"Wir wollen keine Tageszeitung von gestern machen."

- Ringier startet bereits seine fünfte neue Tageszeitung in diesem Jahr: Cash Daily. Die Multimediaplattform ist das ambitionierteste Pilotprojekt des Konzerns: Die Kombination der Medien Print, TV, Online, E-Paper und Mobile soll ab September insgesamt über eine Million Leser erreichen. Drei Monate vor dem Start gleicht die Multimedia-Plattform allerdings noch einer Grossbaustelle, wie Ringier-Konzernleitungsmitglied Thomas Trüb am "Forum am Morgen" in Adligenswil am Donnerstag bekannt gab.

Cash daily ist in erster Linie eine elektronische Zeitung. Dass die kostenlose Tageszeitung trotzdem als Printausgabe erscheint, ist bloss eine Folge davon, dass die Technologie noch nicht weit genug fortgeschritten und verbreitet ist. Trüb ist davon ungeachtet überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis das elektronische Papier das Zeitungsgeschäft revolutionieren wird. Die Vorteile von E-Paper liegen gemäss Trüb auf der Hand: Im Unterschied zum gedruckten Papier lässt sich im E-Paper Interaktivität einbauen.

Die E-Zeitung Cash daily soll unterlegt sein mit Datenbanken, die dem Leser kostenlos weiterführende Inhalte wie zusätzliche Börseninfos, Artikelsammlungen zum Thema sowie Audio- und Videobeiträge bieten sollen. "Der Leser erhält ein ganzes Dossier mitgeliefert", sagte Trüb. Er plant, drei VJs einzustellen, die ausschliesslich bewegte Bildbeiträge für die elektronische Zeitung herstellen sollen. Inhaltlich unterscheiden wird sich die elektronische Zeitung von der Tageszeitung auf Papier allerdings nicht: Cash daily auf E-Paper wird – mit Ausnahme der Börsennews -- nicht rund um die Uhr aktualisiert. Ganz im Gegensatz zur Website, die sich vor allem aus laufend aktualisierten News aus den Finanzmärkten zusammensetzen soll und stark auf Interaktivität setzt.

Auch anzeigenseitig schwärmt Trüb von den Möglichkeiten, wie die Kunden dank E-Paper "eingebunden" werden können. So können Anzeigen zum einen animiert und mit der Website des Kunden – Trüb nennt ihn "Partner" -- verlinkt werden. Doch der Cash daily-Gründer denkt bereits einen Schritt weiter: So soll das Format "pervasive" Werbung ermöglichen. Sie erlaubt es Werbeaufftraggebern, über Cash daily ihren Kundenstamm persönlich anzuschreiben und ihre Botschaften an die Zielgruppe zu richten. Die Werbung wird nicht in der ganzen Auflage erscheinen, sondern bloss für den zuvor bestimmten Teil der Abonennten.

Keine tägliche TV-Sendung

Ursprünglich hatte Ringier vorgesehen, dass auch eine tägliche TV-Sendung Teil des Medienverbunds sein werde. Die Pläne scheiterten jedoch an mangelndem Interesse der SRG und PresseTV. Beide lehnten es ab, Cash TV weitere Sendeplätze zur Verfügung zu stellen. Nun ist Ringier gezwungen, vorerst seine Filmbeiträge auf der Website als Vodcasts anzubieten. Insgesamt sollen täglich Bildbeiträge, ein Teil davon moderiert, in der Länge von 10 bis 15 Minuten zum Download bereitstehen. Zugleich startet Cash daily mit einer Mobile Applikation. Diese soll keine Verlängerung der bestehenden Inhalte sein, sondern für das Handy geeigneten Content liefern. Trüb ist überzeugt, dass Ringier mit börsenfokussierten Inhalten eine Kundschaft finden wird, die auch bereit ist, für den mobilen Service zu bezahlen.

Doch wie will Ringier verhindern, dass die Tageszeitung das Wochenprodukt kannibalisiert? "Cash Daily macht nichts, was die Wochenzeitung stark macht", sagt Trüb. Also statt Hintergrund- und Recherchegeschichten, vor allem kurze News aus der Wirtschaftswelt. Die inhaltliche Ausrichtung der Gratiszeitung ist prospektiv. Trüb: "Wir wollen keine Tageszeitung von gestern machen". Cash daily soll Tagessnews anbieten, die auf den laufenden und kommenden Tag ausgerichtet sind. Thematisch setzt sich aus den Seiten Top story, Multimedia, Contest sowie Meldungen aus dem In- und Ausland zusammen. Dazu kommen Comics, das Börsenwetter und eine Seite, die auf People aus dem Bereich Wirtschaft setzt. Zu jedem Wochentag erscheint jeweils ein Thema, das auf vier Seiten extra behandelt wird. So etwa Gesundheit und Wellness, Mobilität, Gadgets und Unterhaltungselektronik, Reisen und Shopping-Tipps.

Trüb hofft, mit der ausgebauten Cash-Multimedia-Plattform in die Champions League mitspielen zu können. Der heutige Medienverbund Cash, der eine Wochenzeitung, zwei wöchentliche TV-Sendungen und ein Online-Auftritt umfasst, bietet zu wenig, um im Konzert der Grossen mitzuspielen, wie Trüb betont. Denn gerade angesichts schrumpfender Marketingbudgets reichten die heute rund 600'000 Kontakte pro Woche nicht mehr, um die grossen Werbekunden aus der Konsumgüterindustrie zu erreichen. Mit einem Verbund der gemäss Trüb insgesamt über 1.2 Millionen Kontakte erzielt, soll sich dies ändern.