Trotz Sparmassnahmen: Ende Januar erhielt die gesamte Schweizer UBS-Belegschaft wiederum ein Mitarbeitermagazin zugestellt. Eine solche Publikation wurde im Zuge der Sparmassnahmen 2008 vollständig gestrichen, sie erschien mehr als drei Jahre lang nicht mehr. Anstelle des damaligen "Our Times", das an alle rund 90000 Mitarbeitende rund um den Erdball gerichtet war, erhalten nun die Schweizer UBS-ler fünf Mal im Jahr das brandneue Magazin mit dem Namen "We.".
"We." richtet sich ausschliesslich an die Mitarbeitenden im Heimland der Grossbank. Warum investiert UBS gerade jetzt in interne Kommunikation und welches Konzept steht hinter der neuen Zeitschrift? Persoenlich.com fragte Peter Hartmeier, Leiter Unternehmenskommunikation UBS Schweiz.
Herr Hartmeier, warum investiert die UBS antizyklisch in ein Mitarbeitermagazin?
Wer bei UBS arbeitet, wird tagtäglich auf seinen Job oder auf den Arbeitgeber angesprochen. Die Mitarbeiter müssen ihren Arbeitgeber und die umstrittene Branche erklären können, daher ist interne Kommunikation so wichtig. Die neu lancierte Mitarbeiterzeitschrift soll im Wesentlichen drei Ziele erfüllen: Erstens wollen wir unseren Mitarbeitern Expertise bieten, ihnen beispielsweise erklären, warum ein führender Vermögensverwalter das umstrittene Investmentbanking braucht. Zweitens wollen wir Menschen vorstellen, die bei UBS arbeiten und drittens soll "We." zum Wir-Gefühl beitragen. Das Magazin soll kein top-down Instrument sein, welches die Geschäftsleitung nutzt, um Botschaften weiterzugeben, sondern ein Magazin, das die Mitarbeiter in den Vordergrund stellt. Dabei stehen die Menschen im Fokus.
Für ein Mitarbeiter-Magazin, indem normalerweise möglichst viele Köpfe zu sehen sind (Jubiläen, Neueintritte, ect.), enthält "We." eher wenig Mitarbeiter-Fotos.
Ja, das stimmt. Es könnten meiner Meinung nach mehr sein.
Wie entstand das Magazin?
Wir führten einen Pitch durch, an dem drei ausgewählte Agenturen ihre Konzepte vorstellten. Schliesslich konnte uns Swisscontent am besten überzeugen. Die bei der Agentur angestellten Journalisten schreiben nun also einen Grossteil der Texte für unser Mitarbeiter-Magazin. Die Leitung und Koordination liegt bei unserer Chefredaktorin, Ute Vikas. Sie ist bei UBS fix angestellt. Bei der Themenfindung hilft der Herausgeberrat, dem UBS-Mitarbeitende verschiedener Bereiche angehören, also Leute aus Wealth Managment, Investmentbanking, aus dem Administrationsbereich, aus St. Gallen, Luzern oder Lugano beispielsweise.
Warum schreiben die UBS-Mitarbeitenden die Text nicht selber?
Journalismus, Kommunikation, die Fähigkeit Texte zu verfassen, braucht gerade für ein anspruchsvolles Publikum Profis. Unsere Mitarbeiter in der Unternehmenskommunikation genauso wie die Journalisten von Swisscontent verfügen über Talent, Bildung und Erfahrung. Und sie bringen Kenntnisse der Finanzindustrie mit.
Warum machte Swisscontent das Rennen?
Swisscontent bot das überzeugendste Konzept für eine crossmediale Umsetzung. Wenn Sie unser Magazin anschauen, finden Sie oftmals Zusatzangebote im Internet. Etwa ein Video über Freiwilligenarbeit im Tessin oder ein Videointerview mit unserem Chefökonomen Daniel Kalt, in dem er über Lehren aus der Krise spricht.
Wer produziert diese Videos?
Das machen wir mehrheitlich Inhouse. Wir haben eine TV-Abteilung mit eigenem Studio und einem kleinen Spezialisten-Team.
Darf das Magazin UBS- oder bankenkritische Beiträge enthalten?
In der ersten Ausgabe verfasste der Publizist Karl Lüönd einen kritischen Essay und erklärt unter anderem, warum er nicht UBS-Kunde ist. UBS-Mitarbeiter sind sich gewohnt, zu argumentieren: Für die eigene Bank genauso wie für die ganze Branche. Der Reiz, für UBS zu arbeiten, besteht ja unter anderem auch gerade darin, dass man dauernd auf Funktion und Bedeutung dieser Tätigkeit angesprochen wird. Mit anderen Worten: UBS-Mitarbeiter sind sich gewohnt, mit kritischen Meinungen umzugehen. Das ist tägliches Brot, seit Jahren!
Die Januar-Ausgabe von "We." enthält - neben einem Dossier über 150-Jahre UBS und einem Experten-Interview mit Chefökonom Daniel Kalt - mehrere Beiträge über UBS-Mitarbeitende, bei denen die Menschen im Zentrum stehen. In der Rubrik "Ein Tag mit" wird in der aktuellen Ausgabe Hannes Jodar, Sektionsleiter Settlement Stock Exchange, porträtiert (siehe Titelbild oben) und in "Family" stellt sich als "UBS-Familie" die Familie Emery vor. Bei Emerys arbeiten gleich drei Mitglieder für die UBS: im HR und in der Beratung. Zudem bietet "We." auch Informationen, die Mitarbeitermagazine generell so unverzichtbar machen: Jubiläen, Hochzeiten, Promotionen. Das neue Mitarbeitermagazin ist auch online abrufbar und dort mit Zusatzmaterial hinterlegt. Links, Audio- oder Videobeiträge sind zu denjenigen Heft-Beiträgen erhältlich, die mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet sind. (eh)