der Leserschaft. Als ich Chefredaktorin wurde, erhielt ich viele Zuschriften. Viele freuten sich darüber, dass wieder eine "Béatrice" am Ruder ist. Da die "GlücksPost" die Rolle einer guten Freundin einnimmt, könnte das Geschlecht ein Vorteil sein. Als Frau versteht man schon besser, was andere Frauen wollen. Wir haben auch rege Diskussionen in den Redaktionssitzungen: Da können sich manchmal Männer- und Frauenfronten bilden.
Was sind typische Streitpunkte?
Ein gutes Beispiel ist, als sich Operndirektor Pereira in eine viel jüngere Dame verliebte. Ich weigerte mich, diese Geschichte in die Zeitschrift zu nehmen, denn ich war der Meinung, dass dies unsere Leserinnnen beleidigen könnten, wenn sie sehen, dass die Männer sich einfach eine jüngere Geliebte suchen, sobald die Ehefrau nicht mehr jung genug ist. Für mich eine super "Blick"- Geschichte. Die Männer fanden dies hingegen spannend. Ich schickte die Herren dann nach Hause und sagte, sie sollen ihre Ehe-Frauen fragen, die mir dann Recht gaben. (lacht)
Sie sind bereits seit fünf Jahren als Chefredaktorin tätig. Wenn man ihre Amtszeit mit denen anderen Ringier-Redaktionsleiter vergleicht, eine ziemlich lange Dauer.
Eine gewisse Konstanz ist für die "GlücksPost"- Leserin sehr wichtig. Sie muss wissen, was sie für ihre 3.80 Franken bekommt. Mit einer beständigen Redaktion kann dies besser gewährleistet werden. Es ist aber nicht so, dass wir bezüglich Heftinhalt und -Gestaltung keine Änderungen vornehmen.
Was für Veränderungen haben sie vorgenommen?
Wir haben die Thema Reisen und Gesundheit stärker gewichtet und dafür das Thema Kochen gekürzt.
Der Online-Auftritt kommt eher bescheiden daher. Die "SI" hat ihre Website total überarbeitet. Wie sieht es bei der "GlücksPost" aus?
Wir haben unseren Auftritt im letzten Jahr auch sanft überarbeitet, planen aber derzeit keinen weiteren Ausbau.
Abschlussfrage: Wir sprechen immer von "GlücksPost". Was ist Ihre persönliche Definition von Glück?
Glück ist sehr flüchtig. Für mich sind Zufriedenheit und die Freude an den kleinen Dingen wichtiger.
(Interview: Corinne Bauer)