Der Tod des ehemaligen UBS-Chefs Marcel Ospel beschäftigt die Schweizer Medien. Im Blick ist er sogar der Aufmacher. Unter dem Titel «Vollblut-Banker mit Hochs und Tiefs» würdigt Wirtschaftsredaktor Guido Schätti das Wirken des Verstorbenen. Für den Blick war der Basler eine «charismatische Figur». Zudem sei er der «der geborene Spekulant» gewesen. Als Ospel den Börsenring längst verlassen habe, sei er ein Zocker geblieben, so Schätti. Peter Kurer, Ospels Nachfolger als UBS-Verwaltungsratspräsident, würdigt im Boulevardblatt den Verstorbenen als «Topmanager, der vor allem auf Leistung und weniger aus Seilschaften» geschaut habe.
Kein Foto beim Rauchen
Unter dem Titel «Pionier, Lebemann, tragische Figur» fasst Chefredaktor Patrik Müller Ospels Leben in den CH-Media-Blättern zusammen. Müllers Fazit: «Ospel schuf Grosses – und das Streben nach Grösse wurde ihm zum Verhängnis.» An Ospels letzten öffentlichen Auftritt beim 150-Jahr-Jubiläum der UBS im Zürcher Hallenstadion mag sich Müller, der Ospel mehrmals begegnet ist, gut erinnern: «Wie selbstverständlich sass er da, am Tisch Nummer 45, zusammen mit dem Ehepaar Silvia und Christoph Blocher. Den SVP-Nationalrat hatte Ospel auf dem Höhepunkt seiner Macht, im Jahr 2003, als Bundesrat empfohlen – danach sah sich Ospel, zu Recht oder zu Unrecht, als heimlicher Königsmacher. An jenem Abend im Hallenstadion stieg am Tisch Nummer 45 immer mal wieder ein Räuchlein auf. Für einen wie Ospel gilt ein Rauchverbot eben nicht. Während Interviews, die er bis zu seinem Fall im Duktus eines Staatspräsidenten gab, war es Fotografen untersagt, ihn während des Rauchens zu fotografieren.»
Architekt der neuen UBS
Von allen Kommentaren wird Ospels Rolle als Architekt der neuen UBS aber auch seine Rolle beim Swissair-Grounding und der nachfolgenden Finanzkrise hervorgehoben. Unter dem Titel «Keiner war so umstritten» widmen sich in den Tamedia-Blättern gleich drei Journalisten, nämlich Chefredaktor Arthur Rutishauser sowie Holger Alich und Beat Schmid dem Wirken des verstorbenen Baslers. Ospel habe – zusammen mit seinem Rivalen Rainer E. Gut – während mehr als zwei Jahrzehnten den Schweizer Finanzplatz geprägt, so ihr Fazit. Sein Absturz sei aber durch das Swissair-Debakel eingeleitet worden, als ihn der damalige Swissair-Chef Mario Corti verzweifelt versuchte telefonisch zu erreichen. Doch Ospel sei mit seinem Privatflieger Richtung New York unterwegs gewesen. Wegen dieser Episode werde ihm in Zürich bis heute die Schuld gegeben, dass das Schweizer Vorzeigeunternehmen Swissair eine peinliche Pleite vor den Augen der Welt hinlegte, heisst es im Tages-Anzeiger. Ospel habe aber Rückgrat bewiesen, dass er sich wenige Tage danach in der SRF-«Arena» seinen Kritikern stellte. «Er war immer ein nahbarer Typ, der Kleinaktionäre dank seines Gedächtnisses mit Namen kannte.» Für Cash.ch geht mit Ospel ein «Teil der alten Schweizer Banken-Welt.
NZZ hatte Interview geplant
Erstaunlich wenig Platz nimmt der Tod von Marcel Ospel – vorerst – in der NZZ ein. Im Wirtschaftsteil schildert Autorin Zoe Bachés ihre Begegnung mit Ospel vor wenigen Wochen: «Erstmals wollte er der NZZ ein Interview zu jenen Ereignissen geben. Bei einem Vorgespräch sprach er mit der Autorin gutgelaunt über seine Krebserkrankung. Aber auch darüber, dass nicht alles, was seither über jene Ereignisse kolportiert wurde, wirklich korrekt sei. Sein Gedächtnis funktionierte bestens, er konnte sich an jedes Ereignis und jede Zahl erinnern.» Das Interview kam nicht mehr zustande, der Termin war auf den Mai angesetzt gewesen.
Berührender Nachruf in der BaZ
Der berührendste Nachruf stammt vom Basler Kult-Autor -minu in der Basler Zeitung. Er erinnert sich unter dem Titel «Deine Asche wird den Rhein hinunterschwimmen» an ein letztes Treffen mit dem begeisterten Fasnächtler Marcel Ospel im vergangenen November in der Zürcher Kronenhalle. «Was soll ich schreiben?» so -minu, «der Schock sitzt tief. Noch im November sassen wir bei einem Mittagessen in der Kronenhalle in Zürich zusammen. Du sahst gesund aus – und wir alle hofften, dass du es schaffst. Dass du stärker sein würdest als diese Krankheit, die dich plötzlich angefallen hat. Aber wir wussten auch, dass du nicht darüber reden wolltest. Denn wenn du nach aussen auch immer den starken Mann markiert hast – wir, die dich näher kannten, haben schnell kapiert: Du bist sensibler, zarter, als du dich gibst – beinahe noch verletzbarer und empfindlicher als diese Fasnachtsmimosen, die du geliebt hast. Du willst keinen Nachruf. Keine Abdankung – du willst auch nicht, dass Todesanzeigen verschickt werden. Deine Asche soll ins Wasser – irgendwann wird sie den Rhein runtertreiben. Das war dein Wunsch.»