Zuvo will Zustellung verhindern

Südostschweiz am Sonntag - Zeitungskrieg in der Südostschweiz: Die Zustell- und Vertriebsorganisation (Zuvo), die der Tamedia und der NZZ gehört, will mit einer superprovisorische Verfügung verhindern, dass die Südostschweiz am Sonntag ausgeliefert wird. Hintergrund ist ein Preiskonflikt zwischen Verleger Hanspeter Lebrument und der Zuvo. "Die Zeitung wird so oder so erscheinen", erklärt Lebrument. Nur ein Grossaufgebot an Polizisten könne die Zustellung verhindern.

Die Südostschweiz soll am nächsten Sonntag erstmals mit einer siebten Ausgabe erscheinen. Die Zuvo will dies aber verhindern und hat ein Gesuch um eine superprovisorische Verfügung eingereicht. Das Gesuch bezieht sich auf einen Vertrag zwischen der Vertriebsorganisation der Südostschweiz und der Zuvo, das ein Unternehmen der Neuen Zürcher Zeitung und des Medienhauses Tamedia ist.

Durch die neue Sonntagsausgabe der Südostschweiz wird die Verteilmenge der Titel grösser, was nach Zuvo eine neue Preisfestsetzung erfordert. "Es muss geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen, die Südostschweiz am Sonntag ausgetragen wird", erklärt Christophe Wahl, Geschäftsführer der Zuvo, auf Anfrage von "persoenlich.com".

"Unser Ziel ist nicht, die Südostschweiz am Sonntag zu verhindern. Wir wollen lediglich signalisieren, dass die Verhandlungen um eine neue Preisfestsetzung geführt werden müssen", so Wahl. Man habe Lebrument einen Vorschlag unterbreitet, der aus Sicht der Zuvo für beide Seiten optimal wäre. "Da Lebrument uns keinen Bescheid gegeben hat, haben wir zum Mittel der superprovisorischen Verfügung gegriffen."

"Südostschweiz"-Verleger Hanspeter Lebrument berichtete an einer Medienkonferenz in Zürich über die superprovisorische Verfügung. Er konnte aber auch keine klärende Stellungnahme abgeben, da er erst kurz vor der Medienkonferenz davon erfahren habe.

Lebrument zeigte sich aber unbeeindruckt: "Die Zeitung wird so oder so erscheinen". Nur ein Grossaufgebot an Polizisten könne die Zustellung der "Südostschweiz am Sonntag" verhindern. Lebrument wollte an der Medienkonferenz eigentlich für die "Südostschweiz am Sonntag" werben.

Entwicklung macht Sonntagsausgabe zum Muss

Am 7. Mai erscheint die "Südostschweiz" in Graubünden, Glarus und in der Region Gaster und See (St. Gallen) als siebte Ausgabe. An einer Pressekonferenz in Zürich legten am Mittwoch Verleger Hanspeter Lebrument, Direktor und Chefredaktor Andrea Masüger sowie die Geschäftsführerin der Anzeigenfirma Südostschweiz Publicitas AG, Susanne Lebrument, die Argumente dar, die zu diesem verlegerischen Schritt geführt haben.

Lebrument bezeichnete die "Südostschweiz" mit der Sonntagsausgabe als "die erste komplette Tageszeitung der Schweiz im neuen Jahrtausend". Masüger meinte, es sei ein Anachronismus, dass in Zeiten des Internets bisher in der Schweiz am Sonntag keine Tageszeitung erhältlich gewesen sei.

Gemäss Lebrument machte die Entwicklung im Anzeigen- wie im Lesermarkt den Schritt zu einer Sonntagsausgabe zu einem Muss. Das Inserieren am Sonntag sei attraktiv, wie der Erfolg der drei Deutschschweizer Sonntagszeitungen zeige. Lebrument bezeichnete die SOSo als Zeitung mit Wachstumspotenzial. Die Startauflage beträgt 50’000 Exemplare. Bis 2007 soll die Auflage auf 70 000 ausgebaut werden, indem die Zustellorganisation ausgebaut wird.

Eine angereicherte Werktagsausgabe

Publizistisch wird die SOSo an die Werktausgausgabe angelehnt; sowohl das Erscheinungsbild wie der Blattaufbau sind identisch, wie Masüger erläuterte. Fristgerecht auf die Lancierung der SOSo wurde diese Woche auch das Layout erneuert, die "Südostschweiz" erscheint seit Dienstag, 2. Mai als grafisch völlig überarbeitete Zwei-Bund-Zeitung.

Bei der SOSo trägt man zusätzlich der Tatsache Rechung, dass der Sonntag ein ausgesprochener Lesetag ist. Deshalb wird das Angebot auf drei Ebenen ergänzt: Zusätzliche Meinungselemente wie Kolumnen von Gastautoren sind vorgesehen, ausserdem sollen Hintergrund-Elemente wie Spezial-seiten, Reportagen und ein prominentes Sonntagsinterview das Angebot ergänzen. Ab Herbst erscheint zudem eine Lifestyle-Beilage im Tabloidformat, welche dem Bedürfnis nach zusätzlichem lockerem Lesestoff am Sonntag entgegenkommt.

Behaupten gegen die Grossverlage

Gemäss Hanspeter Lebrument zeugt die Lancierung der Sonntagsausgabe auch vom Selbsterhaltungswillen der Südostschweiz Mediengruppe. Die beiden Grossverlage NZZ und Tamedia seien daran, die Schweiz verlegerisch unter sich aufzuteilen. Die NZZ-Gruppe verfolge zusammem mit der Publigroup (Publicitas) die Strategie, die Schweiz in elf grosse Mediengebiete einzuteilen, über die sie die Kontrolle erlangen wollten.