Herr Nehmer, Sie sind seit einigen Monaten Kommunikationschef der Cablecom und haben damit den wohl schwierigsten Job in der Branche angenommen. Weshalb tun Sie sich das an?
Als Neuling erachte ich es als eine sehr spannende Aufgabe, mich in eine völlig neue Branche hineinzuarbeiten. Ich verstehe es dabei als Herausforderung, eine technisch hochkomplexe Materie möglichst einfach verständlich zu kommunizieren. Wie schon als Kommunikationsverantwortlicher für Hotelplan interessiert mich die Nähe zum Konsumenten. Es löst kaum etwas mehr Emotionen aus, als das Fernsehen.
Sie wurden in den vergangenen Jahren zum besten Pressesprecher des Jahres gewählt. Sie haben einen guten Ruf zu verlieren
Ich freue mich zwar über die positiven Reaktionen in der Vergangenheit, schaue aber stets nach vorne. So habe ich es auch gehalten, als ich mich entschied, die Herausforderung bei der Cablecom anzunehmen.
In einer Studie wurde die Cablecom von insgesamt 1100 Marken zur arrogantesten gekürt. Kann man diesen Brand überhaupt noch retten?
Sicher. Denn wir besitzen Stärken: Cablecom hat gute Produkte, preislich das attraktivste Angebot in der Schweiz und verlässliche Netze. Zudem ist die Bekanntheit des Unternehmens hoch. Am Image müssen wir arbeiten, denn es gibt Konsumenten, die das Vertrauen verloren haben. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit den Kollegen des Marketings dieses Vertrauen zurückzugewinnen.
Wo setzen Sie den Hebel konkret an?
Wir müssen unsere Stärken, wie auch unsere Schwächen besser kommunizieren. Vor allem aber auch dazu stehen, wenn wir in einem Bereich noch nicht so weit sind, wie wir es gerne möchten. Als Kommunikationsverantwortlicher will ich dabei stets eine 360 Grad-Ansicht vermitteln. Denn was auch immer kommuniziert wird, betrifft alle Stakeholder unseres Unternehmens. Wichtig ist weiter, dass wir uns nicht verstecken, sondern zeigen und die Produkte und auch die Marke Cablecom erlebbar machen. Mit der Revitalisierung des Infokanals haben wir dieses Konzept bereits in einem Punkt umgesetzt. Weitere Ideen folgen.
Cablecom erhält schlechte Noten im Kundenservice, mit der Abschaltung einiger Sender aus dem Analognetz sorgte der Konzern für Entrüstung bei den Kunden. Ist das Imageproblem "nur" ein Kommunikationsproblem?
Das Unternehmen ist enorm gewachsen in den letzten Jahren. Nicht alle Strukturen konnten mit diesem Wachstum mithalten. Wir versuchen deshalb laufend, korrigierend einzuwirken. Etwa, indem wir in den Kundenservice investieren und zusätzliches Personal einstellen und vermehrt in die Ausbildung der Mitarbeiter investieren. Trotzdem: Wir sind noch nicht am Ziel. Cablecom ist zudem in die Rolle des Prügelknaben gerutscht. Es ist sehr schwierig, sich dieser Rolle kurzfristig zu entledigen, da sich Vorurteile hartnäckig halten -- selbst wenn sich die Dienstleistungen verbessert haben. Zudem ist es uns noch nicht gelungen den Mehrwert für den Kunden beim digital TV genügend zu vermitteln.
Die Cablecom-Konzernleitung hat in der Vergangenheit wenig Fingerspitzengefühl in der Kommunikation bewiesen. Wie stark können Sie überhaupt auf Entscheide des Managements Einfluss nehmen?
Als Mitglied der Geschäftsleitung stehe ich selber in der Verantwortung. Ich muss niemandem auf die Finger klopfen.
Liest man Interviews mit dem Management, erhält man nicht immer den Eindruck, dass es aus früheren Fehlern gelernt hat.
Es ist heute dem gesamten Management klar, dass es zu den obersten Zielen des Unternehmens gehört, Vertrauen zu schaffen. Was in der Vergangenheit war, kann und will ich nicht beurteilen.
Sie sind nun drei Monate im Amt. Welche Erfolge können Sie bereits vorzuweisen?
Eines vorneweg: Unsere Zahlen entwickeln sich trotz des Bashings sehr gut. Im wichtigen Segement Fernsehen wachsen wir stark, das zeigt, dass wir gute Produkte haben. Intern haben wir schon einiges erreicht: Ich verfolge dabei einen integrierten Ansatz, denn alleine kann mein Team und ich nichts ausrichten. Eine der wichtigsten Massnahmen war es, innerhalb der Firma ein gut funktionierendes Netzwerk zu den Verantwortlichen des Marketing aufzubauen und die Schnittstellen klar zu definieren. Zudem haben wir zusammen mit Human Ressources ein neues Intranet gelauncht, dass den Mitarbeitern erlaubt, sich mit dem Management direkt auszutauschen und seine Meinung kundzutun. Es wird rege genutzt.
Und weiter?
Eine wichtige vertrauensbildene Massnahme war unsere Pressereise nach Amsterdam, welche wir letzte Woche durchführten. Von Seiten der Wirtschaftsjournalisten habe ich immer wieder gehört, dass Cablecom eine US-Firma sei, die den Schweizer Kunden bloss das Geld aus der Tasche ziehen will. Vor Ort konnten wir aufzeigen, dass es durchaus Vorteile gibt, zu einem grossen weltweit tätigen Konzern zu gehören. Ein positiver Effekt davon ist etwa, dass cablecom die Settop-Boxen für den Schweizer Markt günstiger beziehen kann, weil das Unternehmen für ganz Europa einkauft. Zudem erhielten die Journalisten Einblick in unsere Labors, in denen alle bestehenden und zukünftigen Settop-Boxen-Generationen getestet werden.
Abschlussfrage: Haben Sie sich auch schon Gedanken darüber gemacht, wie ihr Unternehmen die Rolle des Prügelknaben an ihren Konkurrenten, die Swisscom weiterreichen könnte?
Es bestünde durchaus die Möglichkeit uns mit der Opferrolle zu begnügen. Wir sind jedoch von unseren Stärken überzeugt und müssen diese vermehrt in den Vordergrund stellen. Es ist eine Tatsache, dass die Cablecom die Swisscom im Wettbewerb herausfordert. Dank der Cablecom gibt es in der Schweiz demokratische Preise und damit herrscht Wettbewerb für den Konsumenten.