04.02.2002

"Wir wollen alle vier Titel nicht nur weiterführen, sondern auch weiterentwickeln."

Noch gehört Ringier die Jean Frey AG mit der Bilanz, dem Beobachter, TR7, der Weltwoche und dem Fachmedienverlag nicht. Die Vorbereitungen zur Übernahme der neuen Titel und der Mitarbeitenden sind jedoch bereits angelaufen. Geleitet wird die Projektgruppe "Integration Jean Frey Verlag" von Martin Werfeli (Bild), der auch die Verhandlungen über den Kauf der Jean Frey AG geführt hat. Wie die Integration des Verlages in die Ringier Gruppe geplant ist, erklärt der COO im Interview mit dem Ringier Mitarbeiter-Magazin DOMO:
"Wir wollen alle vier Titel nicht nur weiterführen, sondern auch weiterentwickeln."

Zuerst zum Fahrplan: Was sind die nächsten Schritte nach der Unterzeichnung des Vorvertrags zwischen Weihnachten und Neujahr?

Zuerst muss ich nochmals darauf hinweisen: Wir sind noch nicht Besitzer der Jean Frey AG. Der grössere Teil meiner Informationen muss unter diesem Vorbehalt gesehen werden. Zum Fahrplan: Bis Mitte Februar sollte die Due Diligence, also die Prüfung aller zur Beurteilung der finanziellen und juristischen Lage des Unternehmens relevanten Fakten und Zahlen, abgeschlossen sein. Gleich anschliessend ist die definitive Unterzeichnung des Kaufvertrages geplant. Erst dann können wir bei der Jean Frey AG auch operativ tätig werden. Und schliesslich muss auch noch die Zustimmung der Wettbewerbs-Kommission (Weko) vorliegen, was im Frühling der Fall sein dürfte. Allerdings können wir schon vorher mit der Arbeit beginnen, weil wir nicht mit einer generellen Ablehnung des Kaufs durch die Weko rechnen müssen.

Nun ist ja bereits eine Projekt-Organisation gebildet worden. Wie sieht diese aus, und was kann denn jetzt schon gemacht werden?

Die Integration der Jean Frey AG ist eines der grössten Projekte in der Ringier Geschichte und bedarf einer gründlichen Vorbereitung. Die Mitglieder der Projektgruppe und der fünf Teilprojektteams müssen schon jetzt Abklärungen machen, Vorbereitungen treffen und sich organisieren, damit sie nach dem definitiven Vertragsabschluss sofort handeln können. Sobald dies möglich ist, werden die Projektteams selbstverständlich durch Mitarbeiter der Jean Frey ergänzt.

Wer arbeitet bei diesem Projekt von Ringier mit?

Es gibt einen Projektausschuss, dem neben mir Gérard Geiger, Thomas Trüb und Ueli Flörchinger angehören. Zusammen mit Caterina Ammann, Myrta Bugini, Silvia Lepiarczyk, Jean-Luc Mauron, Daniel Terzoni und Bernhard Weissberg bilden diese Mitarbeiter die operative Projektgruppe. Das Team für die Due Diligence leitet Flörchinger. Leiter der vier Teilprojekte sind Geiger (Beobachter und Fachmedien), Trüb (Bilanz) und Silvia Lepiarczyk (TR 7). Insgesamt sind fast 20 Mitarbeiter von uns direkt involviert. Dazu kommen zu einem späteren Zeitpunkt auch die Mitarbeiter der Jean Frey AG.

Sie haben die Weltwoche nicht erwähnt?

Hier ist das Projektteam noch nicht bestimmt. Es geht ja um ein Neukonzept, über das noch ausgiebig diskutiert werden muss. Die Problemstellung ist komplexer als bei den andern Titeln. Es ist deshalb noch offen, ob die Weltwoche sofort in unsere Strukturen integriert wird oder ob sie eine Zeitlang als eigenständiges Projekt geführt werden soll. Im ersten Fall würde sie zweifellos in den Bereich Zeitungen eingegliedert.

Gab es schon Gespräche mit den Spitzen der Weltwoche über das neue Konzept?

Chefredaktor Roger Köppel, Co-Chefredaktor Kenneth Angst, Verlagsleiterin Uli Rubner und JFAG-Geschäftsleiter Urs Peter Naef haben Michael Ringier, Fridolin Luchsinger, Frank A. Meyer, Bernhard Weissberg und mir die Konzepte im redaktionellen, gestalterischen und verlegerischen Bereich präsentiert.

Und was war Ihr Eindruck und wurde dabei etwas entschieden?

Der Eindruck war positiv, das Team der Jean Frey AG hat in den letzten Monaten zweifellos engagiert gearbeitet. Entschieden wurde nichts; es ging ja darum, dass wir mal aus erster Hand über das Projekt "neue Weltwoche" informiert wurden.

Bitte nehmen Sie noch zu Spekulationen Stellung, die wir in den Zeitungen gelesen haben: Ringier habe den Kauf der JFAG mit dem Erlös aus dem Verkauf von 50 Prozent des Betty-Bossi-Kapitals finanziert. Und Ringier werde vermutlich nicht alle Titel weiter führen.

Wir haben sicher einen sehr fairen Preis für Betty Bossi bekommen, sonst hätten wir nicht einen Teil davon verkauft. Wir veröffentlichen aber nie Zahlen - weder bei Verkäufen noch bei Zukäufen. Den Kauf der JFAG können wir aus eigenen Mitteln finanzieren. Zur zweiten Spekulation: Wir haben im Gegenteil die Absicht, alle vier Titel nicht nur weiter zu führen, sondern auch weiter zu entwickeln.


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