Wirbel um Polizeigewahrsam von Journalisten

Basel - "Journalist in der Schweiz kein geschützter Beruf."

Nach Polizeiaktionen vom Samstag zur Verhinderung einer Anti-WEF-Demo in Basel reisst die Kritik wegen Übergriffen auf Unbescholtene nicht ab. Auch Journalisten wurden trotz Ausweis eingesperrt, wie die Gewerkschaft Comedia am Dienstag mitteilte. Unter den rund 60 Personen, die die Polizei am Samstagnachmittag kontrollierte, abführte und teils einige Stunden einsperrte, waren nicht nur mutmassliche Vandalen und Rädelsführer. Laut Comedia traf es auch Journalisten der Schweizer Gewerkschaftszeitung "work" und der polnischen "Le monde diplomatique".

Der "Work"-Redaktor erklärte gegenüber der SDA, er habe am Marktplatz eine Verhaftung beobachtet und nach dem Grund gefragt. Darauf seien er und seine Freundin mit Kabelbindern gefesselt und festgenommen worden. Er habe einen Ausweis der Mediengewerkschaft hingehalten, doch den hätten die Polizisten gar nicht sehen wollen.

Ein Polizeisprecher sagte dazu, die Frage der Presseausweise sei "schwierig". Journalist sei in der Schweiz kein geschützter Beruf. Die Polizei will erst im Rahmen einer Beschwerde konkreter Stellung nehmen. Comedia schreibt von einem "skandalösen Angriff auf die Pressefreiheit". Die Gewerkschaft will sich gegen solche "polizeistaatlichen Methoden" mit allen Mitteln wehren. Der "Work"-Redaktor hat schon den Ombudsman eingeschaltet. (sda)