"Wir würden einen Selbstmord-Dok nicht ausstrahlen."

- ARD-Programmchef nimmt Stellung zu SF-Selbstmord-Dok.

In der Schweiz gezeigt, aber höchst umstritten - in Deutschland nie realisiert: Der Selbstmord-Dok "Tod nach Plan" polarisiert weiter. War es richtig, den manisch-depressiven André Rieder auf seinem Weg zum Selbstmord zu filmen? ARD-Programmdirektor Volker Herres hat eine klare Meinung: In Deutschland wäre solch ein Dok nicht entstanden.

André Rieder ist 56 Jahre alt, Mediziner, psychisch und physisch stark angeschlagen. Er will und kann so nicht mehr weiter machen. Deshalb trifft er die Entscheidung, mit der Sterbehilfe-Organisation Exit aus dem Leben zu scheiden. Er fragt beim Schweizer Fernsehen an, ob man interessiert sei, seine letzten Wochen zu filmen. Dok macht mit ("persoenlich.com" berichtete).

In Deutschland wäre das unmöglich. Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen (ARD), zu "persoenlich.com": "In Deutschland ist Sterbehilfe gesetzlich verboten; eine Dokumentation wie "Tod nach Plan" könnte hier weder produziert noch ausgestrahlt werden. Zudem ist das Thema historisch schwer belastet und wir wissen, dass unsere Zuschauer sehr sensibel darauf reagieren."

André Rieder ist manisch-depressiv. In den letzten Jahren wird er 20 Mal in die Psychiatrie eingewiesen, oftmals in Begleitung der Polizei. Einmal greift er auch einen Bekannten an. Seither hat er Angst, dass dies wieder passieren könnte. Er traut sich selbst nicht über den Weg und findet keine Kraft mehr, für ein besseres Leben zu kämpfen. Dass er aufgibt und ihn das Schweizer Fernsehen nicht davon abhält, versteht der Zürcher Pfarrer Ernst Sieber nicht. Auf "blick.ch" sagt er, solchen Menschen müsse man helfen, für die sei nicht alle Hoffnung verloren.

Nehmen die Macher des Dok-Films ihre Verantwortung nicht wahr? Im Film wird zwar nachgefragt, ob sie und auch die Freunde André Rieder nicht umstimmen könnten. Aber reicht das? Und warum sollte das Schweizer Fernsehen ihm bei seinen letzten Lebenswochen zuschauen? Diese Frage wird nicht beantwortet.

Für Volker Herres ist klar, dass das Dok-Team den Film nicht hätten machen sollen: "Die Verantwortung, die die Macher des Films übernommen haben, wiegt meines Erachtens zu schwer, denn es bleiben viele Zweifel und sicher auch Selbstvorwürfe. Die Tatsache, dass die Initiative zur Entstehung des Films von einem psychisch kranken Menschen ausging, verstärkt in dieser Hinsicht meine Bedenken."

Geplagt auch von körperlichen Gebrechen beschliesst André Rieder seinem Leben ein Ende zu setzen. In den letzten zwei Wochen seines Lebens verabschiedet er sich von all seinen Freunden, die traurig zurück bleiben. Auch der Zuschauer bleibt nach diesem eindrücklichen Film erschlagen und mit vielen Fragen allein. Bei der ARD kennt man dieses Problem bei schweren Themen. Volker Herres meint: "Komplexe und brisante Themen, die wir im Ersten Deutschen Fernsehen in Form von Dokumentationen aufgreifen, vertiefen wir in der Regel mit einem ergänzenden Informationsangebot, zum Beispiel einer Diskussionssendung."