In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Schweizer Monat" unterhält sich Chefredaktor René Scheu mit Ex-Vize-Miss-Schweiz Xenia Tchoumitcheva ("Sie nannten sie Dagny"), die für das Heft auch als Kolumnistin amtet. Er entdeckt in der jungen Ökonomin eine selbsternannte Expertin in Philosophie, Poesie und Unternehmertum.
Herr Scheu, die Titelgeschichte Ihrer aktuellen Ausgabe schlägt hohe Wellen. Haben Sie damit gerechnet?
René Scheu: Hohe Wellen? Ich habe bloss unserer Kolumnistin Xenia Tchoumitcheva einige Fragen gestellt. Die Frau hat Mut sie outet sich als Kapitalistin in einer Zeit, in der sich die meisten Zeitgenossen in peinlicher Kapitalismuskritik überbieten. Und sie hat etwas zu sagen. Unsere Leser haben mich immer wieder auf die Kolumne angesprochen. Also habe ich mir gesagt: ich reiche diese Fragen weiter. Ist es so anstössig, wenn eine junge Frau schön, intelligent, belesen und dazu auch noch erfolgreich ist?
Bereits seit vergangenem März hat Ex-Vize-Miss Xenia Tchoumitcheva eine einseitige Kolumne in Ihrer Zeitschrift. Jetzt widmen Sie ihr die Titelgeschichte und lassen sie Themen wie Philosophie, Unternehmertum und Finanzmarkt umkreisen. Reine Quotentreiberei?
Die Frau hat eine Botschaft, und die wollten wir transportieren. Ich wundere mich, warum sich nicht längst alle Buchverlage auf Frau Tchoumitcheva als neue Werbeträgerin stürzen. Sie liest Bücher, und sogar ziemlich anspruchsvolle Wälzer ist das nicht sexy?
René Scheu, promovierter Philosoph, ist Herausgeber & Chefredaktor des "Schweizer Monat", der Autorenzeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur.
Oder anders gefragt: Wie reiht sich Tchoumitcheva in die Reihe der Namen ein, die sonst in ihrem Heft auftauchen wie Peter Sloterdijk, Hans Ulrich Obrist, Francis Fukuyama oder Harald Szeemann?
Niemand erwartet, dass Xenia Tchoumitcheva Peter Sloterdijk das Wasser reichen kann obwohl, ich bin ziemlich sicher, dass sich die beiden ziemlich gut über das grosse "Menschentreibhaus" (Sloterdijk) unterhalten könnten, in dem wir leben. Für externe Beobachter der Medienszene wirkt die Kolumne von Frau Tchoumitcheva offensichtlich wie eine inszenierte Provokation. Unsere Leserinnen und Leser sehen dies freilich anders. Ich habe überwiegend positive Rückmeldungen bekommen. Nur ein Student hat sich genervt.
Hat Tchoumitcheva einen Leistungsausweis in diesen Bereichen?
Wie wollen Sie hier Leistung messen? Frau Tchoumitcheva hat bisher meines Wissens kein philosophisches Opus magnum veröffentlicht. Aber sie hat eine interessante Geschichte zu erzählen. Ich würde es so formulieren: Die Leistung zeigt sich in dem, was sie zu sagen hat. Der mündige Leser zieht aus dem Gespräch, was ihn weiterbringt. Oder er blättert weiter und trifft auf andere gute Geschichten im "Schweizer Monat". Zum Beispiel auf einen Essay von Didier Sornette über Leistungssteigerung oder von Dieter Freiburghaus über die Schweiz als verfrühte Nation.
Auf klatschheftli.ch wird die Story von A bis Z zerrupft. Ihre persönliche Einschätzung: Wie gut kennt sich Frau Tchoumitcheva in diesen Bereich aus?
BJ. Hyatt hat das Gespräch ganz vorzüglich kommentiert. Ein Verriss? Von wegen. Man muss Frau Tchoumitcheva intellektuell schon ziemlich ernst nehmen, wenn man sich mit ihr auf Deutungsfragen der Werke von Friedrich Nietzsche und Ayn Rand einlässt. Ich habe dem Glossenschreiber zu seiner Spitzenleistung gratuliert!
Was bietet einem "Schweizer Monat" für den happigen Preis von 18.50 Fr. pro Ausgabe?
Inhalt, Inhalt, Inhalt. Qualität, Qualität, Qualität. Reflexion, Reflexion, Reflexion. Und das ganze in passender Aufmachung. Sagen wir es so: wir vertreten eine konsequente intellektuelle no-bullshit-Haltung. Die Leser honorieren das. Unser Abowachstum beträgt 2011 über 30 Prozent. Für 18.50 Fr. können Sie natürlich auch ins Kino gehen und sich einen Actionfilm reinziehen. Resultat? Oft haben Sie bloss zwei wertvolle Stunden verloren. Unser Anspruch ist simpler und schwieriger zugleich: der Leser soll nach der Lektüre reicher sein als zuvor.
Wie würden Sie den von Ihnen angepeilten Themenmix zusammenfassen?
Gute Ideen von guten Autoren. Norbert Bolz über Redefreiheit. Elisabeth Kopp über die offene Gesellschaft. Frank Schäffler über das EU-Trauerspiel. Dissidenten, originelle Denker, mutiger Unternehmer sie alle haben bei uns ein Forum.
Wen überhöhen Sie als nächstes?
Niemanden. Das ist nicht unser Ding. Aber wir haben einige gute Gespräche geplant, mit dem einen oder anderen Nobelpreisträger. Und mit einer Dame, die das Babyartikel-Geschäft in der Schweiz revolutionierte. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.
Interview: Adrian Schräder