Zwei Schweizer Experten in der Jury

Media Forward Fund - Journalist Yves Daccord und NZZ-Verwaltungsratmitglied Lucy Kueng sind Teil des fünfköpfigen Entscheidungsgremiums. Dazu gehören auch Maria Exner, Evelyn Hemmer und Eva Schulz.

Der im Sommer gegründete Media Forward Fund zur Stärkung des gemeinwohlorientierten Journalismus und der Demokratie beruft fünf Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in seine Jury, teilt er am Dienstag mit. Neben Yves Daccord und Lucy Kueng sitzen auch Publix-Intendantin Maria Exner, Innovationsmanagerin Evelyn Hemmer und Politikjournalistin Eva Schulz im Gremium.

Die unabhängigen Jurymitglieder sind für zwei Jahre bestellt. Sie entscheiden in je drei Calls pro Jahr nach klaren Vergabekriterien, welche Medien vom Fund gefördert werden.

Die erste Jurysitzung, an der auch alle Finalistinnen und Finalisten aus der ersten Förderrunde persönlich teilnehmen, findet Ende November 2024 in Berlin statt. Die ersten Fördermittel sollen noch in diesem Jahr fliessen, um innovative Geschäftsmodelle im Journalismus zu unterstützen.

Das sind die Jurorinnen und Juroren

Yves Daccord, Schweizer Journalist und Fernsehproduzent, ehemaliger Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, internationaler Stratege im Non-Profit-Bereich, Influencer und Changemaker. Yves Daccord gründete und leitet das Edgelands Institute, das erste Pop-Up-Institut der Harvard University. Der ausgebildete Journalist war bis vor kurzem Vorsitzender des Verwaltungsrats jener Mediengruppe, zu der die führende Lokalzeitung Le Temps in der Romandie und das neu geschaffene lokale Digitalmedium Heidi.News gehören.

Maria Exner leitet als Intendantin Publix, das neue Haus für Journalismus & Öffentlichkeit in Berlin, das vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Die gebürtige Dresdnerin war zuvor Co-Chefredakteurin des ZEIT-Magazins und Stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online, wo sie unter anderem journalistische Dialogformate wie «Deutschland spricht» entwickelt hat.

Lucy Kueng, Professorin und Senior Visiting Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford University und Verwaltungsratsmitglied der Neuen Zürcher Zeitung. Zuvor war sie im Verwaltungsrat der SRG tätig. Als Expertin für Strategie, Innovation und Führung berät sie führende Medienhäuser bei Strategie und Umsetzung der digitalen Transformation, darunter BBC, CNN, NPR, NRK, SVT und Schibsted.

Evelyn Hemmer, Innovationsmanagerin mit langjähriger Erfahrung in der Medienförderung. Derzeit setzt sie als Chief Operating Officer ihre Erfahrungen im Start-Up Hashtag Media ein, das innovativen Digitaljournalismus vorrangig auf Social Mediaproduziert. Zuvor hat die Österreicherin seit deren Gründung die Wiener Medieninitiative der Wirtschaftsagentur der Stadt Wien aufgebaut und dort mehr als 200 Mediengründungen und -projekte begleitet.

Eva Schulz, Politikjournalistin mit umfangreicher Erfahrung im Bereich Bewegtbild- und Audiojournalismus, Gründerin des Videoformats «Deutschland3000». Ihr Podcast «Deutschland3000 –  ‘ne gute Stunde mit Eva Schulz» (NDR) ist mit mehr als 15 Millionen Abrufen einer der erfolgreichsten deutschen Interviewpodcasts. Als Reporterin war sie zuletzt in Thüringen, Sachsen und Brandenburg für die neue ZDF-Dokureihe «Deutschland, warum bist du so?» unterwegs.

Eigene Gründungserfahrung

Bei der Auswahl der Jurymitglieder wurden möglichst diverse Schlüsselkompetenzen berücksichtigt, erklärt Martin Kotynek: «Dazu gehören einerseits eigene Gründungserfahrung und Kenntnisse in der Organisationsentwicklung, um die Tragfähigkeit und das Potenzial der Förderanträge einschätzen zu können. Ausserdem waren wirtschaftliches Know-how und Branchenkenntnisse essenziell, um die vorgelegten Businesspläne fundiert bewerten zu können.» Journalistische Expertise, insbesondere im Bereich des gemeinwohlorientierten Journalismus, stellte ein weiteres wichtiges Kriterium dar. Die Jurymitglieder verfügen zudem über Erfahrungen mit verschiedenen Medienformaten, von Text über Bewegbild bis hin zu Social Media, sowie über Erfahrung im Bereich Lokaljournalismus.

Zusätzliche Expertise durch das Expert Council

Im Vorfeld der Juryentscheidung berät ein Expert Council aus derzeit 14 weiteren Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das Fund Management bei der Prüfung der Anträge für die Jury. Die sechs Frauen und acht Männer bringen während der Prüfung der Förderanträge zusätzliche Expertise aus ihren Spezialgebieten ein. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich.

Für «underserved communities» konnte der Media Forward Fund die Videojournalistin Nalan Sipar (JSK Journalism Fellow, Stanford University) und den Radiomacher Tamer Ergün (Metropol FM) gewinnen. Zu Anträgen aus Ostdeutschland bringt die frühere Geschäftsführerin des Berliner Tagesspiegels, Ulrike Teschke, ihre Expertise ein.

Zu Fragen der Inklusion steht Philippe Narval (Lebenshilfe Österreich) zur Verfügung. Bei medienethischen Fragen beraten Susan Boos (Schweizer Presserat) und Daniela Kraus (österreichischer Presseclub Concordia) den Fund. Der frühere Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo berät den Fund bei Anträgen aus dem Investigativjournalismus.

Zur Bewertung von Businessplänen stehen der Unternehmensberater und Impact Investor Axel Seemann (BonVenture / Bain & Company), der Spiegel-Co-Geschäftsführer Stefan Ottlitz sowie die langjährige ehemalige Vorständin der Schweizer Republik, Sylvie Reinhard, zur Verfügung.

Medienwissenschaftliche Expertise steuern die beiden Experten für Journalismusförderung Christopher Buschow (Hamburg Media School) und Andy Kaltenbrunner (Medienhaus Wien) bei. Penelope Winterhager (JX Fund) berät bei internationalen Anträgen und Michael Viegener (FAMtastisch) unterstützt bei strategischen Fragen.

Unabhängigkeit sichergestellt

«Wir wollen die innovativsten Geschäftsmodelle im gemeinwohlorientierten Journalismus beim Wachstum unterstützen. Die umfassende Expertise, das innovative Mindset und die internationale Perspektive der Mitglieder von Jury und Expert Council werden sicherstellen, dass der Media Forward Fund fundierte und zugleich mutige Förderentscheidungen trifft», sagt Martin Kotynek.

Die Unabhängigkeit der Jury von den Geldgebern des Media Forward Fund ist unter anderem dadurch sichergestellt, dass die Geldgeber vor der Jury-Entscheidung nicht von den Anträgen erfahren. Der Geschäftsführer moderiert die Jurysitzungen, hat jedoch kein Stimmrecht im Entscheidungsprozess der Jury.

Erster Call mit 136 Bewerbungen

Mit der Gründung des Media Forward Fund startete Anfang Juli auch gleich der erste Call in der «Allgemeinen Förderlinie» (nationale & regionale Medien). Der Fund hat 136 Bewerbungen mit einem Förderbedarf von 40 Millionen Euro erhalten. Daraus wurden aufgrund der Eignungs- und Vergabekriterien, nach einer Prüfung der Förderfähigkeit und nach zahlreichen Erstgesprächen 26 Kandidaten zur Antragstellung zugelassen.

Das Fund Management prüft nun die Anträge, holt zusätzliche Expertise vom Expert Council ein und bereitet die Unterlagen für die Jurysitzung vor. Im Vorfeld der Sitzung bewerten die Juror:innen die Anträge entsprechend der Vergabekriterien nach einem Punktesystem. Während der Jurysitzung Ende November präsentieren die Bewerberinnen und Berwerber ihre Projekte persönlich in Berlin und kommen mit der Jury ins Gespräch.

Der darauffolgende Entscheidungsprozess ist mehrstufig und beinhaltet sowohl individuelle Bewertungen als auch gemeinsame Diskussionen. Die Förderentscheidungen fallen mit einfacher Mehrheit durch die Jury. Für die Fördermittelvergabe wurden Kriterien in den Bereichen Transformation, Nutzerzentrierung, Vielfalt, Unabhängigkeit und Qualität definiert. (pd/spo)