Andreas Schaffner wird per 1. Februar 2012 Ressortleiter Wirtschaft der "Aargauer Zeitung". Der gebürtige Basler studierte Jus, absolvierte danach das Maz und schrieb anschliessend fürs "Cash". Seit 2007 arbeitet der 40-Jährige als Wirtschaftsreporter beim Schweizer Fernsehen für die Sendungen "Kassensturz", "Eco" und "10vo10". Andreas Schaffner erhielt 2009 den Ehrenpreis der Zeitschrift "Private" für einen Fernsehbericht über die Finanzkrise und den Zusammenbruch des Hedge Funds LTCM vor 10 Jahren. Über die neue Herausforderung spricht er mit persoenlich.com:
Andreas Schaffner, Sie wechseln vom Fernsehen zur Zeitung. Viele machen diesen Schritt umgekehrt. Ist "10v10"-Reporter nicht Ihr Traumjob?
Ich komme ursprünglich aus dem Print und mache heute Fernsehen. Beide Medien haben ihre Vor- und Nachteile und sind für mich gleichwertig und gleichberechtigt. Für mich sind beides Traumjobs.
Sie werden Wirtschaftschef der "Aargauer Zeitung". Wie sieht Ihre neue Aufgabe aus?
Das Ressort Wirtschaft hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Das liegt natürlich an der Wirtschafts- und Bankenkrise. Entsprechend gross ist heute auch das Leserinteresse an gut recherchierten Wirtschaftsgeschichten. Dem möchte ich gerecht werden. Ich werde stark auf Eigenrecherche setzen und meine drei Mitarbeiter, wo nötig, unterstützen.
Sie sprechen Ihr Team an. Ist es schon komplett?
Nein. Die vierte Person in meinem Team fehlt noch. Ich bin bereits am Rekrutieren und das ist im Moment sehr schwierig. Es gibt in der Schweiz viel zu wenige Wirtschaftsjournalisten und auch der Nachwuchs fehlt.
Warum ist das so?
Gut ausgebildete Wirtschaftsleute finden in Banken, Versicherungen und in der Industrie viel besser bezahlte Jobs. Zudem gibt es seit der Einstellung von "Cash" und "Facts" schlicht weniger Stellen, bei welchen ein Journalist sich profilieren kann, und das hält viele davon ab, eine entsprechende Laufbahn einzuschlagen. Auch haben es wirtschaftsaffine Studienabgänger schwierig, auf die Redaktionen zu kommen. Die "Handelszeitung" beispielsweise bot vor dem Relaunch vielen einen guten Einstieg in den Journalismus, sie konnten das Handwerk on the job lernen in einer Art geschützten Umgebung. Mit dem heutigen Profil können fast nur noch ausgewiesene Profis mithalten.
Sie nehmen zum ersten Mal eine Führungsfunktion ein. Was reizt Sie daran?
Es ist eine neue Situation und eine grosse Chance. Ich freue mich, mit einem kleinen, motivierten Team zusammenarbeiten zu dürfen. Interessant ist natürlich auch, dass ich Themen setzen kann und mich als Journalist noch stärker exponieren kann.
Wovor haben Sie Respekt?
Es ist wichtig, dass sich in einem kleineren Team ein gemeinsamer Geist Neudeutsch ja Team-Spirit genannt entwickelt, und dass es in einem gewissen Sinn harmoniert unter uns. Respekt habe ich auch vor der Aufgabe, gleichzeitig die regionalen News-Bedürfnisse abzudecken und auf der anderen Seite national wahrgenommen zu werden. Ich bin mir nicht so sicher, ob diese Bedürfnisse sich immer decken. Hier zähle ich auf die Erfahrungen aus anderen Ressorts.
Sie sind im Vorstand des Clubs Zürcher Wirtschaftsjournalisten. Wie profitieren Sie im neuen Job davon?
Der Club ist wichtig für den Austausch zwischen den CEOs und uns Wirtschaftsjournalisten. Wir bekommen Hintergrundinformationen und können unser Wissen weiter ausbauen. Davon kann ich sicher weiterhin profitieren.
Was machen Sie anders, als Ihre Kollegen in vergleichbaren Positionen?
Ich will nichts ankünden. Das ist schwierig. Zuerst will ich dafür sorgen, dass ich mithelfe, eine gute Zeitung mache.
Gibt es ein Thema, das Ihrer Meinung nach bisher zu kurz kam?
In den letzten Jahren war natürlich immer das Negative im Mittelpunkt. Daran wird sich in nächster Zukunft wahrscheinlich nicht viel ändern. Trotzdem werde ich versuchen, daneben auch immer wieder über Dinge zu schreiben, die gut laufen und Erfolg haben.
Andreas Schaffner löst bei der "Aargauer Zeitung" Marcel Speiser (39) ab. Dieser wechselt als Ressortleiter Unternehmen zur "Handelszeitung". Vorher war der studierte Historiker Wirtschaftsredaktor beim "Tages-Anzeiger" und beim "Blick." Wer bei "10v10" nachrückt, ist noch offen.