Der Express droht mit "personalintensiven Eigenleistungen". Wie reagieren Sie?
Wir werden auf den Express nicht reagieren, denn was wir tun ist agieren, nicht reagieren. Wir wissen um unsere Stärken und verfolgen unsere langfristige Strategie. 20 Minuten glänzt laufend mit Eigenleistungen, entsprechend werden wir von Medien der ganzen Schweiz zitiert. Mich interessieren Fakten, nicht Ankündigungen. Ob der Express kommt und wie er allenfalls aussehen wird, sehen wir ja dann.
Steht bei 20 Minuten ein Relaunch bevor?
Über Pläne möchte ich mich nicht äussern. Generell arbeiten wir jeden Tag am Blatt, überarbeiten es sowohl grafisch wie inhaltlich -- Zeitungmachen heisst, auf Trends zu reagieren. Ein fundamentaler Relaunch steht aber nicht bevor.
20 Minuten spricht Teenager an, für Werber nicht eben die bevorzugte Zielgruppe. Wie wollen Sie attraktiver werden?
Wir sprechen nicht nur Teenager, sondern ein junges, urbanes, kaufkräftiges Publikum an. Daran arbeiten wir täglich. Natürlich gefällt 20 Minuten vielen Teenagern, sie sind aber nicht unsere primäre Zielgruppe. Vielmehr erreichen wir jene Leser, die für die Werber am interessantesten sind, Leser im Alter zwischen 19 und 34 Jahren. In diesem Segment sind wir die Nummer 1. Das belegen die MACH02-Zahlen.
Geschäftsführer Rolf Bollmann hat Budget für zusätzliche Aktivitäten im Raum Zürich gesprochen. Wie sehen diese aus?
Die sind doch längst bekannt. Eine Auflagenerhöhung um 20'000 Exemplare hat bereits stattgefunden, zudem machen wir ein Ausgehmagazin. Das ist alles.
Wann wollen Sie den Break-Even erreichen?
Möglichst schnell, leider spielt die Wirtschaft nicht mit. Unser Ziel ist 2004, sofern die Konjunktur anzieht. Unter Druck stehen wir jedenfalls nicht, allein unsere Mehrheitsaktionärin Schibsted hat etwa die Grösse von Tamedia und Ringier zusammen.
Wie sieht der Zürcher Medienmarkt in fünf Jahren aus?
Es ist schade, dass wir jetzt wieder auf Zürich reduziert werden. Der Express wird eine Zürcher Lokalzeitung sein, wir nicht. Wir haben mit unseren Ausgaben in Zürich, Bern und Basel eine nationale Ausrichtung und machen 45 Prozent unseres Umsatzes mit nationaler Werbung.
Dennoch: Zürich ist auch für 20 Minuten ein wichtiger Markt, und da werden Sie möglicherweise bald nicht mehr allein sein. Hat es Platz für zwei Pendlerzeitungen?
Wahrscheinlich nicht. Dank unserer Strategie und Ausrichtung werden wir aber in fünf Jahren noch hier sein.