Die Neuaufstellung zielt darauf ab, mit reduzierten finanziellen Mitteln weiterhin qualitativ hochstehendes Programm in allen vier Landessprachen anzubieten und dabei digitaler, schlanker und beweglicher zu werden.
«Die SRG bleibt schweizweit verankert. Die Präsenz in den Regionen und die Nähe zum Publikum bleiben zentral. Wir rücken aber näher zusammen, um mit weniger Geld weiterhin ein starkes Programm zu machen», wird SRG-Generaldirektorin Susanne Wille in der Medienmitteilung zitiert. Man werde bei den Strukturen und Prozessen sparen, um den Journalismus möglichst gut zu schützen.
Weniger Ertrag aus Abgabe und Werbung
Der Sparauftrag resultiert aus der geplanten Senkung der Medienabgabe von 335 auf 300 Franken sowie dem anhaltenden Rückgang der Werbeeinnahmen um über 160 Millionen Franken in den letzten zehn Jahren.
Ab Anfang 2027 muss die SRG 215 Millionen Franken einsparen. Diese Summe könne nicht wie bisher auf die regionalen Unternehmen SRF, RTR, RTS und RSI verteilt werden, teilt die SRG mit. Neben der reduzierten Medienabgabe und den sinkenden kommerziellen Einnahmen verstärkt zusätzlich auch die laufende Teuerung den Spardruck.
HR, Finanzen und Technologie für die gesamte Schweiz
Das von Generaldirektorin Susanne Wille angestossene Transformationsprojekt «Enavant SRG SSR» führt zu einer konzernweiten Neuorganisation. Die bisher dezentralen Funktionsbereiche HR, Finanzen und Technologie werden künftig SRG-weit gemeinsam geführt. Jede Sprachregion verfügte zuvor über eigene Bereiche dieser Funktionen, was zu komplexen Strukturen und erschwerter Koordination führte.
Auch die Produktion wird gebündelt und unter einheitlicher Führung organisiert, während die Arbeitsplätze in den Regionen verbleiben. Einheitliche Standards für Produktionsplanung und Erfolgsmessung sollen die Steuerbarkeit des Unternehmens verbessern.
Fiktion und Sport werden übergeordnet auf SRG-Ebene koordiniert, aber weiterhin mit sprachregionalen Fachteams umgesetzt. Bei Sportinhalten besteht bereits intensive Zusammenarbeit zwischen den Regionen, insbesondere bei Rechten und Grossprojekten. Die Koordination von Eigenproduktionen wie Serien soll optimiert werden.
Berichterstattung weiterhin aus sprachregionaler Perspektive
Die regionale Verankerung bleibt bestehen. Die Unternehmenseinheiten entwickeln weiterhin das Angebot in den Bereichen Information, Unterhaltung und Musik, Gesellschaft und Kultur sowie Wissen und Bildung aus sprachregionaler Perspektive. Sie verantworten auch die regionale Distribution über Fernseh- und Radiokanäle sowie digitale Anwendungen.
Die SRG richtet ihre Strategie stärker an der digitalen Mediennutzung aus, da bereits über die Hälfte des Medienkonsums digital erfolgt. Die eigenen digitalen Plattformen werden gestärkt und schweizweit koordiniert gesteuert. Bisher nutzen nur drei bis fünf Prozent der SRG-Inhalte mehr als eine Unternehmenseinheit.
Swiss TXT wird durch die Zusammenführung der Technologie in die Konzernorganisation aufgenommen. Die bisherige Tochtergesellschaft wird aufgelöst. Swissinfo soll enger mit anderen Unternehmenseinheiten zusammenarbeiten, wobei die konkrete Positionierung vom politischen Prozess zur Finanzierung des Auslandmandats abhängt.
Die Umsetzung beginnt schrittweise Anfang 2026. Auswirkungen auf Mitarbeitende sind unvermeidlich, sollen aber sozialverträglich gestaltet werden. Eine genaue Einschätzung der Anzahl betroffener Mitarbeitender steht noch aus.
Unabhängig von «Enavant» sind bereits 2026 kurzfristige Sparmassnahmen aufgrund sinkender kommerzieller Einnahmen und nicht vollständig ausgeglichener Teuerung erforderlich. (pd/nil)