Das Ausgangsmagazin "züritipp" des Tages- Anzeigers ist am Donnerstag in einer Form erschienen, wie es zuvor noch nie gedruckt wurde. Auf der Titelseite warb die SP mit einem ganzseitigen Inserat für ihren Stadtpräsidenten.
Dass Zürichs Stadtpräsident Elmar Ledergerber auf der Titelseite des "züritipps" prangt, wäre an sich noch nichts Besonderes. Dass sein Foto aber Teil eines nicht speziell gekennzeichneten Inserats ist, ist ein Novum. Noch nie zuvor ist die ganze Titelseite des "züritipps" an einen Inserenten verkauft worden.
Nebst der Titelseite sind auch auf der Seite zwei und den beiden letzten Seiten des "züritipps" ganzseitige Inserate für die Stadtratskandidaten der SP zu finden.
Bisher ist die Ummantelung von Printmedien allenfalls für Werbung von Konsumgütern oder Hilfsorganisationen verkauft worden. So etwa bei der Pendlerzeitung 20 Minuten, die wie der "züritipp" von der Tamedia herausgegeben wird.
Die Vermischung von Werbung und redaktionellem Inhalt gilt allerdings als heikel. So bezeichnete der Presserat im September an einer Medienkonferenz die Trennung von redaktionellen und kommerziellen Inhalten als eines der medienethisch brisantesten Themen.
Guido Blumer, Vorsitzender des Departements Ethik des Verbands Schweizer Presse, sprach auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA von "hochproblematischen Inseraten". Mit ganzseitigen Inseraten auf der Titelseite würden Printmedien den für sie wichtigsten Platz preisgeben. "Langfristig leidet dadurch die Glaubwürdigkeit aller Printmedien", sagte Blumer.
Neue, innovative Werbeform
Bei tamedia, der Herausgeberin des "züritipps", ist man sich dieser Problematik nicht bewusst. "Der Inserateumschlag ist eine innovative Werbeform, die wir unseren Kunden anbieten", sagte Eta Pavlovic, stellvertretende Kommunikationsleiterin von Tamedia.