Die Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) reichen weiter zurück als bisher bekannt. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll über Jahre hinweg die Teilnehmerzahlen der Umfrage zum "Lieblingsauto der Deutschen" geschönt haben. Dies habe ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair der "Süddeutschen Zeitung" bestätigt, berichtete das Blatt am Montag. Obermair kündigte eine umfassende Aufklärung an.
Am Sonntag hatte der Autoclub in München eingeräumt, dass die Teilnehmerzahlen für die diesjährige Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen frisiert worden waren. Ramstetter habe "die alleinige persönliche Verantwortung" übernommen und alle Funktionen beim Verein niedergelegt, teilte der ADAC mit. Der Club wies darauf hin, dass lediglich die durch Leserwahl ermittelte Preiskategorie "Lieblingsauto" betroffen sei und nur die Zahl der abgegebenen Stimmen geschönt wurden, aber nicht die Reihenfolge der Ergebnisse.
Bis 2015 will der ADAC für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.
Andere Statistiken überprüfen
Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert nun eine Aufteilung des ADAC in einen Pannenservice und ein Wirtschaftsunternehmen. Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsse nun geprüft werden, sagt er am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.
CSU-Chef Horst Seehofer sagte in München vor Journalisten er sei "nicht überrascht" von dem Skandal. Er habe sich in der Diskussion um die von seiner Partei geforderte Pkw-Maut über die Zahlen des ADAC stets gewundert.
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter mahnte in der "Passauer Neuen Presse", ein grosser Verein wie der ADAC müsse sich sehr korrekt verhalten. Es müsse geprüft werden, "ob Autokonzerne Einfluss genommen haben". Ramstetters Abgang wirke "eher wie ein Bauernopfer", befand Hofreiter.
Autobauer fordern Aufklärung
Volkswagen, Daimler und BMW forderten den Automobilclub am Montag zur umfassenden Aufklärung des Vorfalls auf. Gedanken über mögliche Konsequenzen könne man sich danach machen, ergänzte ein VW-Sprecher.
Ford zeigte sich enttäuscht vom ADAC. "Der Preis hat eine grosse Reputation. Da geht man davon aus, dass es bei der Findung der Sieger mit rechten Dingen zugeht", sagte ein Sprecher der Kölner Ford-Werke.
Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag unter Berufung auf interne Dokumente des ADAC über Vorwürfe berichtet, wonach die Umfrage unter den Lesern der Zeitschrift "Motorwelt" manipuliert wurde. Demnach stimmten deutlich weniger Leser bei der Wahl ab als vom ADAC offiziell angegeben. (sda)