"Wo versteckt sich der feige Killer-Kapitän?" titelte das Boulevardblatt "Blick" und schreibt für Hinweise auf den flüchtigen Bootsfahrer, der am Wochenende auf dem Bielersee eine Frau totfuhr, eine Belohnung von 20'000 Franken aus. Damit mache sich das Blatt boulevardjournalistisch konsequent zum Anwalt der jungen Opfer, schreibt nun am Freitag der Tagesanzeiger. Motiviert der "Blick" mit der Belohnung die Bürger dazu, sich als Freizeitpolizisten zu betätigen, fragt der Autor Jean-Martin Büttner. Dies verneint "Blick"-Chefredaktor Clemens Studer. "Wir nehmen ja keine Hinweise entgegen, sondern die Kantonspolizei", sagt er gegenüber dem "Tagi". Er räumt aber ein, dass es sich um die höchste Belohnung handelt, welche seine Zeitung je ausgeschrieben habe.
Für den emeritierten Medienprofessor Roger Blum handelt es sich jedoch um eine gefährliche Entwicklung. Mit dem Aufruf nehme der "Blick" die Gefahr einer Volksjustiz in Kauf. Es müsse aber Sache der Polizei bleiben, die Bevölkerung an der Fahndung zu beteiligen und entsprechende Hinweise zu belohnen. "Das ist eine klare Rollenvermischung, die auch einem Boulevardmedium nicht zusteht", so Blum.