Was haben Sie mit dem Abgang von Walter de Gregorio zu tun?Mit dem Abgang von Herrn de Gregorio habe ich nichts zu tun. Er ist über seine Leistungen als Kommunikationschef der FIFA gestolpert; seine unglücklichen, zu saloppen Aussagen bei verschiedenen Medienauftritten liessen das Fass überlaufen.
Ist de Gregorio über den Witz in der Sendung "Schawinski" gestolpert?
Dies war der Höhepunkt seiner Fehläusserungen als Kommunikationschef. In keinem Schweizer Grossunternehmen hätte man derlei, ohne Konsequenzen zu ziehen, hingenommen.
Was lief aus Ihrer Ansicht falsch in der Kommunikation über die Fifa?
De Gregorio hat die Aufgabe 2011 übernommen, als die Fifa nicht gerade den besten Ruf genoss und sie nun abgeben müssen mit einem noch schlechteren Ruf. Seine Leistung muss deshalb hinterfragt werden. Aus Erfahrung weiss ich, dass über neunzig Prozent aller Journalisten, die ohne weiteres Training PR-Chefs werden, scheitern oder die ihnen gesetzten Ziele nicht erreichen. Es sind zwei verschiedene Berufe.
Ist die Fifa mit Kommunikation überhaupt noch zu retten?
Der Weltkonzern Fifa mit über 1,6 Milliarden Followers und 300 Mio. aktiven Spielern muss gerettet werden. Dies ist möglich, wenn sie künftig neben Sportjournalisten auch krisenerfahrene politische Strategen einsetzt. In der ganzen Welt ist der Kampf um die Zukunft der Fifa entbrannt.
Sie haben in einem Blogbeitrag geschrieben, dass langfristig auch der Fifa-Standort Zürich gefährdet sei. Wie real ist diese Gefahr?
Seit Jahren gibt es Versuche aus Frankreich, die Fifa wieder nach Paris, an den Ort ihrer Gründung zurück zu bringen. Der Schweizer Sepp Blatter hat dies mit Geschick bisher verhindert. Mit dem Bau des "Home of Fifa" dem globalen Hauptsitz, und des Fifa-Museums, das im kommenden Jahr eröffnet werden soll, hat er wichtige Schritte getan, damit die Fifa in Zürich bleibt.
Kann man aus Ihrer Warte aus die Amerikaner überhaupt noch stoppen?
Das wird schwierig sein, wenn Justizministerin Simonetta Sommaruga weiterhin allen Ersuchen aus Washington ohne legitimen politischen Widerstand Folge leistet. Mit Elisabeth Kopp und Christoph Blocher in der gleichen Funktion wäre dies nicht passiert. Jetzt ist der Damm gebrochen und muss aufwändig geschlossen werden. Der Überfall auf die Fifa ist ein Prestigeprojekt der Regierung Obama.
Wie beurteilen Sie die Arbeit von Herrn Blatter?
Sepp Blatter hat seit vierzig Jahren für die Fifa eine brillante Arbeit geleistet. Er ist der Begründer des Weltfussballs mit der Fifa als Taktgeber. Ohne ihn gäbe es weiterhin nur einen "europäischen" Fussball, wie ihn die Uefa mit Michel Platini jetzt wieder wünscht.
Glauben Sie, dass in den nächsten Wochen Ruhe einkehrt am Zürichberg?
Nein, wir haben Monate grosser politischer Angriffe und strategischer Wirren vor uns. Amerikaner wollen mit Hilfe der Engländer die WM 2018 wieder nach London holen. Die WM 2022 in Katar, die von der Uefa mit Michel Platini dorthin vergeben wurde, soll auch einen neuen "Host" finden. Bis zum Jahr 2022 verfügt die Fifa über feste Verträge von gegen 10 Milliarden Franken. Wer sich dieses globalen Machtinstrumentes bemächtigen will, muss zuerst den Schweizer Präsidenten zum Rücktritt bringen. Dieses wird der Fifa Kongress entscheiden, wo jedes der 209 Mitglieder eine Stimme hat. Die Schweizer Sportjournalisten – kein Wunder! – haben von diesen Zusammenhängen bisher nur wenig verstanden.