Zum ersten Mal präsentiert das Landesmuseum Zürich sein umfangreiches Pressebildarchiv, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst. Die Ausstellung zeigt jüngere Schweizer Geschichte aus dem Blickwinkel der Pressefotografen und beleuchtet, wie sich die Pressefotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum aktuellen Bildjournalismus entwickelte.
Integriert in drei Original-Pavillons des Designers und Konstrukteurs Jean Prouvé aus den 1940er Jahren sind sorgfältig komponierte Fotografien zu entdecken - gezeigt werden politische Ereignisse, Episoden des Alltags, unvergessliche Augenblicke, Schnappschüsse von bekannten Persönlichkeiten und Porträts von Alltagshelden. Zu sehen ist weiter, wie die breitangelegten frühen Fotoreportagen vom "schnell geschossenen" Einzelbild abgelöst werden - zunächst noch in Schwarzweiss, dann in Farbe.
Holz- und Steintransport mit Booten auf dem Luganersee, 1940.
Landsgemeinde, Glarus, 4.5.1941.
Neue Methoden der Bildübertragung und Drucktechnik ermöglichen in immer grösserem Umfang brandaktuelle Bilder in der Tagespresse. Die illustrierte Wochenpresse verliert ab den 1960er Jahren ihre Bedeutung. In der Ausstellung wird zur Veranschaulichung eine analoge Bildagentur aus den 40er-Jahren einer digitalen aktuellen Bildagentur gegenübergestellt.
Walter Diggelmann repariert einen Reifen an der Tour de Suisse, 1950.
Im Jahr 2006 nimmt das Schweizerische Nationalmuseum die Pressebildagenturen "Presse Diffusion Lausanne" (PDL) und "Actualité Suisse Lausanne" (ASL) in seine Bestände auf. Die beiden Archive umfassen zusammen Millionen von Negativen, Papierabzügen und Diapositiven aus der Zeit zwischen 1940 (Gründung Agentur PDL) und 2000 (Schliessung Agentur ASL).
Jakob "Köbi" Kuhn, ehemaliger Schweizer Fussballer und Nationaltrainer, um 1976.
Denise Biellmann, erfolgreichste Schweizer Eiskunstläuferin, um 1980.
Da der Schwerpunkt der Fotosammlung des Schweizerischen Nationalmuseums bislang auf der privaten Fotografie lag, wird mit diesen Beständen die eigene Sammlung in idealer Weise ergänzt. Bei der Erschliessung der Archive zeigte sich bald, dass in den Bildbeständen zahlreiche Schätze zu finden sind. Die Vielfalt, Bandbreite und ästhetische Qualität des Fotomaterials sind bemerkenswert und aussergewöhnlich. Ausserdem öffnet sich mit dem neuen Sammlungsbestand eine wertvolle und grossartige Bildquelle für die Forschungstätigkeit des Schweizerischen Nationalmuseums. Zu der Ausstellung ist auch eine 92-seitige Publikation mit insgesamt 146 Bildern erhältlich.
Bilder: © Schweizerisches Nationalmuseum