Zürich erhält ein neues, böses Satiremagazin

- Am 1. Oktober wird in einer Auflage von 10'000 Exemplaren das neue Satiremagazin "Hauptstadt" erscheinen. Das "sehr, sehr böse" Magazin wird nicht nur Polit-Satiren bringen, sondern auch Themen aus den Bereichen People, Unterhaltung und Lifestyle berühren. Der "Hauptstadt"-Initiant und noch-Blick-Journalist Reda Philippe El Arbi arbeitet mit rund 30 News-Journalisten, Bloggern, Textern, Comedians und anderen schrägen Vögeln zusammen. Der Bericht:

"Unser Satiremagazin wird sehr, sehr böse sein und urbane, flexible Leute ansprechen", verrät der Initiant der "Hauptstadt", Reda Philippe El Arbi, gegenüber "persoenlich.com". Die Idee für das neuste Schweizer Medienbaby kam El Arbi, weil er als Journalist und Leser von den Schweizer Printmedien gelangweilt ist: "Es gibt kein Schweizer Magazin, für das ich schreiben will. Keines, das geistig beweglich und unabhängig genug ist. Und es gibt kein Magazin, von dem ich jede Ausgabe unbedingt lesen muss." Also dachte sich der Zürcher: "Mach ich halt was, das ich selbst gern lesen würde." Die "Hauptstadt" sei als Magazin geplant, "mit dem die Leute eine halbe Stunde auf dem Klo verbringen, wenn es da aufliegt."

So etwas wie die "Hauptstadt" gibt es laut dem Macher bisher noch nirgends. "Die Bösartigkeit liegt wohl in der Nähe vom "Titanic", aber wir arbeiten grundsätzlich auch mit Selbstironie, wie wohl schon der leicht provokante Titel erkennen lässt." Auch der Blattaufbau sei ganz anders, wobei El Arbi viel bei seiner Arbeit für den "Blick am Abend" gelernt habe.

Zürich brauche ein Satire-Magazin. "Humor ist ein Werkzeug des gesellschaftlichen Fortschritts und eine Waffe gegen alles zwanghaft Autoritäre. Wer nicht über sich lachen kann, nimmt sich selbst zu wichtig und misst allem anderen einen minderen Wert zu", so der Initiant. "Wir wollen unterhalten, belehren lassen können sich die Leser von der Tagespresse. Zürich kann ein gutes Stück Selbstironie vertragen." Vorerst wird das neue Satiremagazin in Zürich und der Agglomeration erhältlich sein und dies zehn Mal im Jahr. Das Heft wird 5 Franken kosten, ein Abo für zehn Ausgaben wird man für vierzig Franken erhalten. Die Erstausgabe am 1. Oktober 2010 erscheint in einem 32-Seitenumfang.

"Wir werden nicht mehr als 1/5 Werbung haben", so der 40-jährige Initiant und Chefredaktor. Den Verlagsteil organisiert Chara Frangos, die bei der Bilanz als Projektleiterin tätig war. Wie El Arbi das Heft von Beginn weg finanziert, will er nicht verraten. Das Satiremagazin wird nur in Printform herausgegeben. "Ein Medienprofi eines grossen Verlages prophezeite, iPad sei die Zukunft des Printjournalismus. Ich glaube, Print ist die Zukunft des Printjournalismus", begründet El Arbi seine Entscheidung gegen eine Online-Ausgabe. Einen Internetauftritt hat das Magazin trotzdem. Seit Montag ist die Site www.hauptstadt-magazin.ch.

Die "Hauptstadt" wird von Reda Philippe El Arbi mit wenigen festen und ganz viel freien Mitarbeitern regiert. Zurzeit sind bereits etwa 30 Leute für das Magazin tätig. Alle gehen im Moment noch ihren "normalen" Jobs nach. "Wir haben einen bunten Mix aus News-Journalisten, Autoren, Textern, Bloggern, Comedians und sogar Musikern dabei." Das Magazin lebe in erster Linie von den Persönlichkeiten, die mitarbeiten würden.

Darunter seien ganz neue und einige altbekannte Namen. Sogleich beginnt der Chefredaktor Name-Dropping zu betreiben: "Ich will ja nicht angeben, aber ich tus trotzdem: Thomas Meyer (Autor "Federhure" und Werber), Jann Preuss (Drehbuch "Barfuss" für Till Schweiger), Domenico Blass (Autor Giacobbo/Müller), Midi Gottet (Autor/Comedian), Helmi Sigg (Künstler/Comedian), Stefan Büsser (Moderator/Comedian), Art Ringger (Künstler/Grafiker), Ian Marsden (Cartoonist/Grafiker), Michèle Binswanger (Mama-Blog beim "Tages Anzeiger"), Ian Constable (Musiker), Jürg Zentner (Multitalent) und viele mehr." Im People/Unterhaltungsbereich wird "Hauptstadt" vom Team von Klatschheftli.ch unterstützt.

Wer muss sich vor dem neuen Satiremagazin fürchten? El Arbi zögert nicht lange mit seiner Antwort: „Also, alle müssen uns fürchten. Alle. Politisch sind wir unabhängig, jeder kriegt seinen Teil ab, egal aus welcher Ecke.“ Medientechnisch sei das Heft für niemanden eine Konkurrenz, ausser für die Printprodukte, die bereits jetzt unfreiwillig Satire machten. Man verstehe sich als Ergänzung für alle.

Reda Philippe El Arbi ist zurzeit noch bei der Blick-Gruppe tätig. Der Journalist hat im Hause Ringier bei der „Blick am Abend“-Vorgängerin "heute" unter Daniel Steil und Bernhard Weissberg begonnen. Zuerst für die Digital-Seite, dann hat El Arbi mitgeholfen "heute-online" und die "heute community" (jetzt Blick-Community) aufzubauen. Danach war er beim "Blick am Abend" verantwortlicher Redaktor für die Region Zürich. Schon länger ist der "Hauptstadt"-Initiant aber auch Blogger mit undurchsichtigem Hintergrund auf "Redders Welt" http://redders.wordpress.com/.

(Text: Mark Baer)