Frau Christiansen, soeben hat Ihnen Sat.1-Chef Roger Schawinski den Kampf angesagt, indem er auf seinem Sender am Sonntagabend eine eigene Polit-Talkshow einführen will. Fürchten Sie sich davor?
Warum soll ich mich davor fürchten? Da er mit seiner Sendung erstens eine dreiviertel Stunde später und zweitens mit einem nicht wirklich erkennbaren Konzept daherkommt, darf er es gerne versuchen. Es wird für Sat.1 jedenfalls nicht ganz einfach; zum einen muss er die Zuschauer auf seinen Sender rüberziehen, zum andern muss er sie zu später Nachtstunde auch für Polit- und Wirtschaftsthemen begeistern. Nachdem Schawinski die Sendung bereits so früh angekündigt hat, warten wir gespannt auf das Resultat. Schaunmer mal!
Sind Sie wirklich so gelassen, wie Sie sich geben?
Da diese Sendung nicht zu unserer Sendezeit läuft und -- wenn überhaupt -- Interesse in der ganz anderen Sat.1-Zielgruppe wecken soll, will ich diese Programmplanung nicht weiter kommentieren. Doch dieses Beispiel zeigt eines: Nicht nur in der Politik personalisiert man gerne, sondern auch in den Medien. Es heisst heute nicht mehr nur Angie gegen Münte, sondern Kerner gegen Christiansen -- oder in diesem Fall Schawinski gegen Christiansen. Damit verkaufen sich trockene Themen einfach besser.
Aber gerade Sie personalisieren am meisten, indem Sie Ihrer Talk-Show Ihren eigenen Namen gegeben haben.
Ich weiss nicht, ob man diese Frage auch einem Mann stellen würde. Es war der Entschluss des Senders, an welchen ich mich auch gewöhnen musste. Mittlerweile ist es unser Label.
"Sabine Christiansen" ist zu einem medialen Nebenparlament geworden. Wann hat die Sendung diesen Stellenwert erreicht?
Das erste halbe Jahr war sehr schwer, weil wir zuerst unseren Platz in der Fernsehlandschaft erobern mussten. Der Sonntagabend war für Kultur reserviert. Damals sind wir als Konkurrenz gegen die Sat.1-Sendung "Talk im Turm" angetreten, wobei wir am Ende die Sieger waren -- auch noch, als ein Spiegel-Chefredakteur die Moderation übernahm. Zweifellos kam uns zugute, dass wir in einer äusserst spannenden Zeit gestartet sind. So wechselte nach 16 Jahren die Regierung, während der aufgeflogene CDU-Spendenskandal ein halbes Jahr später die ganze Republik erschütterte und ein grosses Interesse an der Politik weckte, von welchem wir profitieren konnten. Dies war nicht immer so.
Wie meinen Sie das?
Als wir erstmals unser Konzept "Politik am Sonntagabend" präsentierten, verwarfen viele -- bis auf den ARD-Programmdirektor Struve und NDR-Direktor Kellermeier -- die Hände. Ich sah es anders. Wer am Montagmorgen in aller Frühe zum Kiosk rennt, um sich den Spiegel oder Focus zu kaufen, den kann man auch schon am Sonntagabend für Politik begeistern, so meine Argumentation -- vor allem, wenn es im schnelleren Medium, dem Fernsehen, präsentiert wird. Dies hat sich glücklicherweise bewahrheitet.
Haben Sie wirklich keine Angst, dass Sie diese Leaderposition verlieren könnten?
Es ist für uns eher ein Ansporn. So überlegen wir uns ständig, wie wir die Sendung ausbauen können, um diese Topposition zu halten. Es ist schwieriger, Marktführer zu bleiben, als Marktführer zu werden. Lange Zeit haben wir das Feld des Polittalks alleine besetzt, bis das ZDF und die dritten Programme mit ähnlichen Polittalks nachzogen. Glücklicherweise konnten wir unsere Leaderposition aber verteidigen.
Sie haben verschiedentlich auch Schweizer Gäste wie Jean Ziegler oder Kurt Felix eingeladen.
Ja, wir möchten sogar vermehrt wieder Schweizer Gäste einladen, wo es doch unsere Unternehmen, das deutsche Kapital und viele Persönlichkeiten in Ihr Land zieht...
Blocher beispielsweise...
Wir haben schon einige Male über Christoph Blocher gesprochen und würden ihn auch gerne einmal in unsere Sendung einladen. Aber im Gegensatz zu einer Personality-Show braucht es dazu einen richtigen Bezugspunkt.