Dem Kommunikations-Professor Peter Schulz von der Università della Svizzera italiana (USI) wird vorgeworfen, in wissenschaftlichen Arbeiten und einem Buchkapitel fremde Texte ohne Quellenangabe verwendet zu haben. Die USI stellte in einer Untersuchung Verstösse gegen das Urheberrecht fest, aber keinen Betrugsversuch.
Die im vergangenen November erhobenen Vorwürfe veranlassten die USI, eine Untersuchung durch ihre Ethik-Kommission einzuleiten. Unterstützt wurde diese durch den Experten Ivan Cherpillod von der Fakultät für Rechts- und Kriminalwissenschaften der Universität Lausanne, wie die USI am Montag bekannt gab.
Nun liegt das Ergebnis der Untersuchung vor. Demnach habe Schulz nie die Ideen oder Originalforschungsergebnisse anderer Forschender als eigene Leistungen dargestellt und insbesondere auch nicht die Gesamtheit oder wesentliche Teile von Publikationen Anderer kopiert.
In allen untersuchten Arbeiten von Schulz fand der Untersuchungsausschuss nur in zwei von acht Fällen geringfügige Verstösse gegen das Urheberrecht. Bei den anderen sechs Fällen handle es sich um weniger gravierende Zitierfehler.
Zitate unzureichend gekennzeichnet
Laut der Website «Retraction Watch» fielen die Unstimmigkeiten dem Philosophen Michael V. Dougherty von der Ohio Dominican University auf, der daraufhin das Fachjournal «Argumentation» darauf hinwies, in welchen die fraglichen Artikel von Schulz erschienen sind. Auch in einem von Schulz verfassten Kapitel in dem Buch «Philosophen der Renaissance» fand sich demnach eine gekürzte Fassung eines fremden Texts ohne Quellenangabe.
Die Veröffentlichung eines der besagten Artikel wurde bereits zurückgezogen, für einen zweiten ein Erratum mit Korrekturen veröffentlicht. Schulz räumte bereits im April in einem Kommentar gegenüber «Retraction Watch» ein, Fehler gemacht zu haben. Er hielt jedoch fest, dass die verwendeten Quellen jeweils erwähnt wurden, auch wenn nicht alle Zitate als solche gekennzeichnet waren. Er habe sich bei den betroffenen Forschenden entschuldigt.
Vorübergehende Suspendierung
Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung der USI-Ethik-Kommission habe der Universitätsrat einstimmig beschlossen, Schulz vorübergehend von seiner Rolle als ordentlicher Professor an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften zu suspendieren – für das Herbstsemester 2017/2018, schrieb die USI weiter.
Begründet sei diese Sanktion nicht auf der Schwere der Verstösse, sondern auf der Häufigkeit der Fälle, in denen der Kommunikationsforscher nicht die nötige Sorgfalt beim Zitieren wissenschaftlicher Quellen habe walten lassen. Während seiner Suspendierung wird Schulz als ausserordentlicher Professor weiterhin Kurse geben. (SDA)