11.04.2007

Zürcher Privatsender ohne Gebührensplitting

Privatsender der Agglomeration Zürich sollen keine Gebührengelder erhalten. Das UVEK hält den Raum Zürich für kommerziell attraktiv genug, damit das Regionalfernsehen auch ohne finanzielle Unterstützung auskommen kann, wie es in seinem zweiten Entwurf zu den TV-Versorgungsgebieten festhält. Während der Vorschlag beim Medienkonzern Tamedia Kopfschütteln auslöst, wird die Neufassung der Senderäume dagegen in der Ostschweiz mit Erleichterung aufgenommen.
Zürcher Privatsender ohne Gebührensplitting

Der neue Entwurf des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), der die Zuteilung der Konzessionsgebiete regelt, krempelt die regionale TV-Landschaft in den Gebieten Zürich und Ostschweiz noch einmal von Grund auf um. Usprünglich hatten die Behörden vorgesehen, dass der Raum Zürich mit seinem Gebührenanteil die Programmfenster für Schaffhausen und Glarus finanzieren sollte. In der Ostschweiz war ein einheitliches Versorgungsgebiet von Winterthur bis zum St. Galler Rheintal vorgesehen.

Nun kommt alles ganz anders: Das Bakom sieht eine Ausscheidung eines Gebietes "Ostschweiz" vor, das die Kantone St. Gallen, Appenzell und die Thurgauer Bezirke Arbon und Bischofszell umfasst. Die Kantone Schaffhausen und Thurgau sowie die angrenzende Gebiete -- die Zürcher Bezirke Bülach, Andelfingen, Winterthur, Pfäffikon, Uster und Hinwil sowie der St. Galler Wahlkreis Wil -- sind dagegen im Gebiet "Nordostschweiz" zusammengefasst. Für die Versorgung des grössten Teils des Kantons Zürich sieht der neue Vorschlag dagegen keine Gebührenunterstützung mehr vor.

Zweiteilung des Kantons Zürich

Bei der Tamedia stösst die neu gefasste Aufteilung der Senderäume auf Unverständnis: "Dass das UVEK eine zweite Anhörung zu den Konzessionsgebieten eröffnet, weist unserer Auffassung nach auf eine gewisse Konzeptlosigkeit des UVEK hin", sagt Andreas Meili, Leiter elektronische Medien der Tamedia gegenüber "persoenlich.com". Ihn stört nicht in erster Linie, dass dem Sender Tele Züri damit keine Gebühren zufliessen sollen -- bereits der erste Vorschlag des UVEK sah vor, dass der Zürcher Veranstalter bloss für die Produktion der Fenster für Schaffhausen und Glarus Gebühren erhält.

Meili ärgert vielmehr, dass das UVEK seiner Ansicht nach bei den Veranstaltern nicht gleich lange Spiesse ansetzt: "Es findet eine Verzerrung des Wettbewerbs statt, wenn der Veranstalter des Versorgungsgebiets 'Nordostschweiz' Gebühren für die neu dazukommenden Bezirke im Kanton Zürich erhält, der Veranstalter des Gebiets Zürich dagegen leer ausgeht." Hinzu kommt laut Meili: "In politischer Hinsicht halten wir den Vorschlag des UVEK nicht für sinnvoll, da er zu einer Zweiteilung des Kantons Zürich führt." Ihm bleibt nicht viel Zeit, bei den Behörden seine Sichtweise darzulegen. Die Anhörung zum neuen Entwurf dauert bloss bis zum 25. April.

Tele Top will zwei Konzessionsgesuche einreichen

In der Ostschweiz wird die überraschende Wende bei der Aufteilung der Versorgungsgebiete dagegen mit Erleichterung aufgenommen. "Wir glauben, dass man beim Bakom erkannt hat, dass die Ostschweiz zu gross ist für bloss ein Versorgungsgebiet", erklärt André Moesch, Leiter E-Medien von Tele Ostschweiz gegenüber "persoenlich.com". Im neuen Entwurf wird nun korrigiert, was Moesch am ersten Entwurf bemängelt hatte: Statt auf mehrere richtet sich das neue Versorgungsgebiet "Ostschweiz" allein auf das Zentrum St.Gallen aus. Es entspricht überdies weitgehend dem Sendegebiet von Tele Ostschweiz. "So können wir unsere TV-Zuschauer sinnvoll versorgen", freut sich Moesch. Er hofft, dass das Bakom an seinem zweiten Vorschlag festhält.

Ebenfalls ist die neue Gebietsaufteilung ganz im Sinne von Günter Heuberger, Chef des Winterthurer Regionalsenders Tele Top. Heuberger hält die Erweiterung des Versorgungsgebiets "Nordostschweiz" um die Bezirke Bülach und Uster sowie den Kanton Schaffhausen für vorteilhaft. Dass sein Sender das Gebiet St. Gallen verlassen muss, mag auf den ersten Blick ein Nachteil für Tele Top sein. Zugleich aber bietet ihm die Neufassung der Senderäume die Chance, sich auch um die Gebührengelder des Versorgungsgebiets "Ostschweiz" zu bewerben. "Es ist durchaus möglich, dass wir für beide Versorgungsgebiete ein Konzessionsgesuch einreichen werden", so Heuberger gegenüber "persoenlich.com". Er rechnet sich reele Chancen aus, den Leistungsauftrag für beide Konzessionsgebiete zu erhalten.


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