Herr Müller, Sie führen am 12. /13. Mai 2011 im KKL Luzern das Swiss Media Forum durch. Im Vorfeld gab es in der Branche heftige Diskussionen, ob ein Chefredaktor auch als Veranstaltungsorganisator agieren darf. Wollten Sie deswegen nie den Bettel hinwerfen?
Nein, denn 90 Prozent der Reaktionen waren positiv bis begeistert. Das hat mich ermuntert, dieses Projekt voranzutreiben. Nun kommt ein breit abgestützter Kongress zustande.
Was ist Ihre Motivation für eine solche Veranstaltung?
Wir erleben zurzeit einen gewaltigen Medienwandel, der erst gerade begonnen hat. Die Social Media und neue Geräte wie der iPad verändern nicht nur die Geschäftsmodelle der Medienhäuser, sondern führen zu völlig neuen Schnittstellen zwischen Öffentlichkeit, Unternehmen, Politik und Medien. Das ist hochspannend und beschäftigt mich. Es fehlt bislang eine Veranstaltung, an der diese Themen gemeinsam mit drei Seiten diskutiert werden, die davon betroffen sind: Medien/Kommunikation, Unternehmen und Politik.
Nun gibt es in der Schweiz sehr viele Tagungen und Konferenzen. Wen wollen Sie mit dem Swiss Media Forum erreichen?
Unser Forum richtet sich an Meinungsmacher aus Medien, Kommunikation, Werbung, Wirtschaft und Politik. Mit ihnen soll zum Beispiel diskutiert werden: Wie sieht der Journalismus der Zukunft aus, die Werbung der Zukunft, der Wahlkampf der Zukunft? Was ändert sich für eine Grossbank oder einen Konsumgüterkonzern? Was sind die Trends aus Asien und den USA?
Konkurrenziert das Swiss Media Forum nicht auch die alljährlich stattfindende Verlegertagung des Verbandes Schweizer Medien?
Die beiden Veranstaltungen ergänzen sich. Der Verlegerkongress spricht primär Verlagsleute an und wird von einem Interessenverband organisiert. Das Swiss Media Forum ist breiter, insbesondere bezieht es die neuen Medien, die Unternehmenskommunikation und die politische Kommunikation mit ein. Das widerspiegelt sich in unserem Advisory Board, das breit zusammengesetzt ist.
Wer gehört diesem Gremium an?
Vertreten sind mit HSG-Professorin Miriam Meckel die Kommunikationswissenschaften, mit Pietro Supino und Peter Wanner zwei wichtige Medienunternehmer, mit Roger de Weck der künftige SRG-Generaldirektor, mit Pascale Bruderer ein Polit-Profi, mit Catherine Mühlemann eine internationale Medienpionierin und mit Frank Bodin ein Marketing- und Werbeprofi.
Steht das Programm bereits fest?
Es werden spannende Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland auftreten, von traditionellen Medienunternehmen ebenso wie von Firmen wie Google und dem sozialen Netzwerk XING, dessen Gründer Lars Hinrichs auftritt. Zudem reden hochkarätige Vertreter von Unternehmen anderer Branchen sowie aus der Politik darüber, welche Chancen die Medienrevolution bietet - und welche Gefahren sie birgt.
Ihr Forum klingt auch nach einem Networking-Anlass?
Man soll sich an diesem Forum kennenlernen, austauschen und auch unterhalten können. Wir rechnen mit rund 350 Teilnehmern - Opinion Leaders aus unterschiedlichen Bereichen wie Medien, Kommunikation, Wirtschaft und Politik. Im Alltag stehen sie sich vielleicht als Gegenspieler gegenüber, hier können sie ungezwungen diskutieren. Neben den Veranstaltungen im KKL wird es auch ein Dinner geben, das im Casino Luzern stattfindet. Übrigens, das Swiss Media Forum wird nicht zwei volle Tage dauern, sondern am 12. Mai am Mittag beginnen und am Folgetag um 13 Uhr wieder zu Ende sein. Das Programm soll nicht überladen sein.
Wie hoch sind die Kosten für eine solche Veranstaltung und wer finanziert Ihr Forum?
Die Veranstaltung soll sich selber finanzieren - zu zwei Dritteln durch die Teilnehmer und zu einem Drittel durch Sponsoring.
Wie sehen Sie Ihre Rolle innerhalb des Swiss Media Forum?
Ich kümmere mich um die Referenten und um das Programm. Für das Organisatorische ist unsere Geschäftsstelle zuständig, für das Sponsoring und die Kommunikation die auf Events und Marketing spezialisierte Agentur Schaerer und Partner.
Planen Sie für 2012 bereits weitere Veranstaltungen oder soll dies einmalig bleiben?
Die Idee ist, das Swiss Media Forum jährlich durchzuführen - denn ich bin überzeugt, dass der grosse Medienwandel noch bevorsteht, und deshalb werden die Themen von Jahr zu Jahr spannender.
(Interview: Matthias Ackeret)