Herr Wanner, welche Vorteile ergeben sich für Ihr Medienhaus durch die Kooperation?
Die Basellandschaftliche Zeitung (bz) passt sehr gut zur Mittelland Zeitung. Wir bieten ein erfolgreiches Kooperationsmodell an, das allen unseren Partnern eine verlegerische und publizistische Selbstständigkeit ermöglicht. Mit der bz können wir die Auflage klar über 200'000 Exemplare steigern und kommen nun auf 215'000. Auch bei den Lesern können wir nun einen Zuwachs verzeichnen, die Mittelland Zeitung zählt nun 450'000 Leser, weiteres Potential liegt noch drin. Ich glaube, die Kooperationslösung ist für uns eine gute Sache: Wir sind nun in der ganzen Nordwestschweiz zu einem starker Player gewachsen.
Stand auch eine Beteiligung an der bz zur Debatte?
Wir haben verschiedene Varianten diskutiert. Schliesslich haben wir uns für die Kooperationsvariante entschieden.
Ist die Partnerschaft mit der bz als Frontalangriff auf die Basler Zeitung (baz) zu verstehen?
Nein, im Gegenteil. Wir suchen das Gespräch mit der baz. Es ergeben sich auf diversen Gebieten Möglichkeiten der Kooperation. Zuerst aber müssen wir Gespräche führen. Wir haben viele Ideen und Vorstellungen, was man alles gemeinsam machen könnte. Wir suchen also ganz bestimmt keinen Konflikt.
Die baz will rasch und entschlossen auf Ihr Eindringen in den Raum Basel reagieren. Rechnen Sie tatsächlich mit Gesprächsbereitschaft?
Die baz hat sicherlich keine Freude an dieser Lösung. Denn sie war selber im Gespräch mit der bz, genauso wie übrigens auch Zürcher Verlage. Uns freut es aber, dass sich Herr Lüdin zu unseren Gunsten entschieden hat.
Gegen Nordwesten kann die Mittelland Zeitung expandieren, zugleich verzichtet der Tages-Anzeiger im Osten darauf, die Mittelland Zeitung mit seiner Regionalisierungsstrategie zu attackieren. Besteht da eine Absprache?
Wir haben ein Gentlemens Agreement mit dem Tages-Anzeiger getroffen. Die Mittelland Zeitung verzichtet darauf, den Tages-Anzeiger anzugreifen, der Tages-Anzeiger verzichtet darauf, einen Regionalsplit in unserem Gebiet zu lancieren.
Und wie sehen die Expansionsgelüste der Mittelland Zeitung im Westen aus?
Wir haben in Solothurn einen Konflikt mit der Berner Zeitung. Wie sich dieser Konkurrenzkampf entwickelt, wird sich zeigen. Wir können diesen Zweikampf aber gelassen angehen, da wir bislang keine Auflageneinbussen im Raum Solothurn hinnehmen mussten.
Fürchten Sie nicht, mit dem Vorstoss in den Raum Basel in einen "Zweifrontenkrieg" zu geraten?
Ich hoffe dass es nicht zu einem ähnlichen Konflikt im Raum Basel mit der baz kommt. Ziel ist ja, dass die bz als eigenständige Zeitung überleben kann. Mit unserer Kooperation ist dies möglich.
Gibt es weitere Kandidaten im Mittelland, mit denen Sie Gesprächen über eine allfällige Kooperation führen?
Vielleicht schon... Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit.
Können Sie konkreter werden?
Ich kann ihnen nicht verraten, wer die Kandidaten sind, die sich für unsere Lösung interessieren. Wir haben keine geographische Vorliebe.
Schlussfrage. Wo steckt die Mittelland Zeitung ihre Grenzen ab auf ihrem Expansionskurs?
Wir kennen keine Grenzen. Wir wachsen in konzentrischen Kreisen; Unser Modell steht weiteren Kandidaten offen. Wie sie sehen, hat sich das Modell bislang bewährt. In einem ersten Schritt geht es jedoch darum, zu konsolidieren.
(Interview: David Vonplon)
Peter Wanner, Verleger der AZ Medien Gruppe.
Basellandschaftliche Zeitung: Anschluss an MZ-Verbund http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=59211