"Wir wollen der Generation Y eine Stimme geben"

Young Swiss Magazine - Vielleicht werden bald alle Printmedien so funktionieren: In enger Zusammenarbeit mit der Mobiliar Versicherung, der Postfinance und weiteren Werbepartnern entsteht in Bern viermal pro Jahr das "Young Swiss Magazine". In dem Heft mit einer Auflage von rund 200'000 Exemplaren schreiben junge Schweizerinnen und Schweizer über junge Schweizerinnen und Schweizer. Corporate Publishing? Branded Content? Unabhängigkeit ade? "Unser oberstes Ziel ist es, von den Jungen gerne gelesen und ernst genommen zu werden", sagt Arci Friede, Leiter Kommunikation beim "Young Swiss Magazine".

Herr Friede, Sie sind verantwortlich für den Inhalt des "Young Swiss Magazine". An wen richtet sich Ihre Publikation und was finde ich darin?
Das "Young Swiss Magazine" richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 30. Young Swiss Member, also Leute, die die Young Swiss Card haben, kriegen das Magazin viermal im Jahr gratis nach Hause geschickt. Der Inhalt wird von Jungen für Junge produziert, also vom Zielpublikum selbst – das Themenspektrum ist sehr breit. Wir spicken das Magazin mit Vorteilsangeboten, Verlosungen und Tipps.

Was hat es mit der Jugendkarte auf sich?
Die Young Swiss Card (ex-euro26) ist unsere raison d’être. Die Stiftung Schweizer Jugendkarte will durch gezielte Vorteilsangebote sinnvollen Konsum fördern. In Europa bieten wir 60'000 Vorteile, in der Schweiz sind es rund 1’500. Zum Beispiel sind 150 Museen in der Schweiz gratis für unsere Member. Aktuell stellen wir das Angebot inhaltlich in Frage – wir wollen mehr Qualität bieten und exklusiver sein können.

Die Mobiliar ist Hauptpartner von "Young Swiss", die Postfinance ein sogenannter "Goldpartner". Könnte man sagen, das Heft steht für eine neue Form von Corporate Publishing und Branded Content?
Unser oberstes Ziel ist es, von den Jungen gerne gelesen und ernst genommen zu werden – nur dann sind wir als Plattform auch für Partner und Werbetreibende interessant. Die Mobiliar und PostFinance verstehen das und sind bereit, ständig neue Integrations- und Dialogformen zu diskutieren und auszuprobieren. So werden wir im 2015 schon eine überarbeitete Version des Magazins vorlegen und eine neue Website lancieren.

Und ohne diese beiden Werbetreibenden gäbe es das Heft nicht?
Doch. Nur unsere hohe Auflage von 200'000 Exemplaren steht und fällt mit der Mobiliar und der PostFinance. Das Magazin an sich nicht. Beide vertreiben unsere Young Swiss Card bei ihren jungen Kunden. Die Mobiliar schenkt sie ihren Kunden bis 26, die PostFinance gibt sie ihren Kunden bis 30 für 9 Franken ab.

Früher gab es eine virtuelle Mauer zwischen Verlag und Redaktion, zwischen Anzeigen und redaktionellen Inhalten. Wie würden Sie das Verhältnis heute beschreiben?
Ich habe ehrlich gesagt zu wenig Austausch mit anderen Verlagen beziehungsweise Redaktionen, um eine generelle Einschätzung über das heutige Verhältnis zu geben. Bei uns stelle ich wieder einen Trend zu einer klareren Trennung fest. Junge Leser wollen Transparenz, Aufrichtigkeit. Es ist okay, wenn jemand für seine Präsenz oder Integration bezahlt – aber es muss nachvollziehbar sein; es muss passen. Das wissen auch unsere Partner.

Einen Artikel über einen ehemaligen Nachwuchsskifahrer und Angestellten des Ski-Herstellers Stöckli begleiten Versicherungshinweise von der Mobiliar. Welchen Einfluss nehmen die Werbepartner auf die Inhalte? Setzen diese die Themen?
Die Themen setzen wir. Und anschliessend überlegen wir uns, wie wir unsere Partner auf die Reise mitnehmen. Das gelingt natürlich nicht immer gleich gut, kommt aber immer besser und lohnt sich schlussendlich: Der junge Leser kriegt einen Mehrwert in Form von gut gemachten Geschichten und bringt diese Erfahrung in Zusammenhang mit einem aufrichtigen Partnerangebot.

Insgesamt ist der Inhalt bunt und reichhaltig. Wie entsteht der Themenmix?
Wir sind ein junges Team, ich gehöre mit 33 zu den wenigen "Alten". Wir diskutieren in der Gruppe, befragen unser Umfeld, lesen viel und beziehen unsere freien Redaktoren, Fotografen und Illustratoren mit ein. Am Ende ist es die Aufgabe von Chefredaktor Remo Bitzi und Art Directorin Denise Häberli - 27, beziehungsweise 23 Jahre alt - für einen stimmigen Mix zu sorgen.

Das aktuelle Heft ziert das Antlitz einer schönen, jungen Zürcherin. Im Heft finde ich sie versteckt in einem Artikel über selbstständige Unternehmer wieder. Liegt ein Schwerpunkt bei Charakterstudien der Generation Y?
Genau so ist es. Wir wollen den Protagonisten der Generation Y eine Stimme geben; sie als Menschen, die ihr Leben in die Hand nehmen, zeigen.

Enttäuschend das Interview mit dem Rapper Cro im aktuellen Heft. Da werden nur gerade die naheliegendsten Fragen gestellt. Wieso so ideenlos?
Wir betreiben bewusst einen Mix aus hochstehenden und einfacheren, weniger "deepen" Inhalten. Aber wir werden uns die Kritik zu Herzen nehmen – als ideenlos möchten wir nicht gelten. Schliesslich ist es unsere Kernkompetenz, Ideen zu kreieren. In dem Sinne, dürfen Sie besagten Artikel als Ausnahme, die die Regel bestätigt, sehen.

Wie gross ist das Team hinter dem "Young Swiss Magazine"? Wer schreibt für das Heft?
Intern arbeiten bis zu sieben Personen pro Ausgabe am Magazin. Freie sind es bis zu 15. Die Leute, die für uns schreiben, fotografieren und illustrieren sind kulturaffin, oft haben sie sich vorher mit eigenen Projekten ausgezeichnet. Das ist bei uns "Personalpolitik" – nicht zuletzt intern: Wir wollen junge, unternehmerisch denkende Kreative machen lassen.

Ihre Lieblingsrubrik?
Ich mag Interviews und Infografiken. Eine Lieblingsrubrik habe ich nicht.

Ich bin nicht bei der Mobiliar und habe kein Konto bei der PostFinance. Wo kriege ich das Heft in die Hände?
Als Young Swiss Member kriegen Sie das Magazin viermal im Jahr per Post zugeschickt. Zur Zeit tüfteln wir an einem parallelen Vertriebskonzept. Aber dazu kann ich im Moment nicht mehr sagen – das muss noch gären.

Interview: Adrian Schräder, Bilder: zVg