Herr Dührkoop, seit 2009 gibt es die regionalen Ableger dieser eigentlichen Ideenschleuder-Konferenz. Allein in diesem Jahr fanden überall auf der Welt schon über 500 TEDx-Events statt. Was versprechen Sie sich heute davon in Zürich?
Wir wollen den Geist von TED (Technology, Entertainment, Design) in Zürich aufleben lassen und weiter verbreiten. Es soll ein offener Austausch zwischen klugen Köpfen stattfinden, wie es an den grossen TED-Konferenz seit 25 Jahren passiert und seit einiger Zeit auch im Internet mit den TED-Talks auf ted.com. Als sich die Möglichkeit ergeben hat, als TEDxZurich einen unabhängigen Event unter Lizenz von TED zu organisieren, haben wir als TED-Fans sofort zugegriffen.
17 hochkarätige Redner aus der ganzen Welt treten an der Zürcher Hochschule der Künste auf. Nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?
Unsere Referenten wollen eine persönliche Idee vermitteln. Sie haben eine "Idea worth spreading" , also etwas, das die Welt weiterbringt. Zudem ist das Spektrum der Themen und Persönlichkeiten breit: Vom Künstler bis zum Banker, von der Professorin bis zur Gründerin einer NGO, vom Unternehmer bis zum Abt des Klosters Einsiedeln - sie alle sollen uns heute mit ihren Gedanken inspirieren.
Welche drei Redner sind für Zürich am bedeutensten?
Es fällt mir sehr schwer, hier eine Auswahl zu treffen. Alle unsere Referenten präsentieren wertvolle Ideen. Sehr stolz sind wir aber auf jeden Fall, dass wir Bruno Giussani als Redner engagieren konnten. Er ist Schweizer und als European Director eine der Schlüsselpersonen im Team von TED. Ausserdem freuen wir uns, dass wir vielen Ideen, die hier in Zürich geboren wurden, eine Bühne bieten können - eine Bühne in der Zürcher Hochschule der Künste und mittels Livestream auch global.
Was hat die TEDxZurich mehr zu bieten als andere?
Dazu darf ich noch nichts sagen. Aber wir haben eine grosse Überraschung parat.
Sie wurden überrannt von Interessenten. An der Zürcher Hochschule der Künste haben "nur" 250 Gäste Platz. Wer hat es geschafft?
Die Interessenten mussten uns ein paar Angaben zu ihrer Person und ihrem Hintergrund geben und in einigen Sätzen ihre Motivation für eine Teilnahme aufschreiben. Wir haben uns dann für einen Mix von Leuten entschieden, mit denen es Spass macht, die vorgestellten Ideen zu diskutieren.
Wie setzt sich das Publikum konkret zusammen?
Es sind Leute aus allen Bereichen: Wir haben CEOs und Professoren im Publikum, aber wir haben auch Studenten, die am Anfang ihrer Karriere stehen, und denen wir aufgrund ihres Hintergrunds und ihrer Bewerbung einen hervorragenden, inspirierenden Beitrag zur Diskussion zutrauen.
In Kalifornien verfolgen die TED-Konferenz jeweils Tausende von Menschen. Wie muss man sich die Veranstaltung in Zürich im Vergleich dazu vorstellen?
So gross ist TED selber auch wieder nicht. An der Hauptkonferenz in Kalifornien nehmen 1300 Menschen teil, plus noch einmal einige hundert an einem anderen, per Satellit verbundenen Ort. Das Ziel ist ja, eine Diskussion auch unter den Teilnehmern in Gang zu bringen, und das funktioniert mit zu vielen Teilnehmern nicht mehr. Ich denke, mit 250 Teilnehmern haben wir eine gute Grösse, und mit genügend Pausen auch genug Raum für angeregte Diskussionen. Der entscheidende Unterschied ist natürlich, dass TED eine ganze Woche dauert und TEDxZurich nur einen Tag. TED wird oft als "Intellectual Vacation" bezeichnet, wir wären dann sozusagen der "intellektuelle Tagesausflug" in Themen, mit denen sich die Zuhörer sonst nicht so oft befassen.
Die TEDxZurich kann im Internet live mitverfolgt werden. Wieviele Zuschauer erwarten Sie da zusätzlich?
Das ist sehr schwer abzuschätzen. Wir sind aber auf einen grossen Andrang vorbereitet. In Amsterdam, beim bisher grössten TEDx-Anlass, gab es 14'000 Zuschauer beim Streaming. Neben dem Livestream am Internet gibt es auch die Möglichkeit den Stream gemeinsam bei The Hub Zurich zu schauen. Nach dem Event wollen wir zudem die einzelnen Talks möglichst bald zum Download anbieten.
Wie sieht der Business-Plan der TEDxZurich aus?
Einen Business-Plan haben wir nicht. Wir sind eine Nonprofit-Organisation, bei der alle auf Miliz-Basis arbeiten. Dank der Unterstützung unserer Sponsoren und Partner können wir aber den gesamten Event für die Teilnehmer gratis anbieten. Wenn wir zufriedene Teilnehmer und Stream-Zuschauer haben, die zu Hause inspiriert weiter diskutieren, ist der ROI für uns da, auch wenn er nicht in Franken gemessen wird.
Welche Sponsoren konnten Sie dafür gewinnen?
Mit Liip, netcetera, Migros, local.ch, Namics, der Rhätischen Bahn, Brack.ch und unic doch einige Unternehmen, und auch eine sehr interessante Kombination. Ausserdem unterstützen uns die Standortförderung des Kantons Zürich, amiando, netcloud und Blogwerk. Ganz zentral ist auch die Partnerschaft mit der Vertiefung CAST von der Zürcher Hochschule der Künste, die den Raum und alle technischen Leistungen einschliesslich Videoproduktion beisteuert.
Interview: Christine Schnyder