Hans Klaus ist neuer Kommunikationschef des Weltfussballverbandes Fifa. Dabei hat er zwei grosse Aufgaben: Zum einen soll er die Fussball-WM in Südafrika mediengerecht verkaufen, zum anderen das Image der Fifa verbessern. Gegenüber "persönlich blau" erläuterte er seine Kommunikationsstrategie und blickt auf seine bewegte Laufbahn als Sprecher von Swissair und Ex-Bundesrätin Ruth Metzler zurück. Ein Ausschnitt aus dem Interview:
Herr Klaus, Sie haben während der letzten 18 Jahren als Pressesprecher für die Swissair, eine Bundesrätin und einen japanischen Tabak- und Nahrungsmittelkonzern gearbeitet. Seit hundert Tagen sind Sie Kommunikationschef der Fifa. Ist dies die Vollendung Ihrer Karriere?
Es scheint mir etwas verfrüht, mit 42 Jahren bereits an die Vollendung meiner Karriere zu denken. Ganz bestimmt jedoch ist meine neue Funktion bei der Fifa eine Challenge der Sonderklasse. Ich wüsste im Moment keine einzige Organisation, für die ich lieber arbeiten würde. Fussball begeistert weltweit rund eine Milliarde Menschen. Das ist doch fantastisch. Immer -- ohne Unterbruch -- wird irgendwo auf der Welt Fussball gespielt.
Ist dies nicht ein bisschen pastoral? In der Schweiz hat die Fifa keinen allzu guten Ruf ...
Pastoral ist es eben nicht; es ist die Realität! Sehen Sie, wir Schweizerinnen und Schweizer begreifen leider allzu oft nicht, wie viele tolle und einzigartige Sportorganisationen wir in der Schweiz haben. Die Bedeutung und insbesondere die Leistungen der Fifa werden in der Schweiz völlig unterschätzt. Unsere Organisation agiert weltweit, und das Ansehen der Fifa ist international enorm hoch. In der Schweiz ist diese Wertschätzung unterentwickelt. Dabei können wir wirklich stolz sein, einen der weltweit wichtigsten Sportverbände in Zürich zu haben.
Wie beurteilen Sie das Image Ihres Chefs, Fifa-Präsident Joseph Blatter?
Fifa-Präsident Blatter ist international bekannt und sehr populär. In meinen ersten hundert Tagen als Kommunikationsdirektor habe ich ihn oft auf Reisen oder an Turniere wie zum Beispiel die EURO 08 begleiten dürfen. Nicht selten sind wir etwas zu spät gekommen, weil einfach unzählige Menschen, Alt und Jung, mit ihm sprechen und von ihm Autogramme haben wollten. Er ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten in der Welt des Sports, und er tut sehr viel für diesen Sport, der die Menschen weltweit bewegt.
In diesen Tagen war auch der zehnte Jahrestag des Flugzeugabsturzes SR 111 von Halifax, welchen Sie hautnah miterlebten. Inwiefern hat Sie dieses Ereignis geprägt?
Das Unglück hat mich sehr geprägt, persönlich wie auch beruflich. In den letzten Tagen kamen bei mir diesbezüglich einige Erinnerungen wieder hoch. Irgendwie erschreckt es mich auch, dass es bereits zehn Jahre her ist, seit ich an diesem unglücklichen Tag für die Swissair nach Halifax geflogen bin und dort am Ort des Geschehens die Krisenkommunikation geleitet habe. Die Zeit vergeht eben schnell, doch gewisse Dinge bleiben einem auch Jahre danach sehr präsent.
Wie müssen wir uns Ihren Job als Krisenkommuni-kations-Manager vorstellen?
Hektisch ist wohl das beste Wort hierfür. Die Ereignisse -- insbesondere auf dem Gebiet der Kommunikation -- überschlugen sich fast im Minutentakt. Innert Stunden nach dem Unglück waren mehr als 300 Fernsehstationen vor Ort in Halifax. Wir mussten ein Basketballstadion mieten, um alle irgendwo unterzubringen. Viele unendlich traurige Angehörige sind in den Tagen nach dem Unglück angereist. Wir haben versucht, ihnen Trost zu spenden. Damals bin ich ohne Gepäck, nur mit einem Reisepass und einer Swissair-Zahnbürste aus Zürich nach Halifax geflogen. Nach 50 Stunden arbeiten konnte ich mich erstmals für vier Stunden hinlegen. Als ich aufgewacht bin, lag vor meinem Hotelzimmer ein etwa 50 Zentimeter hoher Papierberg mit Interview-Anfragen verschiedenster Medien. Ich hatte vergessen, dem Hotelpersonal zu sagen, dass man meine Zimmernummer nicht an die Medien herausgeben dürfe.
Welches war bisher Ihre grösste berufliche Herausforderung?
Informationschef einer Bundesrätin zu sein, war manchmal ganz schön happig. Doch jede Station meiner Laufbahn hatte ihre grossen und bedeutenden Herausforderungen. Ich habe versucht in verschiedenen Branchen und Organisationen Erfahrungen zu sammeln. Als wichtigste berufliche Erfahrungen betrachte ich meine Arbeit im internationalen Umfeld. Ich denke, dass gerade für Kommunikationsleute in der Schweiz internationale Erfahrungen sehr wertvoll sind.
Was ist das Besondere an der Arbeit für einen Bundesrat?
Es ist die Atmosphäre, die Umgebung. Das Bewusstsein, dass man für das eigene Land und nicht für irgendeine Aktiengesellschaft kommuniziert, stärkt das Gefühl der Verantwortung. Ein falsches Presse-Communiqué, eine undiplomatische Äusserung kann den eigenen Bundesrat umgehend in Schwierigkeiten bringen. Das Tempo und die Komplexität der Dossiers sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Politik und moderne Kommunikation vertragen sich dabei leider nicht immer. In der Politik werden oft die Fakten aus taktischen Gründen nicht transparent ausgesprochen, was sich wiederum sehr unschön auf die Kommunikation auswirken kann, wie wir gerade erlebt haben. Der aktuelle Fall um den Armeechef, der zurücktreten musste, und um den Vorsteher des VBS wird mit hoher Wahrscheinlichkeit als negatives Beispiel in die Kommunikationslehrbücher eingehen.
Das heisst, die Affäre Schmid/Nef wurzelt in einem kommunikativen Fehler ...
Aus heutiger Sicht scheint es zumindest so, was ich bedaure. Auch wenn man einen schlechten Entscheid durch gute Kommunikation nicht wirklich zu einem Hit machen kann, haben hier die Grundsätze der modernen Kommunikation nicht gegriffen: Transparenz, Schnelligkeit und Vollständigkeit blieben völlig auf der Strecke. Problematisch ist, dass sich die Situation rund um sämtliche Protagonisten täglich verschlechtert. Noch immer scheint es, dass wir nicht alle Fakten kennen. Das ist natürlich ein guter Nährboden für Gerüchte und Spekulationen. Die Medien in der Schweiz konnten sich diesen Sommer nicht über das übliche Sommerloch beklagen. Das oft stattfindende Sommertheater wurde dabei zum Sommerdrama.
Tragen die Medien dabei eine Mitschuld?
Sicher nicht. Den Medien kann man in dieser Sache keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, sie haben versucht Licht ins Dunkel zu bringen, sie haben sich auch sehr lange mit pointierten Kommentaren zurückgehalten. Dass die Medien spekulieren und stetig neue Geschichten zum Fall aufbereiten, liegt an der ungenügenden Vollständigkeit der Informationslage. Wüsste man mehr, oder hätte man mindestens den Eindruck, mehr zu wissen, dann würde die Geschichte schon lange nur noch auf Stufe eins gekocht.
Zurück zur Fifa. Das wohl wichtigste Traktandum ist die Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Jahre 2010. Findet diese WM tatsächlich statt?
Davon bin ich überzeugt. Ich kenne Südafrika seit vielen Jahren gut, da ich schon zu Zeiten der Swissair und auch während meiner Arbeit bei JTI oft in Südafrika war. Leider hat dieses wunderbare Land ein Imageproblem und wird in den Medien oft schlecht geredet. Meiner Meinung nach zu Unrecht. Wir werden uns sehr anstrengen, dass dieses teilweise ungerechtfertigte Bild von Südafrika korrigiert werden kann. Für das Land und seine Leute ist die Fifa-Fussball-WM 2010 eine grosse Chance.
Wie stark beschäftigen Sie sich momentan mit der WM?
Dieser wichtige Teil macht ungefähr vierzig Prozent meiner Arbeitszeit aus. In Südafrika werden wir im Juni nächsten Jahres den Confederations Cup austragen. Am Confederations Cup werden die Gewinner der jeweiligen Kontinental-Verbände gegeneinander spielen. Der Wettbewerb wird eine Art Test sein für die WM 2010. Aber es sind nicht nur diese Wettbewerbe, die mich zurzeit auf Trab halten, es sind auch die enorm vielen Medienanfragen zum Thema Fifa-WM 2010. Das Interesse an dieser Weltmeisterschaft ist bereits heute sehr gross.
(Interview: Matthias Ackeret / Bild: Marc Wetli)
--> Das vollständige Interview ist in der September-Ausgabe von "persönlich blau" zu finden.