"Wir würden unsere eigenen Anteile verkaufen, wenn wir keine Zukunftsperspektiven mehr sehen würden"

- Die Basler Zeitung Medien (BZM) schreibt dieses Jahr tiefrote Zahlen. Verwaltungsratspräsident Matthias Hagemann ist jedoch optimistisch. Für 2010 rechnet er wieder mit einem Gewinn. Im grossen Interview mit "persönlich" spricht der "BaZ"-Verleger über den Zustand der Zeitungsbranche, warum die "Basler Zeitung" bei News ausstieg und weshalb er eine engere Zusammenarbeit mit einem in- oder ausländischen Medienpartner nicht ausschliesst. Das Interview:

Herr Hagemann, wie geht es Ihnen?

Den Umständen entsprechend. Beim Abschluss, den wir vor einigen Tagen präsentierten, handelte es sich um den schlechtesten seit Langem. Die Umsatzeinbrüche waren wirklich massiv. Natürlich hat man bereits bei der Euro vor einem Jahr eine Baisse gespürt; dass es aber so drastisch kommen wird, hat wohl niemand gedacht. Wir haben nun entsprechende Sparmassnahmen umgesetzt, wobei ein massiver Stellenabbau im Zentrum stand. Insgesamt bin ich optimistisch, dass wir im nächsten Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben werden.

Zweckoptimismus?

Nein, für diese positive Annahme gibt es durchwegs sachliche Gründe. Laut Budget kann man davon ausgehen, dass wir im nächsten Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Dies, weil ab 2010 die massiven Sparmassnahmen im Umfang von rund 20 Prozent des Gesamtaufwandes greifen. Selbst wenn eine erneute Verschlechterung im Werbemarkt eintreten sollte, wäre ein positives Ergebnis in Reichweite.

Wie sind Sie bei diesem Stellenabbau vorgegangen?

In der jetzigen Situation sind Entlassungen leider unausweichlich. Wir haben jedoch versucht, den menschlichen Aspekt so gut wie möglich zu berücksichtigen.

Wer nimmt eine solch heikle Angelegenheit in die Hand?

Das ist unterschiedlich. Wichtig ist, dass ein Chef als Ansprechpartner für die Betroffenen erreichbar ist. In unserem Fall handelte es sich um unseren CEO Beat Meyer und die jeweils zuständigen Bereichsleiter oder um mich. Ging es um redaktionelle Belange, haben BaZ-Chefredaktor Matthias Geering und ich die betroffenen Journalisten direkt informiert. Bereits Anfang des Jahres hat die BaZ ihre Redaktion um über 20 Stellen verkleinert.

Einerseits wurden zahlreiche Journalisten entlassen, andererseits haben Sie fünfzig Leute für den Verkauf verpflichtet.

Diese Anstellungen als Folge der Eigenregie erfolgten noch während der Hochkonjunktur. Ein starker Verkauf ist essenziell. Gleichzeitig möchte ich aber betonen, dass sämtliche Bereiche des Unternehmens vom Abbau betroffen sind.

Beschränken sich die Sparmassnahmen nur auf den Stellenabbau?

Nein, wir haben auch Radio Basel 1 verkauft und steigen aus dem defizitären Rollenoffset- Akzidenzdruck mit seinen veralteten Anlagen aus. Ablaufprozesse wurden optimiert und der gesamte Betriebsaufwand reduziert. Neue Projekte realisieren wir nur noch, sofern sie auch rentieren.

Themenwechsel: Die PubliGroupe möchte ihren 37-Prozent-Anteil an Ihrem Unternehmen verkaufen. Verschiedentlich wurde die Verlegerfamilie Hagemann als potenzieller Käufer gehandelt.

Alles ist denkbar, aber aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation würde ich dies unserer Familie nicht unbedingt empfehlen. Wir verfügen bereits über eine Mehrheit.

Der neue Käufer hätte sicherlich grössere strategische Interessen und würde wohl auch operativ mitwirken wollen.

Wer auch immer sich für das Paket interessiert: Er muss sich mit uns einigen können. Es benötigt Interessengleichlauf, sonst wird eine Partnerschaft nichts Gutes.

Wer ist für das 37-Prozent-Paket im Gespräch?

Wir prüfen derzeit Partnerschaften mit Medienhäusern in der Schweiz und im Ausland.

Die Medienhäuser NZZ oder Tamedia kämen hierbei wohl am ehesten in Frage.

Wie gesagt, es gibt einige Interessenten.

Warum wollen Sie Ihre eigenen Anteile nicht verkaufen?

Das wäre eine Option, wenn wir das Gefühl hätten, das Geschäft nicht mehr an die nächste Generation abgeben zu können. Aber das ist jetzt kein Thema.

Ist es heutzutage nicht riskant, so viel Geld in Printmedien zu stecken?

Risikolose Strategien gibt es leider nicht. Wie wir wissen, befinden sich die Zeitungsverlage momentan in einer sehr schwierigen Situation. Dabei ist die Versuchung gross, seine Aktivitäten von Print auf das Online zu verlagern. Ein solcher Strategiewandel birgt seine Tücken und ist nicht minder risikoreich als der bisherige Weg: Wer im Internet nicht Marktführer ist, hat es bereits sehr schwer. Es ist wie vor zehn Jahren, als die Verlage glaubten, mit nationalem Fernsehen Geld verdienen zu können.

Wie beurteilen Sie die Schweizer Medienlandschaft?

Seit der Hochkonjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte die Kurve tendenziell immer nach oben. Trotz Rezessionen entwickelte sich die Branche positiv. Inzwischen sieht die Situation anders aus, seit dem Jahre 2000 ist in der Medienbranche erstmals ein Rückschritt erkennbar. Das Inseratevolumen ist in den Tageszeitungen im letzten Jahrzehnt rund um die Hälfte zurückgegangen. Zwar hat sich die Qualität der Zeitungen in all den Jahren merklich verbessert, trotzdem verschlechtert sich die ökonomische Situation stetig, was mich sehr nachdenklich stimmt.

Herr Hagemann, warum ist die Basler Zeitung bei News ausstiegen?

Aus Kostengründen. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage und der umfassenden Kosteneinsparungen in unserem Unternehmen wollten wir die Investitionen in News nicht weiter aufbringen.

Was haben Sie sich von der Beteiligung bei News erhofft?

Einerseits die Beseitigung von .ch. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Andererseits erhofften wir uns eine Stärkung der BaZ, indem wir der Werbewirtschaft die unterschiedlichen Leserschaften von BaZ und News im Kombi angeboten haben. Hier blieb der Erfolg weit hinter den Erwartungen zurück, was wohl mit dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld zu tun hat.

Wir stark ist die BaZ von der Chemie abhängig?

Eine direkte Abhängigkeit ist nicht zu spüren, da die Branche sehr selten inseriert. Trotzdem ist die Pharmaindustrie für Basel ein Glücksfall, weil die Verantwortlichen viel Geld in den Standort investieren, wie beispielsweise den Novartis-Campus. Dadurch entstehen zahlreiche neue Arbeitsplätze, was sich äusserst positiv auf die Kaufkraft auswirkt. Würde die Pharma wegziehen, wäre dies für die Region ein erheblicher Schaden. Aber glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall.

Sie haben wegen des Verkaufs der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) an die AZ-Mediengruppe einen Disput mit AZ-Verleger Peter Wanner. Ist dieser Konflikt nun bereinigt?

Ja. Grundsätzlich ist es so, dass die Not Freunde schafft. In der kleinen Schweiz kann man sich den Luxus nicht leisten, mit allen zu streiten. Letztlich gibt es zu wenig potenzielle Partner, und man kann eine Zusammenarbeit nicht ablehnen, nur weil es einmal zu einer Auseinandersetzung gekommen ist. Peter Wanner und ich stellen fest, dass wir mit gemeinsamen Sorgen konfrontiert sind, und überlegen uns dabei, wie wir diesbezüglich einen Ausweg finden können.

(Interview: Matthias Ackeret)

--> Das vollständige Interview ist in der September-Ausgabe von "persönlich" zu finden.