18 Nobelpreisträger haben ihre saudi-arabischen Wissenschaftskollegen aufgerufen, sich gegen die Auspeitschung eines Bloggers in ihrem Land zu stellen. In einem offenen Brief an die König-Abdullah-Universität (Kaust) heisst es, die "grausame Verurteilung" Raef Badawis zu 1000
Peitschenhieben habe "einen Schock um die ganze Welt" geschickt.
Durch die "schweren Einschränkungen" der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit drohe der Wissenschaftsszene Saudi-Arabiens die Isolierung.
Zu den Unterzeichnern des am Dienstag veröffentlichten Briefes gehören Chemiker, Physiker, Mediziner, aber auch der südafrikanische Literaturnobelpreisträger John Coetzee. Sollten sich einflussreiche Stimmen an der Kaust für das Recht auf Dissens aussprechen, dann "wird dies gehört", heisst es in ihrem Brief. Die Zeit in Saudi-Arabien sei reif für ein "neues Denken".
Badawi war wegen "Beleidigung des Islams" zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Der Grund: Er hatte auf seiner Internetseite "Liberal Saudi Network" die Religionspolizei immer wieder für ihre harte Durchsetzung der strengen Auslegung des Islams kritisiert.
Vor anderthalb Wochen musste Badawi auf einem Platz vor einer Moschee in Dschidda die ersten 50 Peitschenhiebe über sich ergehen lassen. Die restlichen 950 Peitschenhiebe sollen in 20 weiteren Etappen folgen.
Der Fall hat international für Empörung gesorgt. Neben Amnesty International haben auch die Schweiz, die EU-Kommission und die US-Regierung die Strafe scharf verurteilt. (sda)