"Wir wollen nicht übermütig werden"

- Das "junge Schweizer Fernsehen" 3+ sendet am Freitag genau seit einem Jahr. Zu sehen waren vor allem Serien und Filme, aber nur wenige Eigenproduktionen. "Lieber gut eingekauft und intelligent programmiert, als am Publikum vorbei produziert", sagt Senderchef Dominik Kaiser. Im Gespräch mit "persoenlich.com" wehrt er sich gegen den Vorwurf, 3+ sei nur ein Abspielkanal und träumt von weiteren Schweizer Sendern. Das Interview:

Dominik Kaiser, 3+ ist ein Jahr alt. Haben Sie viele Gratulationen erhalten?

Von den "Miesepetern" bisher nicht, aber wer weiss, vielleicht melden die sich noch am Freitagabend …

Roger Schawinski hält Ihren Sender bloss für einen Abspielkanal für ausländische Serien und Filme und keinen richtigen TV-Sender. Was entgegnen Sie dieser Aussage?

Fernsehen ist ein Massenmedium. Entscheidend ist für uns, was der Zuschauer sehen möchte. Im Moment sind US Serien sehr beliebt, deshalb zeigen wir diese mit grossem Erfolg. Das kann sich natürlich ändern. Wir erreichen jetzt schon einen viermal höheren Marktanteil als Roger Schawinski mit Tele 24. Er hat damals sein Eigenproduktionsbudget gleichmässig über die Sendezeit verteilt und mit Sendungen wie "Blöff" oder "Venus & Mars" ohne Erfolg versucht, Zuschauer zu erreichen. Wir konzentrieren unsere Mittel auf ein paar teure Formate wie z.B. "Superstar" oder nun im Herbst "Supermodel".

Muss sich denn ein Sender nicht über seine Eigenleistungen definieren?

Die Herausforderung eines Senders ist es, zur richtigen Zeit für seine Zuschauer möglichst viel gutes Programm zu zeigen. Lieber gut eingekauft und intelligent programmiert, als am Publikum vorbei produziert. Dies ist eine Eigenleistung unseres Senders. Entscheidend ist, was der Zuschauer sehen möchte und nicht, was der Chef super findet.

Sie waren im ersten Jahr nur mit zwei Eigenproduktionen -- "Superstar" und "Supernanny" -- am Start. Nun folgt "Supermodel". Nicht gerade ein "Superlativ" an Eigenproduktionen.

Wir haben im ersten Jahr auch "Wissen der Welt", "Autovision", "News", "Wetter", "Victorias Secret" und "Miss Universe" selber produziert. Zudem liessen vier Monate lang Schweizer Promis täglich in kleinen Clips das Programm ansagen. Der grösste Teil unseres Programm-, PR-, und Marketingbudgets fliesst in die Eigenproduktionen. Sendungen selbst zu produzieren, macht sehr viel Spass. Dabei wollen wir jedoch die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Auge verlieren. Wir wollen weiter Schritt für Schritt gesund wachsen und nicht übermütig werden, nur weil es bisher so gut geklappt hat. 3+ soll es auch noch in vielen Jahren geben.

Sie haben die News-Sendung aufgegeben. Ist dieses Thema für Sie damit erledigt?

Wir haben die Kurznews abgesetzt, weil wir damit Zuschauer verloren haben. Alle Kurzsendungen, auch das Wetter und die Programmansagen haben nicht die gewünschten Zuschauerzahlen gebracht. Obwohl wir bei den Ansagern sehr viele positive Zuschauerreaktionen erhielten. Trotz allem hatten wir mit unseren News einen etwa gleich hohen Marktanteil wie damals Tele24 mit seinen Swissnews. Ich möchte nichts für die Zukunft ausschliessen, im Moment gibt es die News jedoch auf einem Laufband.

Waren ursprünglich mehr eigene Formate geplant?

Zusätzlich hatten wir noch ein Schweizer Comedy-Format geplant. Alle bisherigen Konzepte fanden wir jedoch zu wenig lustig. Wir möchten das Thema lieber richtig umsetzen und zuerst die richtigen Idee entwickeln.

Kann man in der Schweiz mit einem Privatsender nur mit buchhalterischer Programmplanung Erfolg haben?

Von den bisher an den Start gegangenen TV Projekten haben wir sicher die kleinste Buchhaltung. Unsere Vorgänger haben gezeigt, dass auch mit vielen Buchhaltern und Controllern Fernsehen in der Schweiz kein einfaches Thema ist. Wir lassen uns von der Programmqualität und den Zuschauerwünschen leiten und haben damit bisher meistens Glück gehabt.

Sie haben auf "persoenlich.com" vor einiger Zeit mehr Mut von den Werbern gefordert. Ist 3+ inzwischen auch bei der Werbewirtschaft höher im Kurs?

Am Anfang hat man uns vor allem beobachtet und wollte zuerst sehen, ob es uns auch im neuen Jahr noch gibt. Nun auf den Herbst ziehen die Buchungen jedoch stark an. Das Vertrauen ist gewachsen.

Sie haben sich auch überleget, wo man das 3+-Modell im Ausland kopieren könnte. Wie weit sind Sie mit Ihren Expansionsplänen?

Wir prüfen im Moment die Möglichkeiten in mehreren kleineren europäischen Ländern. Vorgesehen wäre, dass wir den Programmeinkauf, die Programmplanung und die ganze Sendeabwicklung und Technik hier von Schlieren aus betreiben würden. Lokal im Land wären nur der Verkauf und die Eigenproduktionen angesiedelt.

Gibt es auch Pläne, sich in der Schweiz zu vergrössern?

Gerne würden wir in der Deutschen Schweiz einen weiteren Sender betreiben und analog verbreiten. Auch die Französische Schweiz wäre sehr interessant. Das Problem ist aber die Verbreitung. Analog kommt man nicht mehr ins Kabelnetz.

Und wie sieht es mit anderen Verbreitungskanälen aus? Zattoo, IPTV?

Aus vertragstechnischen Gründen dürfen wir 3+ nur über Kabel verbreiten. Einzelne Eigenproduktionen kann man bei uns aber auch im Internet anschauen.

Roger Schawinski meint, ein junger TV-Unternehmer in der Schweiz müsse hoffen, dass er bald einen sehr lukrativen Exit schaffen kann. Arbeiten Sie auf dieses Ziel hin?

Das hat ihn damals gerettet. Anders als Tele24 sind wir jedoch finanziell gesund. Im Moment ist kein Verkauf geplant, auch wenn es schon Angebote gegeben hat. Es bereitet mir sehr viel Spass, mit unserem unabhängigen kleinen Team Fernsehen zu machen, und ich sehe noch viel Potential.

(Interview: Stefan Wyss)