Sie haben sich entschlossen, mit der NZZ zu kooperieren. Was gab den Ausschlag für die NZZ bzw. gegen die Tamedia?
Es ist aus unserer Optik gesehen nicht ein Entscheid für oder gegen jemanden. Wir haben nach dem vergangenen Sommer gesagt, dass jene Lösung für uns die beste sei, die mittelfristig ein eigenständiges Überleben ermöglicht. Die gefasste Lösung erfüllt diese Bedingungen.
War das Angebot der Tamedia so gut, dass Sie sich so viel Zeit für den Entscheid genommen haben?
Nein, ein anderer Grund war entscheidend. Meine Familie ist als Eignerin der Zürichsee Medien und der Zürichsee Presse AG vor grossen Weichenstellungen gestanden. Schliesslich werden uns die jetzigen Entscheide in den nächsten sechs bis acht Jahren stark beeinflussen. Deshalb wollten wir ganz genau wissen, auf was wir uns bei jeder der Varianten einlassen. Dieser Evaluationsprozess kostete Zeit.
Konnte die Tamedia mit ihrem Angebot die Unabhängigkeit der Zürichsee-Zeitungen nicht garantieren?
Zu den Details der Verhandlungen möchte ich mich nicht äussern. Nur soviel: Die abgeschlossene Lösung mit der NZZ kam unseren Vorstellungen näher.
Die NZZ beteiligt sich an den Zürichsee-Zeitungen. Welche Auswirkungen hat der Deal auf Ihr Unternehmen?
Unseren Anteil an der Zürichsee-Presse werden wir von 55 auf 60 Prozent erhöhen. Ob wir künftig enger mit den Regionalzeitungen der NZZ zusammenarbeiten, kann ich noch nicht sagen. Inwiefern wir Synergien ausnutzen können, werden wir mittelfristig herausfinden.
Hat der Deal inhaltliche Konsequenzen für die Zürichsee-Zeitungen?
Direkte Konsequenzen sicherlich nicht. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass wir längerfristig gemeinsame Korrespondenten - etwa in den USA - mit den NZZ-nahen Regionalzeitungen besitzen werden. Im übrigen haben schon in der Vergangenheit Journalisten z.B. der Neuen Luzerner Zeitung für uns geschrieben.
Wie wollen Sie sich gegen die neue Konkurrenz durch die Tamedia am linken Seeufer behaupten?
Wir haben nun während fünfeinhalb Monaten eine Lösung gesucht. Wir mussten davon ausgehen, dass wenn wir uns gegen die Tamedia entscheiden, der Tages-Anzeiger am linken Seeufer mit einem eigenen Regionalteil erscheinen wird. Da wir zum Schluss gekommen sind, dass wir auch trotz dieser harten Konkurrenz bestehen können, wenn wir eine gute Regionalzeitung machen, entschieden wir uns für die gestern getroffene Lösung.
Wie gut ist ihr Verhältnis zur Tamedia heute?
Natürlich weiss ich nicht, wie die Tamedia auf unseren Entscheid reagiert. Ich fand jedoch, die Gespräche mit der Tamedia seien ausgesprochen fair und korrekt abgelaufen. Die Art und Weise wie Herrn Coninx auf uns zukam, war sehr eindrücklich.