Am Dienstagmorgen wurde kommuniziert, dass Karsten Witzmann seinen Posten als "SonntagsBlick"-Chefredaktor Ende November räumt. Neu übernimmt Rolf Cavalli. Ringier-Kommunikationschef Edi Estermann äussert sich im Interview zum Wechsel.
Herr Estermann, vor kurzem hiess es bei Ringier noch, die Herr Witzmann stehe nicht zur Diskussion, nun verlässt er das Haus sehr kurzfristig. Was ist da passiert?
Karsten Witzmann trug sich schon länger mit dem Gedanken, sich neu zu orientieren. Die Pläne sind nun sehr rasch sehr viel konkreter geworden.
War die Verlagsleitung nicht mehr zufrieden mit dem Produkt?
Nein, dem ist nicht so. Der "SonntagsBlick" ist ein ganz hervorragend gemachtes Produkt und mit einer Leserschaft von 805'000 noch immer die meistgelesene Sonntagszeitung der Schweiz.
Gab es Probleme mit Herrn Witzmanns Führungsstil?
Charismatische und eigenwillige Chefredaktoren ecken immer auch an dies spielte bei Karsten Witzmanns Entscheid für eine Neuorientierung aber keine Rolle.
Herr Witzmann hatte in der Öffentlichkeit kein Gesicht. Er war nicht Teil der öffentlichen Diskussion, wie etwa Roger Köppel oder Patrik Müller. Ausserdem weilte er oft im Ausland. Ist das von Seiten des Verlages bemängelt worden?
Chefredaktoren geniessen bei Ringier eine grosse Eigenständigkeit. Ob sich jemand mehr oder weniger im öffentlichen, medialen Geschehen engagieren möchte, oder eben nicht, ist weitgehend seine eigene Entscheidung. Karsten Witzmann hat in seiner Zeit bei Ringier 75 Ferientage angehäuft.
Rolf Cavalli übernimmt nun interimistisch. Hat er mit all seinen Aufgaben nicht schon genug am Hals?
Rolf Cavalli wird sich als neuer, interimistischer Chefredaktor des "SonntagsBlick" weitgehend aus dem operativen Geschäft seiner bisherigen Tätigkeit als Chefredaktor von Blick.ch herausnehmen. Er kann hier mit Marcel Zulauf auf einen starken Stellvertreter bauen.
Besteht die Möglichkeit, dass Herr Cavalli ähnlich wie damals Ralph Grosse-Bley beim "Blick" schlussendlich permanent die Leitung übernehmen wird? Wenn ja: Wie lange hat er Zeit sich zu beweisen?
Diese Möglichkeit besteht natürlich, ja. Rolf Cavalli arbeitet bereits seit 1997 in verschiedenen Funktionen bei Ringier und kennt das Unternehmen sehr gut. Wir haben uns für die interimistische Leitung des SonntagsBlick keinen Zeithorizont gesetzt.
Der Sonntag ist zum medialen Kampfgebiet geworden. Wanner und sein "Sonntag" machen Druck. Jetzt darf man keine Schwäche zeigen. Was muss der Nachfolger von Herrn Witzmann an Qualitäten mitbringen?
Der Chefredaktor des "SonntagsBlick" muss ein hervorragender Journalist, Blattmacher und Team-Leiter sein. Wie jeder Chefredaktor. Einer, mit einem guten Gespür für die Eigenheiten der Sonntagspresse.
Wo wird nun nach einem Nachfolger gesucht?
Wir suchen aktuell keinen Nachfolger, werden uns erst in den nächsten Wochen und Monaten grundsätzlich Gedanken zur Neubesetzung machen.
Interview: Adrian Schräder