Herr Hagemann, die bz kooperiert mit der Mittelland Zeitung -- die baz hat das Nachsehen. War Ihr Angebot nicht gut genug?
Wir waren gegenüber der bz sehr offen und boten für jede wirtschaftlich vernünftige langfristige Lösung Hand. Dabei wäre es keinesfalls ausschliesslich um eine Übernahme gegangen. Im Vordergrund stand für uns das "Berner-Oberland-Modell". Die dort gewählte Lösung die nicht mit dem Stadt-Berner-Modell zu verwechseln ist -- schien uns sehr vernünftig: In die Berner Zeitung ist eine eigenständige Frontseite sowie ein Lokalteil eingebunden, der autonom gestaltet werden kann. So hätten wir uns die langfristige Sicherung einer eigenständigen Baselbieter Stimme vorgestellt. Aber auch andere Varianten wären denkbar gewesen.
Mit der getroffene Lösung kann der Leser im Baselbiet zwischen zwei völlig verschiedenen Zeitungen auswählen. Ihr Vorschlag hätte diese Vielfalt nicht gewährleisten können.
Das mag kurzfristig so richtig sein. Aber langfristig haben doch nur Lösungen Bestand, die auch ökonomisch vernünftig sind. Der Raum jenseits des Juras ist ein einheitliches Wirtschaftsgebiet. Eine langfristig tragbare Lösung erachte ich nur innerhalb dieses Gebiets für möglich. Wer die Vorteile für den Leser herausstreicht, muss auch die Frage stellen, was in fünf Jahren sein wird. Fakt ist, dass wir einen Auftakt zu einer Offensive durch Peter Wanner erleben. Wanner nutzt die bz bloss als Werkzeug, um einen Angriffskrieg zu eröffnen. Und wie in jedem Krieg wird es dabei Verlierer geben.
bz-Verleger Mathis Lüdin spricht sich schon seit Jahren gegen ein Zusammengehen mit der baz aus, weil er fürchtet, die Eigenständigkeit seines Blatts zu verlieren.
Betrachten Sie doch einmal unser Verhalten im Fricktal. Dort sind wir mit 21 Prozent an der Neuen Fricktaler Zeitung beteiligt. Wir haben zusammen mit den Regionalverlegern eine Lösung gefunden, wie wir in diesem Raum eine funktionierende Zeitungslösung errichten können, welche die Eigenständigkeit des Titels gewährleistet. Die Zeitung ist zu fast achtzig Prozent im Besitz der Fricktaler geblieben. Von einem Kolonialismus aus Basel kann überhaupt keine Rede sein. Das weiss doch Lüdin auch. Und deshalb verstehe ich Lüdins Argument nicht.
AZ-Verleger Peter Wanner sagte am Mittwoch im Interview mit "persoenlich.com", er wolle im Raum Basel ein partnerschaftliches Verhältnis mit der baz aufbauen...
Bis heute morgen hätte es durchaus einige sinnvolle Themen gegeben, die man hätte erörtern können. Jetzt aber ist damit Schluss.
Wie interpretieren Sie denn das Angebot Wanners?
Wir lassen uns von den schönen Worten aus Aarau nicht blenden, wir richten uns nach seinen Handlungen. Wir stellen uns auf einen sehr harten und langen Kampf ein.
Wurde die baz überrascht?
Nein, wir wussten, dass etwas im Busch ist. In den Gesprächen spürten wir, dass Mathis Lüdin sich auf die Partnerschaft mit der MZ fixiert hatte. Je länger je mehr mussten wir also damit rechnen, dass die bz der Mittelland Zeitung den Zuschlag geben wird.
Die baz hat eine entschlossene Reaktion auf die Kooperation MZ/bz angekündigt. Welche Massnahmen sehen Sie vor?
Weil wir diesen Verlauf der Ereignisse voraussahen, haben wir bereits eine ganze Reihe von Ideen gesammelt. Ich kann dazu aber noch nichts Konkretes sagen. Denn ich möchte keine Ankündigungen machen, deren Umsetzung eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Wir werden an die Öffentlichkeit treten, sobald wir Konkretes in die Hand nehmen können. Dies werden wir rechtzeitig tun.
Werden Ihre Massnahmen darauf hinzielen, die bz vom Markt zu verdrängen?
Wir müssen unser Gebiet in der Nordwestschweiz so gut es geht verteidigen. Wir müssen nun dafür sorgen, dass die baz keinen Schaden nimmt. Martialisch ausgedrückt: Es wird in diesem Krieg Verlierer geben. Unsere unternehmerische Aufgabe ist es, nicht zu den Verlierern zu gehören.
Tritt nun in Basel ein Zeitungskrieg ein, der mit jenem in Zürich vergleichbar ist?
Bis vor Kurzem schauten wir mit einiger Verwunderung nach Zürich -- und schon befinden wir uns in der selben Ecke. Ob es vernünftig ist, Krieg zu führen statt gemeinsam Projekte zu verfolgen, ist eine andere Frage. Aber wir hatten nicht die Wahl. Wir müssen und werden die Dinge so nehmen, wie sie sind.
(Interview: David Vonplon)
Basellandschaftliche Zeitung: Anschluss an MZ-Verbund http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=59211