Zankapfel Presseförderung spaltet Verband

Schweizer Presse - Der Konflikt um die Presseförderung wird für den Verband Schweizer Presse immer mehr zur Zerreissprobe: Präsidiumsmitglied Guido Blumer, Interessenvertreter der Kleinverlage, fordert die Einsetzung eines Co-Präsidiums neben Hanspeter Lebrument. Versagt ihm die Verbandsspitze am Donnerstag die Unterstützung, will Blumer vor einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung gar die Abwahl Lebruments beantragen. Lebrument selbst kündigte derweil gegenüber "persoenlich.com" Massnahmen zur Beruhigung der Situation an.

Das Präsidium des Verbands Schweizer Presse wird sich am Donnerstag zu einer gemeinsamen Sitzung an der Geschäftsstelle in Zürich-Örlikon einfinden. Die Traktanden werden dabei einigen Zündstoff bergen: Folgt das Präsidium Lebruments Linie, die einen Verzicht der Presseförderung und einem Wegfall der Treueprämien beinhaltet, droht Guido Blumer mit der Spaltung des Verbands. "Wir wollen nicht zuschauen, wie der eigene Präsident aus den eigenen Reihen die Mitgliedschafts- und Lokalpresse von der Medienlandkarte wegwischt", sagte Blumer am Dienstag gegenüber "persoenlich.com".

Blumer will nicht länger akzeptieren, dass die Verleger künftig bis zu sechs Mal mehr für die Transportkosten bezahlen müssen. Hinter ihm stehen Vertreter der KMU-Verlage, welche die Verbandspolitik Lebruments nicht länger mittragen wollen. Vielen sei nicht entgangen, so Blumer, dass Lebrument hinter dem Rücken des Präsidiums den Gesamtarbeitsvertrag abgeschossen, den Presserat aufs Schärfste angegriffen und im vergangenen Monat auch noch entgegen der Überzeugung der Mitglieder von Schweizer Presse den Verzicht der Presseförderung bekannt gegeben habe. Blumer wird an der kommenden Präsidiumssitzung die Einsetzung eines Co-Präsidiums durch eine Statutenänderung einfordern und im äussersten Fall mittels Einberufung einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung, die Abwahl Lebruments vorschlagen.

Wie gross die Unterstützung für Blumer im Verband Schweizer Presse ist, bleibt allerdings unklar. Blumer behauptet, dass die Stimmung noch nie so gereizt gewesen sei, wie in diesen Tagen. Er sieht sein Anliegen von einer beträchtlichen Anzahl Mitglieder des Verbands getragen. Lebrument selbst hält die Offensive des Verlegers des Stadtblatt Winterthur im Gegenzug nicht für mehr als eine Einzelaktion, hinter der wohl noch einige Sympathisanten stünden, wie er auf Anfrage von "persoenlich.com" mitteilte. Er glaubt nicht daran, dass es gegen seine Haltung zur Presseförderung eine grosse Opposition gibt. "Nebst Blumers Kritik habe ich lediglich von einem zweiten Verleger eine Reaktion erhalten.“

Der Verlegerpräsident verlieh gegenüber "persoenlich.com" noch einmal seiner Ablehnung gegen eine Subventionierung der Presse Ausdruck. Zu Blumers Vorschlag einer Einsetzung eines Co-Präsidiums äusserte er sich diplomatisch: "Jedes Mitglied hat das Recht eine Statutenänderung zu verlangen -- auch Herr Blumer". Dass er mit seiner Haltung eine Abwahl provozieren könnte, befürchtet Lebrument nicht, da die Statuten seiner Auffassung nach keine Abwahlmöglichkeiten vorsehen. Er widerspricht damit Blumer, der es sehr wohl für möglich hält, vor einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung die Abwahl Lebruments zu beantragen. Doch wie will der Verlegerpräsident dafür sorgen, dass sein Verband wieder zur Ruhe kommt? "Ich werde am Donnerstag einen entsprechenden Vorschlag machen." Dessen Inhalt mochte Lebrument gegenüber "persoenlich.com" nicht verraten. Er will ihn zuerst dem Präsidium darlegen.