Urs Heller. Am Mittwoch erscheint Ihr jüngstes Baby, die Erstausgabe von "LandLiebe". Wie nervös sind Sie?
Nervös bin ich nicht. Eher glücklich darüber, dass wir in kurzer Zeit ein gutes Team zusammengestellt, gemeinsam ein starkes Konzept entwickelt und die Druckmaschine pünktlich erreicht haben. Jetzt bin ich gespannt auf die ersten Feedbacks der Leserinnen und Leser.
Sie sprechen das gute Team an. Wen konnten Sie für das Landmagazin gewinnen?
Wir starten mit einem kleinen Kernteam von vier Journalisten mit hoher Affinität zum Thema und der nötigen Leidenschaft fürs Projekt. Dazu kommen freie Mitarbeiter und starke Autoren, die wir vorwiegend bei der "Schweizer Illustrierten" gefunden haben. Und: Für uns schreiben erstklassige Kolumnisten - Sabine Reber, Oskar Marti, Geny Hess und andere mehr.
Wie sieht das Heft aus?
Grosszügig, 172 Seiten stark, wertig. Themen? Die Natur und die Schweiz von der schönsten Seite. Herausragende Bilder, gefühlvolle Texte und jede Menge Service. Wir versprechen Landliebe, wir versprechen Bergliebe. Und versuchen, dieses Versprechen in jeder Ausgabe einzulösen.
Wann kam Ihnen die Idee, ein Landmagazin zu realisieren?
"LandLiebe" ist bei Ringier Schweiz seit einem Jahr ein Thema. Erst seit Dezember ist aber klar, dass das Projekt im Bereich Zeitschriften umgesetzt wird. Jetzt sind wir seit drei Monaten sehr intensiv dran, mit wachsender Begeisterung.
In Deutschland gibt es bereits seit vier Jahren das Pendant zu "LandLiebe"; es heisst "LandLust". Das Heft trifft den Nerv der Zeit und zählt fast zwei Millionen Leser. Ist das auch Ihr Ziel?
"LandLust" ist unser Vorbild. Wie dieses Team den deutschen Zeitschriftenmarkt aufgemischt hat, ist beeindruckend. In einer ersten Phase haben wir eine sehr enge Kooperation angestrebt, den gemeinsamen Nenner aber nicht gefunden und uns schliesslich für den Alleingang entschieden. Ziel? Schwarze Zahlen in drei Jahren. Zielgruppe? Alle, die raus wollen aus dem Büro, raus in die Natur. Alle, die Freude haben an ihrem Garten, am Wandern und am heimlichen neuen Mega-Trend Stricken. Alle, die für einmal nicht Promis näher kennen lernen wollen, sondern authentische Menschen und ihr Werk.
Da werden sich SVP-Leute angesprochen fühlen. Ist das Absicht?
SVP? Zumindest ihre Exponenten neigen ja nicht gerade zum Entschleunigen Im Ernst: "LandLiebe" ist 100 Prozent unpolitisch.
Der Markt für Landmagazine entwickelt sich rasant. Wie erklären Sie sich diesen Trend?
Trends muss man aufnehmen, scharf beobachten, nicht erklären. Wir alle müssen in unseren Jobs und in unserem Umfeld jedes Jahr mehr leisten. Da wächst die Sehnsucht nach Ruhe, Natur, Entschleunigung.
Wie wollen Sie sich von der Deutschen "LandLust" abheben?
Mit Swissness! Mit Schweizer Themen, Schweizer Autoren, Schweizer Kolumnisten. Mit einer Ausdehnung auf zusätzliche Themen: Bergliebe, Wandern, Stricken. Jeder Blattmacher weiss: Abkupfern geht nicht. Es braucht neue, zusätzliche, bessere Ideen.
In Deutschland sind zusätzlich TV-Formate zu ländlichen Themen geplant. Könnten Sie sich so etwas auch als Zusatz zu Ihrem Heft vorstellen?
Wir gehen's entschleunigt an Im ersten Jahr wollen wir die Leserinnen und Leser überzeugen, das Konzept verfeinern, das endgültige "LandLiebe"-Team zusammenstellen. TV ist noch kein Thema. Unser Internet-Auftritt wird am Anfang noch zurückhaltend sein; wir verweisen aber - wie bereits bei "SI GRÜEN" - bei jedem Thema konsequent auf die besten Internet-Seiten.
Mit "SI GRÜEN" hat Ringier schon ein Produkt, das sich mit dem Thema Natur auseinander setzt. Wie verhindern Sie, dass "LandLiebe" zur Konkurrenz wird?
Die beiden ergänzen sich, wir bezeichnen das im Werbemarkt als unsere "Green Collection". Inhaltlich grenzen sie sich stark ab: "SI GRÜEN" hat eine starke Lifestyle- und Lohas-Komponente, "LandLiebe" widmet sich ganz dem Thema Entschleunigen und ist promifreie Zone.
Wie wird das Heft finanziert und vertrieben?
Wie jedes Magazin bei Ringier: Wir finanzieren "LandLiebe" via Lesermarkt und via Anzeigenmarkt. Wir starten mit einer Auflage von 200000 Exemplaren, um schnell aufzufallen im Markt. Die ersten Werbekunden sind bereits überzeugt: wir haben 30 Anzeigen in der ersten Nummer!
Wie muss sich "LandLiebe" entwickeln, dass Sie Ende Jahr darauf anstossen?
Wir stossen jetzt mal auf die erste Nummer an! Ende 2012 werden wir dann wissen, ob der Schweizer Markt "LandLiebe" will und ob wir unseren Job gut genug gemacht haben.
Interview: Christine Schnyder.