"Wir wollen die anderen Vermarkter nicht aus dem Markt drängen"

Martin Schneider - Interview zur SRP-Vergabe.

Die Vergabe des Swiss Radio Pool an die publisuisse hat in der Radiolandschaft für Irritationen gesorgt. Die unterlegenen Vermarktungsgesellschaften IP Multimedia und Radiotele werfen der SRG-Tochter publisuisse vor, den Markteintritt mit einem Dumpingangebot erkauft zu haben. Im Interview mit "persoenlich.com" nimmt Martin Schneider, CEO der publisuisse, Stellung zu den kursierenden Behauptungen.

Herr Schneider, die publisuisse vermarktet ab Mitte Jahr auch die Verlegerradios. Wie sehr ist sie im Selbstverständnis noch Vermarkterin der SRG?

Für uns hat sich überhaupt nichts geändert. Die SRG ist unsere Hauptaktionärin und Muttergesellschaft. Deshalb übrigens gründen wir auch zusammen mit den Privatradios die Firma "MediaSense". Ich sehe da keine Probleme. Die Frage nach dem Selbstverständnis könnte man auch einer Publigroupe stellen, denn auch sie hat ihr "historisch-angestammtes Geschäft" verlassen. Die ursprüngliche Printvermarkterin ist nun auch in den elektronischen Medien tätig.

Mit dem feinen Unterschied, dass die SRG im Gegensatz zur Publigroupe kein gewinnorientiertes Unternehmen ist.

Wir sind die kommerzielle Partnerin der SRG und wollen ihr und unseren anderen Medienpartnern möglichst viele finanzielle Mittel erschliessen. Wie wir das am Besten machen, müssen schlussendlich wir entscheiden. Wenn wir aufgrund strategischer und betriebswirtschaftlicher Überlegungen den Entschluss fassen, uns breiter aufzustellen und in anderen Märkten operativ tätig zu werden, tun wir dies auch.

Trotzdem: Im Radiogeschäft werden Sie nun die Privaten vermarkten müssen, die in direkter Konkurrenz zu den SRG-Sendern stehen.

Ich sehe da kein direktes Konkurrenzverhältnis: Radiowerbung in den Sendern der SRG SSR ist gemäss Gesetz verboten. Im übrigen möchte ich daran erinnern, dass die neue Firma "MediaSense" eine eigenständige Firma ist, an der die Privatradios zu 49 Prozent beteiligt sind.

Wie sehr gab der Einstieg ins Privatradiogeschäft SRG-intern zu reden?

Die publisuisse ist eine eigenständige, gewinnorientierte Firma mit dem Auftrag, möglichst viele finanzielle Mittel für ihre Medienpartner zu erschliessen und ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Dazu haben wir eine Geschäftsfeldstrategie, in der die Politik so weit möglich aussen vor gelassen wird und die vom Verwaltungsrat der publisuisse abgesegnet wird. In diesem sitzen auch externe Vertreter, entsprechend wird sichergestellt, dass es nicht nur eine SRG-interne Diskussion ist. Es wäre für die Zukunft der publisuisse ja fahrlässig, wenn wir uns in einem sich verändernden Umfeld nicht auch weiterentwickeln würden. Es ist doch völlig natürlich, dass eine gewinnorientierte Firma einen Vorwärtsdrang besitzt. Alle Markt-Akteure um publisuisse herum stellen sich breiter auf, wachsen und ziehen die Konsequenzen aus den technologischen Veränderungen. Warum sollten wir das nicht tun?

Kritiker werfen der publisuisse vor, sie missbrauche ihre Kernaufgabe, nämlich die Vermarktung der SRG, um Türöffnerin für die Privatradios zu sein.

Wer definiert denn, was unsere Kernaufgabe ist, unsere Konkurrenz oder wir selbst? Die Vermarktung der elektronischen Medien betrachten wir als unsere Kernaufgabe. Dies logischerweise mit primärem Fokus auf die SRG. Aber worin besteht denn nun unser Missbrauch? Die publisuisse ist eine gewinnorientierte Firma, die -- wie jede andere Firma auch -- versucht, sich weiter zu entwickeln. Und letztlich frage ich mich auch, warum es überhaupt zur Ausschreibung des Swiss Radio Pool gekommen ist? Offenbar war man mit der herrschenden Situation nicht zufrieden. Ich finde es irgendwie erstaunlich, dass so viel Entrüstung entsteht, wenn eine dritte Kraft in den nationalen Radiowerbe-Markt eintritt, der viele Jahre von einem Duopol geprägt war.

Konnte die publisuisse nicht nur deshalb eine derart gute Offerte vorlegen, weil sie den Einstieg in den Radiomarkt mit den Einnahmen aus der TV-Werbung quersubventioniert, wie dies ihre Konkurrenz behauptet?

Das ist eine reine Behauptung, die sich auf Spekulationen und nicht auf Fakten stützt: Ich kenne die Kostenstruktur unserer Konkurrenz nicht -- und sie kennt unsere nicht. Entsprechend empfinde ich solche Aussagen als sehr problematisch . Sicher aber ist: Wir haben betriebswirtschaftlich sauber gerechnet. Und wir haben kein Interesse daran, im Radiogeschäft mit der neuen Firma "MediaSense" rote Zahlen zu schreiben. Daran hätten weder wir noch unsere Partner, die ja praktisch zur Hälfte an dieser Firma beteiligt sind, ein Interesse.

Sie sollen sich -- so lautet die Behauptung -- mit nicht kostendeckenden Vermittlerkommissionen den Markteintritt erkauft haben und wollen nun die Konkurrenz ausbluten lassen.

Das ist sicher nicht unsere Intention. Wir haben den Privatradios von Anfang an ein offenes Vermittlungsmodell präsentiert. Das zeigt doch, dass wir die anderen nicht aus dem Markt drängen wollen. Stellen wir uns aber vor, die IP oder Radiotele hätte den Auftrag für die Exklusivvermarktung erhalten. Das hätte das Aus des unterlegenen anderen Vermittlers bedeutet. Der Vorwurf hätte genau gleich gelautet, wäre aber in der Konsequenz viel dramatischer gewesen. Bei unserem Modell können die beiden anderen nach wie vor Radiowerbung für den Swiss Radio Pool vermitteln.

Im Radiogeschäft üblich ist eine Vermittlungskommission von 13 Prozent und mehr. Stimmt es, dass die publisuisse bloss 10 Prozent Kommission verlangen wird?

Vertragsdetails unterstehen der Geheimhaltungspflicht. Sie werden verstehen, dass ich dazu keine Auskunft geben kann.

Die publisuisse hat bislang wenig Erfahrung im Radiogeschäft. Wie will sie sich diese Kompetenz aneignen?

Wir sind mit der Vermarktung des Radiosponsorings der SRG-SSR-Programme sehr erfolgreich und machen einen ansehnlichen Umsatz damit. Wir verkaufen also bereits das Medium Radio. Die publisuisse verfügt deshalb bereits über Personal mit einem grossen Radio-Know-How. Auch bei der Entwicklung des Radiomoduls unserer Buchungs- und Abwicklungsplattform "publiplan" wurde mit Radioprofis zusammengearbeitet. Dieses Radio-Modul ist seit Jahren im Ausland erfolgreich im Einsatz und wird ständig weiterentwickelt. Aber: es geht ja hier nicht primär um die publisuisse, sondern um die gemeinsame Firma "MediaSense", an der zu 49 Prozent absolute Radioprofis mit entsprechend spezifischer Radio-Erfahrung beteiligt sind. Ich finde es etwas befremdend, wenn man jetzt so tut, als hätten die keine Ahnung von der Radiovermarktung. Und vergessen wir nicht: für interessante Jobs gibt es immer auch Leute auf dem Markt, die über das nötige Know-How verfügen.