"Krisenkommunikation beginnt vor der Krise"

- Street Parade meets Coca-Cola. Stefan Epli, bekannt als Mediensprecher des Techno-Umzuges, und Pia Lehmann, ehemalige Leiterin der Unternehmenskommunikation beim Süssgetränkehersteller, haben zusammen eine PR-Agentur gegründet. Sie wollen sich aber nicht nur in die Lifestyle- und Branding-Schublade stecken lassen und glauben, dass der Zeitpunkt für eine neue Agentur günstig ist: "Ein Blick in die Zeitungen macht deutlich, dass ein Bedarf an guter Kommunikationsberatung besteht." Das Interview:

Frau Lehmann, Herr Epli, wie haben Sie sich gefunden?

Lehmann: Schon während meiner Zeit bei Coca-Cola arbeitete ich oft mit Stefan Epli zusammen. Er betreute für das Unternehmen vor allem Lifestyle Projekte -- wie MyCokemusic, den Christmas-Truck oder den Coke Light Man.

Wer hat die Initiative ergriffen und die Gründung einer gemeinsamen Agentur vorgeschlagen?

Epli: Nach über zehn Jahren als Agenturleiter von "Atelier Epli" verspürte ich den Wunsch nach einer Veränderung, darum habe ich nach einem Partner Ausschau gehalten.

Lehmann: Nach dem Ende meiner Tätigkeit als Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Coca-Cola nahm ich eine Auszeit, welche ich mit einer Australienreise kombinierte. Trotz einem verlockenden Angebot im Bereich Corporate Communications in einem Grosskonzern hat mich der Schritt in die Selbstständigkeit mehr gereizt.

Haben Sie durch Ihren Aufenthalt in Australien auch ein neues Freiheitsgefühl gewonnen, das Sie als Ihr eigener Chef beibehalten wollten?

Lehmann: Auf Agenturseite habe ich mehr Chefs als in der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens – nämlich pro Kunde mindestens einen (lacht). Für mich war grundsätzlich die Zusammenarbeit mit mehreren Unternehmen auf Agenturseite ausschlaggebend.

Herr Epli, Sie sind seit über zehn Jahren Inhaber vom Atelier Epli. Was passiert damit?

Epli: Die Mandate von Atelier Epli werden laufend in die neue Agentur einfliessen.

Sie hatten bisher keinen Firmenpartner, fällt Ihnen die Umstellung leicht?

Epli: Ich war auch bisher kein Ein-Mann-Betrieb -- insofern ist es keine grosse Umstellung. Sich mit einer kompetenten und erfahrenen Fachfrau wie Pia austauschen zu können, empfinde ich als grosse Bereicherung.

Wir sind mitten in einer Wirtschaftskrise. Ist der Zeitpunkt für eine Agenturgründung ideal, mutig oder leichtsinnig?

Epli: Gerade in einer schwierigen Zeit gewinnt die Kommunikation an Bedeutung. Vielleicht werden die PR-Budgets etwas kleiner, aber gute Arbeit ist krisenresistent. Deshalb ist der Zeitpunkt für die Agenturgründung günstig.

Lehmann: Kommunikation hat heute allgemein einen viel höheren Stellenwert als früher. Darum wird in diesem Bereich auch nicht mehr als erstes gespart. Es hat klar ein Umdenken stattgefunden. Zudem macht ein Blick in die Zeitungen zurzeit deutlich, dass ein Bedarf an kompetenter Kommunikationsberatung besteht.

Wie beurteilen sie die Bankenkommunikation?

Lehmann: Das ist ein sehr komplexes Thema. Für eine Beurteilung dieser Situation fehlen mir Hintergrundinformationen. Grundsätzlich gilt es in einer Krise, keine "Salami-Taktik" anzuwenden, sprich, nur „häppchenweise“ zu kommunizieren. Wichtig ist eine transparente Kommunikation von Anfang an.

Epli: Bei ungenügender Kommunikation - gerade in einer Krise - kann ein Vertrauensverlust für die Unternehmung resultieren. Deshalb ist eine kontinuierliche Kommunikation wichtig.

Gibt es weitere Grundregeln der Krisenkommunikation?

Lehmann: Krisenkommunikation beginnt vor der Krise. Das wichtigste ist die Vorbereitung. Dazu gehören das Entwerfen von Krisenszenarien und das regelmässige Trainieren des Notfalls. Wer bei Ausbruch einer Krise zuerst ein Krisenkommunikations-Konzept erstellen muss, läuft dem Geschehen hinterher. Und: Es ist wichtig, in guten Zeiten Beziehungen zu Stakeholdern aufzubauen.

Stefan Epli ist vor allem auch als Mediensprecher der Street Parade bekannt, Pia Lehmann durch die Marketing-Kommunikation von Coca-Cola. Wird man dadurch auch nur in diesen Gebieten für kompetent gehalten?

Lehmann: Wer uns kennt, weiss, dass man uns nicht nur in diese Schubladen stecken kann. So war ich bei der Coca-Cola AG nicht nur für die Marken-PR, sondern für die ganze Unternehmenskommunikation verantwortlich. Darunter fiel zum Beispiel auch die Krisenkommunikation.

Epli: Ich betreibe bei der Street Parade pausenlos Krisenkommunikation (lacht). Nein ernsthaft, meine Tätigkeit als Mediensprecher der Street Parade ist zwar das bekannteste Mandat, aber bei weitem nicht das einzige. Natürlich hat es mich beim Aufbau einer gewissen Bekanntheit unterstützt. Aber mich nur auf dieses Amt und den Bereich Lifestyle-PR zu reduzieren, wäre falsch.

Werden Sie weiterhin Mediensprecher der Street Parade bleiben?

Epli: Das wird von Jahr zu Jahr entschieden. Für 2009 läuft das Mandat weiter.

Wie sind die Rollen bei Epli & Lehmann verteilt?

Lehmann: Wir haben keine fixe Aufgabenteilung. Wir ergänzen uns gegenseitig mit Know-How und bieten gemeinsam eine breite Kommunikationspalette an.

Kann man als kleine Agentur überhaupt glaubwürdig einen Full-Service anbieten -- muss man sich nicht auf Teilgebiete beschränken?

Epli: Unsere Kompetenzen sind sehr breit gefächert, warum sollen wir uns selber einschränken?

Sind Sie auch an staatlichen Aufträgen interessiert?

Epli: Ob die Mandate aus Bern oder der Privatwirtschaft stammen, spielt keine Rolle. Wir freuen uns über jedes Engagement, solange es ethisch vertretbar ist und wir es mit unserer eigenen Überzeugung vereinbaren und dahinter stehen können

Wo sehen Sie die Agentur in ein paar Jahren?

Lehmann: Wir sehen Epli & Lehmann nicht als Grossagentur, die in zwei Jahren mit 30 Mitarbeitern operiert. Unser Fokus liegt auf einem persönlichen und kompetenten Service. Dabei stehen Kreativität, Flexibilität und eine zielgerichtete Umsetzung im Vordergrund.

(Interview: Corinne Bauer und Stefan Wyss)