Zeitschriften verlieren auch bei Reichweite

Deutschland - Programmzeitschriften werden am meisten genutzt.

Die deutschen Zeitschriften büssen nun auch leicht an Reichweite ein. Nachdem sich die Rückgänge in der kriselnden Printbranche bisher zumeist auf Auflage und Anzeigenseiten beschränkt hatten, zeigt sich nun auch bei der Nutzung ein Trend ins Minus. Wie aktuellen Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (ag.ma) zeigen, ist die Gesamtreichweite der Zeitschriften im Vergleich zur vorhergehenden Erhebung um 0,62 Prozent gesunken.

60,3 Mio. Deutsche ab 14 Jahren nutzen aktuell Zeitschriften. Laut ag.ma angesichts der durch die Wirtschaftskrise bedingten Kaufzurückhaltung ein nur sehr geringer Abfall der Reichweite. Dennoch wird eingeräumt, dass die Zahl der Titel, die Reichweitenverluste zu verschmerzen haben, klar überwiegt.

Dass die Reichweiten bisher stabil blieben und nun zwar ein Minus aufweisen, dieses jedoch weitaus geringer ist als die Auflagen-Rückgänge, ist für Michael Walter, Vorstand Zeitschriften der ag.ma, keine Überraschung. "Die Menschen lesen nicht automatisch weniger Zeitschriften, nur weil sie weniger Ausgaben kaufen." Da die Titel verstärkt weitergereicht oder beim Friseur und im Café gelesen werden, sinken die Reichweiten-Leistungswerte nach Meinung von Walter mit Verzögerung und in deutlich geringerem Umfang als die Auflagen. Insgesamt lesen 93 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren die von der ag.ma erfassten 162 Zeitschriftentitel. Pro Person bedeutet das im Durchschnitt 3,68 Titel.

Wenngleich das Minus bei der Reichweite keinen Anlass zur Freude gibt, sieht es im Vergleich zum Anzeigengeschäft der Zeitschriften noch deutlich besser aus. Das Anzeigenvolumen ging 2009 um 16,4 Prozent zurück. "Die Zeitschriftenverlage blicken auf ein insgesamt sehr schwieriges Anzeigenjahr zurück, das deutliche Spuren von Kürzungen bei den Werbeausgaben vieler Unternehmen aufweist", heisst es vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger gegenüber pressetext. Auch die Erwartungen an das neue Jahr sind nur vorsichtig positiv.

Die meistgenutzte Zeitschriftengattung ist derzeit das Segment der Programmzeitschriften (61,5 Prozent Reichweite). Darauf folgen aktuelle Magazine zum Zeitgeschehen mit 47,6 Prozent sowie die Motorpresse mit 33 Prozent und Supplements mit 31,6 Prozent. (pte)