Herr Scotoni, in diesen Stunden geht Radio 11 auf Sendung. Ist das Radio startklar?
Ja, wir freuen uns sehr, uns erstmals der Öffentlichkeit präsentieren zu können.
Sie beglücken Fussball-Fans während der Euro mit gepflegter, anspruchsvoller Musik. Glauben Sie, damit echte Fussballfans abholen zu können?
Ja klar. Wir wollen mit Radio 11 die Sprache des Fussballs auf die Musik übertragen. Die Musik ist im Lifestyle-Bereich angesiedelt, soll positiv und animierend wirken und die Schweiz als modernes, aufgeschlossenes Land präsentieren. Wir spielen Musik die zwar massenkompatibel ist, aber trotzdem nicht überall zu hören ist.
Wie sieht das Programm konkret aus?
Radio 11 bringt die beiden globalen Sprachen Fussball und Musik zusammen und präsentiert Fussball als moderne Kulturform. Ein Aspekt des Programms richtet sich dabei nach dem Turnierverlauf. Ein Sendeformat des Radios basiert auf dem Konzept, dass wir jedem Nationalteam 50 Songs zuordnen. Solange eine Nationalmannschaft im Turnier ist, spielen wir deren Musik. Scheidet ein Land aus, scheidet auch deren Musik aus. Die Nationalmannschaften werden damit gleichsam zu Botschaftern ihrer Musikkultur. Im Weiteren gehen wir auch auf die einzelnen Spielverläufe ein. Nach dem Spiel wird z.b. musikalisch auf die Nation eingegangen, die jeweils das Spiel am Abend gewonnen hat. Auf dieser Basis können die Fans zusammenkommen und feiern.
Wie kamen Sie denn auf diese Idee?
Inspirieren liessen wir uns während der letzten WM in Deutschland. Als Italien Weltmeister wurde, haben Freunde von uns in einer kleinen Bar typisch italienische Musik gespielt. Die Leute sind total ausgeflippt, weil sie einen gemeinsamen Rhythmus hatten.
Zielt Radio11 auf ein Massenpublikum ab?
Radio 11 ist sicherlich kein Mainstream-Sender. Aber es ist schon unser Ziel, möglichst viele Leute zu erreichen. Nur wollen wir dies mit einem Programm erreichen, das sich grundsätzlich von allen anderen Radiostationen unterscheidet.
Bei Ihrem letzten Radioprojekt Rundfunk.fm war der Sendestandort zugleich auch Party-Location. Wird dies auch bei Radio 11 so sein?
Nein. Unser Sender wird grundsätzlich in klassischer Form aus einem Studio gesendet und ist damit nicht öffentlich zugänglich. Wir werden aber trotzdem in allen Städten an bester Lage mit einer Botschaft präsent sein. In Zürich etwa werden wir uns am Bürkliplatz einrichten. Da sollen die Menschen auch die Spiele anschauen können. Wir verstehen es auch als unsere Aufgabe, die Menschen dazuzubringen, sich die Spiele anzuschauen. An den Spieltagen werden wir jeweils nach Spielende live aus einer unserer Lokalitäten senden.
Ist Radio 11 in erster Linie ein kommerziell motivierter Sender?
Als grosse Fussballfans ist unsere Motivation an diesem historischen Ereignis einen Beitrag leisten zu dürfen. Wir arbeiten schon zwei Jahre an diesem Projekt.
Im Gegensatz zu anderen Privatradios verkauft Radio11 keine Werbesekunden. Weshalb?
Wir verkaufen unseren Partnern eine Erlebniswelt, bzw. crossmediale Packages. Das bedeutet, dass unsere Partner bei uns im Radio, im Internet, auf allen Drucksachen und vor Ort in allen Host Cities eine Präsenz erhalten.
Wie eng arbeiten Sie mit den Veranstaltern der Euro 08 zusammen?
Radio11 ist ein privates Projekt, erfüllt aber auch die Funktion eines Tourismus- und Informationsguides. Bei uns erfahren die Hörer nicht nur, wie sie sich wo am besten bewegen, sondern auch, wo nach den Spielen gefeiert wird. Zugleich arbeiten wir auch mit Institutionen der öffentlichen Hand zusammen und portieren Informationen bezüglich der Sicherheit, des Verkehrs usw. Es entsteht dadurch eine sehr enge Zusammenarbeit mit den öffentlichen Stellen.
Kooperieren Sie mit den offiziellen Euro 08-Sponsoren?
Nein. Unsere Hauptsponsoren sind Renault, Stimorol und ein Telekom-Unternehmen. Wir suchen derzeit aber noch nach weiteren Partnern.
--> Radio 11 ist ab Dienstag per Internet-Stream auf http://www.radio11.ch oder auf 20 Minuten online zu empfangen. Auf UKW sendet Radio 11 vom 1. bis 30. Juni.
(Interview: David Vonplon)